Amerikanische Samtente

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Amerikanische Samtente
Weibchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Enten (Anatinae)
Tribus: Meerenten (Mergini)
Gattung: Meerenten (Melanitta)
Art: Amerikanische Samtente
Wissenschaftlicher Name
Melanitta deglandi
(Bonaparte, 1850)

Die Amerikanische Samtente (Melanitta deglandi), auch als Höckerschnabelente bekannt, zählt innerhalb der Familie der Entenvögel (Anatidae) zur Gattung der Meerenten (Melanitta). Im Englischen wird die Art White-winged Scoter genannt. Einige Autoren betrachten die Nordamerikanische Samtente als Unterart Melanitta fusca deglandi der Samtente (Melanitta fusca) (Linnaeus, 1758). Die Nordamerikanische Samtente wurde nach dem französischen Zoologen Dr. Côme-Damien Degland (1787-1856) benannt.

Die Amerikanische Samtente kann leicht mit der Brillenente (Melanitta perspicillata) sowie mit der Amerikanischen Trauerente (Melanitta americana) verwechselt werden. Die Amerikanische Trauerente besitzt jedoch einen orangefarbenen Schnabel und ist ansonsten völlig schwarz gefärbt. Des Weiteren ist die Amerikanische Samtente durch die weißlichen Flügelbereiche und durch die sehr schräg abfallende Stirn von der Brillenente sehr gut zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Nordamerikanische Samtente zeichnet sich durch den unförmig und beträchtlich großen Schnabel aus. Sie ist die größte Art aus der Gattung der Meerenten (Melanitta). Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 48 bis 56 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 950 bis 1.950 Gramm, durchschnittlich 1.180 Gramm und 52,3 Zentimeter. Das Weibchen weist im Gegensatz zum Männchen hellbraune Flecken auf dem Kopf auf, sonst ist das Gefieder des Weibchens insgesamt dunkelbraun gefärbt. Der Schnabel des Weibchens ist von einer schwärzlichen Färbung. Des Weiteren zeigt sich an den Flügeln ein weißer Saum. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 53 bis 60 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 1.360 bis 2.128 Gramm, durchschnittlich 1.380 Gramm und 55 Zentimeter. Das Gefieder des Männchen ist insgesamt dunkelbraun bis schwarz gefärbt, mit Ausnahme eines weißen Ringes um das Auge, der als weißer Streifen bis zum Nacken verläuft, und eines weißen Spiegels. Der Schnabelansatz dieser Art ist schwarz gefärbt mit einem ziemlich großen Schnabelhöcker, wobei der übrige Teil des Schnabels rosafarben getönt ist. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Charakteristika zwischen der östlichen sibirischen Population und der amerikanischen Population aus Alaska, Kanada sowie westlich der Hudson Bay. Das Männchen der amerikanischen Form weist braune Flanken, eine dunkelgelbe Färbung des Schnabels und einen weniger ausgeprägten Schnabelhöcker auf. Die amerikanische Art gleicht im Aussehen eher der Samtente (Melanitta fusca). Die asiatische Form besitzt einen sehr ausgeprägten Schnabelhöcker an der Basis und die Färbung des Schnabels ist eher orange-gelb. Beide Geschlechter ähneln sich im Aussehen.

Lebensweise

Amerikanische Samtenten leben wie alle Tauchenten überwiegend auf dem Wasser. Sie gelten als sehr gute Taucher und suchen ihre Nahrung fast ausschließlich unter Wasser. Die mit Schwimmhäuten versehenen Füße dienen auf und unter Wasser als Antriebsorgan. Der Tauchvorgang wird durch einen kleinen Sprung eingeleitet. Beim Tauchen bleiben die Flügel in der Regel am Körper. Amerikanische Samtenten sind auch gute Flieger, was sich auf den Flügen in die Winterquartiere bezahlt macht. Sie gelten als Mittel- bis Langstreckenzieher. Die Winterquartiere liegen an den Küsten in gemäßigtem Nordamerika, zumeist in den südlichen US-Bundesstaaten oder im nördlichen Mexiko. Amerikanische Samtenten leben überwiegend in geselligen Gruppen, die jedoch relativ klein sind.

Unterarten

Nominatform und Unterart der Art Melanitta deglandi
Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Melanitta deglandi deglandi (Bonaparte, 1850) LC Nordamerika [selten/gelegentlich]: Amer. Ornithol. Union [selten/gelegentlich], Kanada, Alberta, British Columbia, Manitoba, New Brunswick, Neufundland-Labrador, Neufundland, Neuschottland, Nunavut, Nunavut (Festland), Nunavut (Arctic Islands) [selten/gelegentlich], Nunavut (Hudson Bay Islands), Ontario, Prince Edward Island, Québec, Abitibi, Témiscamingue, Outaouais, Laurentides, Montérégie, Estrie, Centre Bois-Francs, Lanaudière, Mauricie, Québec, Saguenay-Lac-St-Jean, Bas-St-Laurent, Côte-Nord, Anticosti, Gaspésie, Îles-de-la-Madeleine, Nord-du-Québec, Saskatchewan, Yukon, Vereinigte Staaten von Amerika, Pacific, Alaska, Aleuten. Europa: Westeuropa: Spanien. Afrika. Holarktis, Paläarktis, Westpaläarktis.
Melanitta deglandi stejnegeri (Ridgway, 1887) LC Nordamerika [selten/gelegentlich]: Amer. Ornithol. Union [selten/gelegentlich], Vereinigte Staaten von Amerika [selten/gelegentlich]. Pazifik [selten/gelegentlich], Alaska [selten/gelegentlich]. Europa: Westeuropa: Island [selten/gelegentlich], Frankreich. Asien: Russland, Russland (Asien), Sibirien, Turkestan, Kasachstan. China: Hebei, Beidaihe, Korea (North & South), Republik Korea, Japan, Hongkong [selten/gelegentlich], Holarktis, Paläarktis, Westpaläarktis.


Verbreitung

Zu den Verbreitungsgebieten der Nordamerikanischen Samtente und der Unterarten zählen unter anderem Nordamerika: Nordamerika (USA und Kanada), Amer. Ornithol. Union, Amer. Birding Association, Kanada, Alberta, British Columbia, Manitoba, New Brunswick, Neufundland-Labrador, Neufundland, Neuschottland, Nunavut, Nunavut (Festland), Nunavut (Arctic Islands) [selten/gelegentlich], Nunavut (Hudson Bay Islands), Ontario, Süd-Ontario, Nord-Ontario, Ontario - Long Point, Ontario - Pointe Pelee, Prince Edward Island, Québec, Abitibi, Témiscamingue, Outaouais, Laurentides, Montérégie, Estrie, Centre Bois-Francs, Lanaudière, Mauricie, Québec,
Amerikanische Samtente - Männchen
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Amerikanische Samtente - Männchen
Saguenay-Lac-St-Jean, Bas-St-Laurent, Côte-Nord, Basse Côte-Nord, Anticosti, Gaspésie, Îles-de-la-Madeleine, Nord-du-Québec, Saskatchewan, Yukon, St. Pierre und Miquelon, Vereinigte Staaten von Amerika, East North Central, East South Central, Middle Atlantic, Mountain, New England, Pacific, South Atlantic, West North Central, West South Central, Alaska, Aleuten, Alabama, Arkansas, Arizona, Kalifornien, Colorado, Connecticut, District of Columbia, Delaware, Florida, Georgia, Iowa, Idaho, Illinois, Indiana, Kansas, Kentucky, Louisiana [selten/gelegentlich], Massachusetts, Maryland, Maine, Michigan, Minnesota, Missouri, Mississippi, Montana, North Carolina, North Dakota, Nebraska, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, Nevada, New York, Ohio, Oklahoma [selten/gelegentlich], Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Virginia, Vermont, Washington, Wisconsin, West Virginia, Wyoming. Mittelamerika: Mexiko, Baja California, Baja California Norte, Baja California Sur [selten/gelegentlich], Sonora, Bermudas [selten/gelegentlich], Karibik [selten/gelegentlich]. Europa [selten/gelegentlich]: Continental Europe [selten/gelegentlich]. Westeuropa [selten/gelegentlich]. Osteuropa [selten/gelegentlich]. Island [selten/gelegentlich], Grönland [selten/gelegentlich], West Grönland [selten/gelegentlich], Frankreich [selten/gelegentlich], Spanien, Polen [selten/gelegentlich]. Afrika. Asien: Russland [selten/gelegentlich], Russland (Asien), Insel Sachalin,Sibirien, Zentral-Sibirien, Far Eastern Federal District, Oblast Sakhalinskaya, Turkestan, Kasachstan. China:Hebei, Beidaihe, Korea (North & South), Republik Korea, Japan, Hongkong [selten/gelegentlich], Holarktis, Paläarktis, Westpaläarktis.

Die Brutgebiete liegen im hohen Norden von Nordamerika, insbesondere in Alaska, USA und im nördlichen Kanada nahe der Polargrenze. Die Brutgebiete liegen in der Taiga zumeist an Süßwasserseen oder größeren Teichen, selten auch in Sumpfgebieten oder entlang von Flussläufen. Die Winterquartiere liegen überwiegend an den Nordamerikanischen Küsten oder entlang von Flussmündungen, größeren Buchten oder Flussdelta. Rastplätze liegen an inländischen Seen und Teichen. Der Zug in die Brutgebiete erfolgt meist im April oder Anfang Mai. Nichtbrüter bleiben oftmals in den Winterquartieren zurück. In Europa ist die Amerikanische Samtente ein sehr seltener Gast, man kann sie hin und wieder an den europäischen Küsten Europas beobachten. Im europäischen Binnenland ist die Amerikanische Samtente nicht anzutreffen.

Ernährung

Amerikanische Samtenten suchen ihre Nahrung tauchend im Flachwasserbereich auf dem Grund ihres Gewässers. Dabei drehen sie auch kleinere Steine um und nehmen die darunter liegenden Beutetiere auf. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Muscheln (Bivalvia), kleine Weichtiere (Mollusca), Krebstiere (Crustacea) sowie Schnecken (Gastropoda) und Insekten (Insecta) sowie deren Larven. Hier und da nehmen sie auch Wasserpflanzen und Sämereien zu sich.

Fortpflanzung

Die Amerikanische Samtenten erreichen die Geschlechtsreife im Laufe des zweiten Lebensjahres, spätestens jedoch gegen Ende des zweiten Lebensjahres. Die Brutgebiete liegen in der Taiga zumeist an mit Nadelwäldern gesäumten Süßwasserseen oder an größeren Teichen, selten auch in Sumpfgebieten oder entlang von Flussläufen. Die Brutgebiete zeichnen sich grundsätzlich durch einen Waldreichtum aus. Die Paarungs- und Balzzeit beginnt im zeitigen Frühjahr, spätestens jedoch im Mai. Während einer Saison kommt es nur zu einem Gelege. Amerikanische Samtenten leben in einer monogamen Einehe und ziehen sich zur Brutzeit in ein kleines Revier zurück, das gegenüber Artgenossen vehement verteidigt wird. Das Männchen ist dabei deutlich territorialer als das Weibchen. Die Nester entstehen zumeist auf dem Boden nahe eines Gewässers, eines Sees oder in der Nähe von Flüssen, in Wäldern oder in der Tundra. Das eigentliche Nest besteht aus Pflanzenteilen und wird mit Federn und ähnlichen weichen Materialien ausgepolstert. Das Weibchen legt meist zwischen fünf und elf, durchschnittlich sechs bis sieben rosafarbene Eier, die etwa 46,9 Millimeter breit und etwa 68,2 Millimeter lang sind. Das Gewicht der Eier beträgt etwa 82,4 Gramm. Die Eier werden über einen Zeitraum von 25 bis 30 Tagen vom Weibchen bebrütet. Nach etwa 21 Tagen verhält sich das brütende Weibchen gegenüber anderen brütenden Weibchen sehr aggressiv, was zu Verwirrungen und Vermischungen der Brut kommen kann. Infolge der Vermischungen dieser Konflikte kann es passieren, dass das Weibchen dann etwa 40 Nachkommen hat. Die Küken schlüpfen gut entwickelt und verfügen über ein dichtes Dunenkleid. Auch ihre Augen sind bereits geöffnet. Ab dem zweiten Lebenstag verlassen die Küken das Nest und folgen den Eltern zum Gewässer. Die Küken ernähren sich unter Anleitung der Eltern im Gewässer selbständig. Das Erstgefieder der jugendlichen Enten ähnelt dem der Mutter. Sie erreichen nach rund 63 bis 77 Tagen die Flugfähigkeit.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
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