Baerente

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Baerente

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Enten (Anatinae)
Tribus: Tauchenten (Aythyini)
Gattung: Tauchenten (Aythya)
Art: Baerente
Wissenschaftlicher Name
Aythya baeri
Radde, 1863

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Die Baerente (Aythya baeri) zählt innerhalb der Familie der Entenvögel (Anatidae) zur Gattung der Tauchenten (Aythya). Die Ente wurde nach dem russisch-deutschen Forscher Karl Ernst von Baer benannt. Im Englischen wird die Art Baer's Pochard genannt (IUCN, 2014).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Baerente erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 42 bis 46 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 70 bis 75 Zentimeter sowie ein Gewicht von 700 bis 900 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Die Baerente ist mittelgroß wirkt aber etwas leichter und kleiner als die Stockente (Anas platyrhynchos) oder die nah verwandte Tafelente (Aythya ferina). Der lange, konkav geformte Schnabel geht sanft in die ansteigende Stirn über. Im Gegensatz zur Tafelente weist der Kopf der Baerente jedoch eine rundliche Form auf. Das Rücken- und Flügelgefieder weist eine graubraune Färbung auf, der Hals, die Brust und der Kopf sind kaminrot und zeigen bei Lichteinfall einen leicht grünlich metallischen Schimmer. Die Bauchseite sowie die unteren Teile der Flanken sind weißlich gefärbt. Die oberen Teile der Flanken sind graubraun gefärbt. Die Unterseite der Flügel zeigt eine weiße Färbung. Der Schnabel ist durchweg schwarz gefärbt. Die Augen sind auffallend weiß gefärbt, die Pupille ist dunkel. Die juvenile Baerente ähnelt in der Gefiederfärbung dem adulten Weibchen. Die Beine erscheinen bei beiden Geschlechtern kurz und kräftig und sind grau gefärbt. Sie weisen eine lange Hinterzehe auf. Des weiteren sind die Außenzehe und Mittelzehe gleich lang geformt. In ihrer Fortbewegung wirkt die Baerente mit den kurzen Beinen eher unbeholfen, dagegen kann sie sich im Wasser optimal fortbewegen und ist eine brillante Taucherin. Die Baerente taucht bis zwei oder drei Meter tief und kann bis zu 40 Sekunden lang unter Wasser bleiben. Die Flügel der Baerente sind verhältnismäßig kurz. Um einer Gefahr auszuweichen, zieht die Baerente es lieber vor zu tauchen. Ist die Baerente gezwungen doch aufzufliegen, muss sie erst auf der Wasseroberfläche Anlauf nehmen und kraftvoll mit den Flügeln schlagen. Hat die Baerente es geschafft sich in die Luft zu erheben, dann ist sie trotz ihrer kurzen Flügel eine schnelle und gewandte Fliegerin.

Verbreitung

Die Baerente ist in weiten Teilen Ostasiens und Südostasiens verbreitet. Die Brutgebiete liegen im östlichen Teil Russlands und im nördlichen China, stellenweise auch in der Mongolei. Je nach Verbreitungsgebiet zieht die Baerente im Herbst in die Winterquartiere. Nur in südlichen Brutgebieten, wie beispielsweise in Korea, ist sie das ganze Jahr über anzutreffen. Die Baerente kommt insbesondere in Bangladesh, Bhutan, China, Hong Kong, Indien, Japan, Korea, der Mongolei, Nord- und Südkorea, Myanmar, Nepal, Russland, Taiwan, Thailand und Vietnam vor. In den Brutgebieten lebt die Baerente an vegetationsreichen Seen, Teichen und Flüssen. Ihre Nester entstehen zumeist in dichter Ufervegetation. Die Winterquartiere liegen in der Regel in Südostasien in Sumpfgebieten und ähnlich feuchten Lebensräumen.

Ernährung

Die Baerente geht hauptsächlich in den Morgen- und Abendstunden auf Nahrungssuche. Sie ernährt sich sowohl von tierischer als auch pflanzlicher Nahrung. An pflanzlicher Nahrung nimmt die Baerente Sämereien und aquatische Pflanzenteile zu sich. Zur Hauptnahrung gehört jedoch tierische Kost.
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Um nach Schnecken, kleinen Fischen, Schalentieren, Würmern und nach Insektenlarven zu tauchen, verschwindet die Baerente nach einem kleinen Sprung unter Wasser und verbleibt dort etwa 20 bis 40 Sekunden lang bis sie wieder auftaucht. Tauchtiefen von zwei bis drei Metern sind dabei die Regel. Sie zieht es vor ihre Nahrung aus klarem sauberem Wasser zu holen.

Fortpflanzung

Die Baerente erreicht die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr, meist erfolgt die erste Brut jedoch erst Ende des zweiten Lebensjahres. Die Paarungszeit beginnt in den Brutgebieten im Frühjahr und kann sich bis in den Frühsommer hinein erstrecken. Die Geschlechter haben sich zumeist schon in den Winterquartieren verpaart. Sie führen eine monogame Einehe, die jedoch nur eine Saison hält. Die Verpaarung erfolgt in der Regel bereits in den Winterquartieren, selten erst im Brutgebiet. Die Eiablage beginnt Ende April, die Hauptlegezeit erstreckt sich von Mai bis Juni. Das Männchen nimmt an der Bebrütung der Eier nicht teil, schützt jedoch das Gelege und versorgt sein Weibchen mit Nahrung. Das Weibchen errichtet ein Nest in der angrenzenden Vegetation im Schilf, auf Pflanzenmaterial oder auf kleinen Inseln. Es ist ein einfaches Nest, das mit Pflanzenteilen gebaut und ausgepolstert ist.

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Das Weibchen legt etwa 9 bis 12, selten auch bis 15 blaugrüne bis graugrüne Eier in das Nest. Wird das erste Gelege von Prädatoren vernichtet, kann es zu einem kleineren Nachgelege kommen. Nach einer Brutzeit von 24 bis 28 Tagen schlüpfen die Jungen. Die Dauer der Brutzeit richtet sich im wesentlichen nach dem Klima, insbesondere der Umgebungstemperatur. Die Jungen sind Nestflüchter und verlassen das Nest nach ein bis zwei Tagen. Das Tauchen ist den Jungen schon angeboren und können sich am zweiten Tag selbständig ernähren. Während dieser Zeit sind die Jungen besonders gefährdet. Mit etwa 7 bis 8 Wochen sind die Jungen flügge und das Weibchen verlässt dann die Jungen. Die Lebenserwartung einer Baerente kann acht bis zehn Jahre betragen. Ein Alter von bis zu 12 bis 15 Jahren ist nur in Gefangenschaft möglich.

Gefährdung und Schutz

Die Baerente gehört heute zu den stark gefährdeten Entenvögeln. Vor allem in den Winterquartieren stellt der Mensch den Tieren wegen ihres Fleisches nach. Sie werden geschossen oder mit Giftködern erlegt. In den Brutgebieten werden zudem aus den Nestern die Eier abgesammelt. Die Vernichtung und Trockenlegung von Feuchtgebieten und ähnlichen Lebensräumen sowie die allgemeine Wasser- und Umweltverschmutzung und die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Pestiziden verschärfen die Situation zusätzlich. Die Bejagung ist in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete verboten, jedoch hält sich die einheimische Bevölkerung nur bedingt an das Jagdverbot. Zudem ist sie nur schwer von der Moorente (Aythya nyroca) zu unterscheiden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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