Bananen-Zwergfledermaus

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Zwergfledermaus
Foto/Zeichnung folgt

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae)
Gattung: Zwergfledermäuse (Pipistrellus)
Art: Bananen-Zwergfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Pipistrellus nanus
(Peters, 1852)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Bananen-Zwergfledermaus (Pipistrellus nanus) zählt innerhalb der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zur Gattung der Zwergfledermäuse (Pipistrellus). Im Englischen wird die Bananen-Zwergfledermaus oder Banana Pipistrelle genannt.

Die Art ist auch unter den Synonymen Neoromicia nanus (Peters, 1852) und Vespertilio nanus (Peters, 1852) bekannt, wobei die genannten Synonyme keine Gültigkeit besitzen. Es sind 6 Unterarten bekannt. Fossile Funde konnten bislang nicht nachgewiesen werden.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Bananen-Zwergfledermaus kann mit Pipistrellus nanulus verwechselt werden. Zu unterscheiden sind beide Arten anhand der Form von Tragus und Antitragus. Das Fell der Bananen-Zwergfledermaus ist durchgängig zweifarbig, bei Pipistrellus nanulus ist dies nur ventral der Fall. Ansonsten unterscheiden sich beide Arten auch in der Größe, denn die Bananen-Zwergfledermaus ist die kleinste Art der Gattung (Lausen & Barclay, 2005).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Bananen-Zwergfledermaus ist nicht nur die kleinste Fledermaus-Art, sondern auch eines der kleinsten Säugetiere überhaupt. Die Art erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 36 bis 40 mm, eine Schwanzlänge von 24 bis 41 mm, eine Unterarmlänge von 25 bis 32,5 mm, eine Ohrlänge von 10 bis 11 mm, eine Hinterfußlänge von 5 bis 7 (6) mm, eie Schädellänge von 12,5 mm sowie ein Gewicht von 3 bis 4 g. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Die Ohren sind fast dreieckig und weisen leicht konvexe und äußere Kanten auf. Das Fell der Bananen-Zwergfledermaus ist dorsal an der Basis dunkel gelblich-braun bis tief rotbraun, die Spitzen sind goldbraun gefärbt. Ventral zeigt sich an der Basis eine dunkle, an den Spitzen eine helle, nicht selten eine weißlichgraue Färbung. Die Fellfärbung variiert je nach Vorkommen und Unterart. Unterschiede in der Färbung zeigen sich auch zwischen Jung- und Alttieren. Jungtiere sind deutlich dunkler gefärbt als ältere oder erwachsene Tiere. Die Ballen der Hände und Füße bestehen größtenteils aus Hautgewebe, das mit zahlreichen Talgdrüsen durchsetzt ist. Die Talgdrüsen weisen proximal eine höhere Konzentration auf. Die Hornschicht (Stratum corneum), ein Teil der Epidermis, ist relativ dünn. In den tieferen Schichten der Ballen sind elastische Fasern in den kollagenen Septen (lat.: saeptum = "Zaun", Plural: Septa) eingelagert. Abschließend kann man feststellen, dass die Ballen der Hände und Füße die Funktion von Sauggreifern aufweisen. Ein kräftiges Band aus Bindegewebe, das in Knorpel eingelagert ist, stellt radial die Verbindung zum Adductor brevis dar. Das Gebiss der Bananen-Zwergfledermaus besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/3, c1/1, p2/2, m3/3. Der Penisknochen (Baculum) erreicht eine Länge von 17 mm und weist eine ungeteilte Spitze auf (Lausen & Barclay, 2005).

Lebensweise

Bananen-Zwergfledermäuse halten sich an den Schlafplätzen einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen auf. Eine Gruppenbildung von bis zu 150 Individuen ist hingegen eher selten zu beobachten. Die Größe und Zusammensetzung einer Gruppe variiert saisonal. So halten sich beispielsweise Männchen während der Stillzeit nicht oder nur selten in der Nähe der Weibchen auf. Die Gruppen sind im Wesentlichen Haremsgruppen. Eine Haremsgruppe besteht aus einem Männchen und bis zu 9 Weibchen. Auch Haremsgruppen mit 2 Männchen sind bekannt. Die Ruheplätze bzw. Schlafplätze werden von den Männchen erbittert verteidigt. Eine konstante Zusammensetzung einer Gruppe ist nicht erkennbar. Die Weibchen bilden dabei keine große Gruppentreue aus. Männchen sind durch eine besonders große Gruppentreue geprägt. Bananen-Zwergfledermäuse orientieren sich bei der Nahrungssuche durch Echoortung. Die frequenzmodulierten Ausrufe weisen eine Dauer von 4 bis 5 ms auf, die Frequenz liegt bei durchschnittlich 62 bis 90 (70) kHz. Die maximale Frequenz, die durch Messungen belegt ist, liegt bei 115 kHz. Die Kommunikation untereinander erfolgt über akustische Laute. Man hat 3 verschiedene Arten an Kommunikation bzw. Lauten festgestellt. Dies sind bei Streitigkeiten variable und laute Töne sowie die sogenannten Long und Short Calls. Long Calls bestehen aus 6 bis 8 Silben. Short Calls weisen 3 bis 4 Silben auf. Zu vokalen Duellen kommt es für gewöhnlich nur zwischen den Männchen. Das Geschlechterverhältnis schwankt regional, liegt jedoch in der Regel bei 1:1. Der Flug der Bananen-Zwergfledermaus wirkt flatterhaft und weist leichte Zick-Zack-Bewegungen auf. Die Art fliegt als Insektenfresser in niedriger Höhe von 2,1 bis 5,1 m über dem Boden. Die aktive Zeit verbringt die Bananen-Zwergfledermaus hauptsächlich mit der Nahrungssuche. Aktiv sind die Tiere ausschließlich in der Nacht (Lausen & Barclay, 2005).

Unterarten

Verbreitung

Vorkommen

Die Art ist in Afrika südlich der Sahara weit verbreitet. Die Bananen-Zwergfledermaus fehlt nur in den sehr trockenen Regionen wie der Namib an der Westküste Afrikas und der Kalahari in der nördlichen Kapprovinz. Als nachgewiesen gilt die Bananen-Zwergfledermaus in Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, im Kongo, in der Demokratischen Republik Kongo, in der Elfenbeinküste, in Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea -Bissau, Kenia, Liberia, auf Madagaskar, in Malawi, Mali, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Vereinigte Republik, Togo, Uganda, Sambia und in Simbabwe (IUCN, 2010; Lausen & Barclay, 2005).

Lebensraum

Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes ist es nicht verwunderlich, dass die Bananen-Zwergfledermäuse eine Vielzahl an Lebensräumen besiedeln. Anzutreffen ist die Art in tropischen Regenwäldern, offenen Landschaften, aber auch Plantagen und ähnliche Lebensräume. Schlafplätze können auch an geschützten Plätzen in menschliche Behausungen liegen. Vereinzelt nutzen Bananen-Zwergfledermäuse auch verlassene Nester von Vögeln. Beliebte Ruheplätze sind in Plantagen eingerollte Blätter von Bananenstauden (Musa) oder die Blätter von Strelitziengewächsen (Strelitziaceae) wie die Berg-Strelitzie (Strelitzia caudata). Die Ruheplätze liegen meist in Höhen von 1 bis 4 m über dem Boden. Pflanzen mit einer Höhe von mehr als 1,5 m werden von den Tieren bevorzugt (Lausen & Barclay, 2005).

Biozönose

Sympatrie und Konkurrenz

Bananen-Zwergfledermäuse leben sympatrisch und in Nahrungskonkurrenz mit einigen anderen Arten von Fledermäusen. Dies sind unter anderem Myotis boccagei und Pipistrellus somalicus. Insbesondere in Plantagen kommt es aufgrund der Fülle an Ruheplätzen und Nahrung zu keine konkurrenzbedingten Handlungen zwischen den Species.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Bananen-Zwergfledermaus zählen an den Schlaf- und Ruhestätten vor allem Schlangen (Serpentes) wie Sandrennnattern (Psammophis) sowie andere Fledertiere (Chiroptera) wie die Herznasenfledermaus (Cardioderma cor) (Lausen & Barclay, 2005).

Ernährung

Bananen-Zwergfledermäuse ernähren sich im Wesentlichen von Nachtfaltern (Noctuoidea) und anderen Schmetterlingen (Lepidoptera) sowie von Käfern (Coleoptera). Zu einem kleinen Teil werden auch Zweiflügler (Diptera) gefressen. Die Ernährung variiert dabei lokal und saisonal. Die Insekten werden für gewöhnlich von Blättern und Stämmen aufgelesen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsorgane der Männchen bestehen aus den Hoden und Nebenhoden und liegen caudal im Bereich des Darmtraktes. Die Nebenhoden erstrecken sich während der Spermatogenese einige Millimeter über das distale Ende der Hoden. Urethrale und ampulläre Drüsen fehlen den Männchen. Während der frühen Spermatogenese ist das Epithel der Samenleiter lediglich 2 Zellen stark, gegen Ende der Spermatogenese weist das Epithel eine Dicke von 4 Zellen auf. Dies entspricht dem Ende der Regenzeit. Die Zeit der Spermatogenese variiert lokal sehr stark. In Malawi liegt die Spermatogenese zwischen Februar und Juni. Im Juni konnte keine Teilung der Spermatogonien mehr festgestellt werden. Die Produktion der Spermatogonien erfolgt im sogenenannten Keimepithel der Hoden. Das Endometrium, die dünne Schleimhaut der Innenwand der Gebärmutter, zeigt sich zu Beginn der Paarung noch unverändert. Mit der Paarung sammeln sich im oberen Ende des Uterushörner und die sekundäre Follikel nehmen an Umfang zu. Vaginalpfröpfe wurden nicht beobachtet. Der Nachwuchs der Bananen-Zwergfledermaus kommt synchron zu Beginn der Regenzeit, meist im November, zur Welt und wird für rund 8 Wochen gesäugt. Ein Weibchen bringt für gewöhnlich 1 bis 2 Junge zur Welt. In der Demokratischen Republik Kongo, in Gabun, Ruanda und Tansania kann es auch zu asynchronen Geburten kommen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Nach Angaben der IUCN zählt die Bananen-Zwergfledermaus noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste daher in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Dies liegt wahrscheinlich zum einen an der weiten Verbreitung und zum anderen an der hohen Anpassungsfähigkeit der Tiere (IUCN, 2009).

Synonyme

Nach Wilson und Reeder (2005) ist die Bananen-Zwergfledermaus auch unter den Synonymen abaensis Allen (1917), africanus Rüppell (1842), australis Roberts (1913), pagenstecheri Noack (1889), pusillulus Peters (1870), pusillus LeConte (1857) und pusillus Noack (1889) bekannt. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson und Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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