Amerikanischer Pfeifhase

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Amerikanischer Pfeifhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)
Gattung: Ochotona
Art: Amerikanischer Pfeifhase
Wissenschaftlicher Name
Ochotona princeps
Richardson, 1828

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Amerikanische Pfeifhase (Ochotona princeps) zählt innerhalb der Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae) zur Gattung Ochotona. Im Englischen wird der Amerikanische Pfeifhase american pika genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Amerikanische Pfeifhase erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 16 bis 21,5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,5 bis 3,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 120 bis 175 Gramm. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen. Das dichte Fell ist üblicherweise gräulich bis graubraun gefärbt. Ventral ist das Fell mit hellbraun bis weißlich oder cremefarben etwas heller gefärbt. Eine ähnliche Färbung weisen auch die Füße der Extremitäten auf. Das Fell ist im Sommer deutlich kürzer. Im Frühjahr und im Spätherbst kommt es jeweils zum Fellwechsel. Bei juvenilen Pfeifhasen kommt es erst im Folgejahr nach der Geburt zum ersten Fellwechsel. Das Winterfell ist insgesamt etwas länger und verfügt über eine dichte Unterwolle. Markant sind die kleinen und rundlich geformten Ohren. Sie sind innen unbehaart und liegen weit hinten am Kopf.
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Die knopfartigen runden Augen sind dunkel gefärbt. Der Kopf ist leicht länglich und ausgesprochen flach. Im Bereich der Schnauze zeigen sich Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die eine Länge von 4,0 bis 7,7 Zentimeter erreichen. Die Füße enden in Zehen, die mit scharfen Grabkrallen versehen sind. Ein Schwanz ist nur rudimentär vorhanden. Das Gebiss besteht aus 26 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/1, 0/0, 3/2, 2/3. Zum Säugen des Nachwuchses verfügen die Weibchen über drei Paar Zitzen.

Lebensweise

Amerikanische Pfeifhasen leben in kleinen Kolonien und sind nur am Tage aktiv. Am Tage sieht man sie, wenn sie nicht gerade auf Nahrungssuche sind, oftmals auf Felsen sitzen, wo sie die Sonne genießen. Amerikanische Pfeifhasen leben zwar in Kolonien, aber jedes Tier verfügt über einen eigenen Erdbau der den Kern eines kleinen Territoriums bildet. Das Territorium wird vehement gegenüber Artgenossen verteidigt. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer und überlappen sich mit Revieren mehrerer Weibchen. Reviergrößen von 400 bis 700 Quadratmeter sind dabei die Regel, die Reviere der Männchen können leicht deutlich über 1.000 Quadratmeter betragen. Die Größe eines Reviers hängt nicht nur vom Geschlecht ab, sondern auch von der Qualität der Vegetation, die der Ernährung dient. Die Erdbauten werden an geschützten Plätzen wie unter Steinen oder Büschen angelegt.

Verbreitung

Amerikanische Pfeifhasen kommen weitflächig im Südwesten Kanadas und im Westen der USA vor. In Kanada werden vor allem in British Columbia und in Alberta vor. In den USA sind die Tiere insbesondere im Westen und Nordwesten in Washington, Idaho, Montana, Oregon, Wyoming, Colorado, Utah, Nevada, Kalifornien sowie in den nördlichen Landesteilen von Arizona und New Mexiko anzutreffen. Amerikanische Pfeifhasen leben ausschließlich in Mittel- und Hochgebirgslagen. Hier sind sie vor allem in felsigen Regionen verbreitet, die nur spärlich mit Vegetation durchsetzt sind.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Amerikanischen Pfeifhasen gehören insbesondere Kojoten (Canis latrans), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Hermeline (Mustela erminea) und Fichtenmarder (Martes americana). Kleinere Fleischfresser sind üblicherweise erfolgreicher als große Räuber wie beispielsweise der Kojote, da sie den Pfeifhasen in die Erdbauten folgen können. Amerikanische Pfeifhase sind ausgesprochen wachsam. Bei Gefahr warnen sich die Tiere gegenseitig durch schrille Pfiffe. Darüber hinaus werden die Amerikanischen Pfeifhasen von einer Reihe von Ekto- und Endoparasiten heimgesucht. Untersuchungen zufolge handelt es sich dabei um rund 66 Spezies. <1>
Prädator: Kojote (Canis latrans)
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Prädator: Kojote (Canis latrans)

Ernährung

Amerikanische Pfeifhasen ernähren sich rein pflanzlich. Sie ernähren sich im wesentlichen von Gräsern, Kräutern sowie von Sämereien und Früchten. Für die lange Winterzeit legen die Tiere in ihren unterirdischen Behausungen Vorräte an, von denen sie sich im Winter ernähren. Bei den Vorräten handelt es sich zumeist im Gräser und reife Samen. Im Winter wagen sich die Tiere nur selten aus ihrem Bau. Reicht die eingelagerte Nahrung nicht aus, so graben die Alaska-Pfeifhasen Tunnel in den Schnee und suchen nach Moosen und Flechten. Andere Nahrung bietet der Winter nicht. Auf Nahrungssuche gehen Amerikanische Pfeifhasen ausschließlich am Tage. Während der Tageslichtphase wenden sie rund 30 Prozent für die Nahrungssuche auf.

Fortpflanzung

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Der Amerikanische Pfeifhase erreicht die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Die Paarungszeit beginnt in der Regel im Frühjahr und zieht sich meist bis in den Spätsommer. Während dieser Zeit kommt es meist zu zwei Würfen. Amerikanische Pfeifhasen leben in einer monogamen Einehe. Dies ist unter Nagetieren bei weitem nicht üblich. Nach einer Tragezeit von gut 30 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Erdbau zwischen zwei und sechs, im Mittel drei bis vier Jungtiere zur Welt. Sie sind bei der Geburt noch nackt und blind, wachsen aber sehr schnell heran. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 10 und 12 Gramm. Die Augen öffnen die Jungtiere im Alter von neun Tagen. Zum Säugen verfügt das Weibchen über sechs Zitzen. Im Alter von 30 bis 35 Tagen werden die Jungtiere von der Muttermilch entwöhnt. Im Alter von etwa 40 Tagen sind sie selbständig, im Alter von 90 Tagen ausgewachsen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Amerikanische Pfeifhasen bilden die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Fleischfressern. Sie stehen als reine Pflanzenfresser am unteren Ende der Nahrungskette. In ihrem Lebensraum gelten sie als hervorragende Samenverbreiter. Dies hat zur Folge, dass die Vegetation in diesen Regionen aktiv verbreitet wird. Die Art als Ganzes ist noch nicht gefährdet. Jedoch steht es um sieben Unterarten (siehe Tabelle) nicht gut, sie gelten als gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Ochotona princeps albata Grinnell, 1912 LC südliches Kalifornien, USA
Ochotona princeps barnesi Durrant & Lee, 1955 LC Utah, USA
Ochotona princeps brooksi Howell, 1924 LC British Columbia, Kanada
Ochotona princeps brunnecens Howell, 1919 LC British Columbia, Kanada; Washington, USA
Ochotona princeps cinnamomea Allen, 1905 LC Utah, USA
Ochotona princeps clamosa Hall & Bowlus, 1905 LC Idaho, USA
Ochotona princeps cuppes Bangs, 1899 LC Alberta, Kanada; nördliches Idaho, USA
Ochotona princeps fenisex Osgood, 1899 LC British Columbia, Kanada
Ochotona princeps figginsi Allen, 1912 LC südliches Wyoning, nördliches Colorado
Ochotona princeps fumosa Howell, 1919 LC Oregon, USA
Ochotona princeps goldmani Howell, 1924 VU südliches Idaho, USA
Ochotona princeps howelli Borell, 1931 LC östliches Idaho, USA
Ochotona princeps incana Howell, 1919 LC südliche4s Colorado, nördliches New Mexiko
Ochotona princeps jewetti Howell, 1919 LC westliches Oregon, USA
Ochotona princeps lasalensis Durrant & Lee, 1955 VU südöstliches Utah, USA
Ochotona princeps lemhi Howell, 1919 LC Idaho, USA
Ochotona princeps littoralis Cowen, 1919 LC British Columbia, Kanada
Ochotona princeps lutenscens Howell, 1919 LC Alberta, Kanada
Ochotona princeps moorei Gardner, 1950 LC Utah, USA
Ochotona princeps muiri Grinnell & Storer, 1950 LC Kalifornien, westliches Nevada, USA
Ochotona princeps nevadensis Howell, 1919 VU Nevada, USA
Ochotona princeps nigrescens Bailey, 1919 VU nordwestliches New Mexiko, USA
Ochotona princeps obscura Long, 1965 VU nördliches Wyoming, USA
Ochotona princeps princeps Richardson, 1828 LC östliches British Columbia, westliches Alberta, Kanada
Ochotona princeps saturata Cowen, 1954 LC östliches British Columbia, Kanada
Ochotona princeps saxatilis Bangs, 1899 LC Colorado, USA
Ochotona princeps schisticeps Merriam, 1889 LC Kalifornien, USA
Ochotona princeps septentrionalis Cowen & Racey, 1889 LC British Columbia, Kanada
Ochotona princeps sheltoni Grinnell, 1918 VU zentrales Kalifornien, östliches Nevada, USA
Ochotona princeps taylori Grinnell, 1912 LC Oregon, nördliches Kalifornien, USA
Ochotona princeps tutelata Hall, 1934 VU zentrales Nevada, USA
Ochotona princeps uinta Hollister, 1912 LC nördliches Utah, USA
Ochotona princeps utahensis Hall & Hayward, 1941 LC zentrales Utah, USA
Ochotona princeps ventorum Howell, 1919 LC Idaho, westliches Wyoming, USA
Ochotona princeps wasatchensis Durrant & Lee, 1955 LC zentrales Utah, USA

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae)

Literatur und Quellen

Links

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