Bauchige Windelschnecke

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Bauchige Windelschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Familie: Windelschnecken (Vertiginidae)
Unterfamilie: Vertigininae
Gattung: Vertigo
Art: Bauchige Windelschnecke
Wissenschaftlicher Name
Vertigo moulinsiana
Dupuy, 1849

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) zählt innerhalb der Familie der Windelschnecken (Vertiginidae) zur Gattung Vertigo. Im Englischen wird die Bauchige Windelschnecke Desmoulin's whorl snail genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Arbeitskreis Mollusken NRW wählte in Kooperation mit dem NABU die Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana) zum Weichtier des Jahres 2003. Die Bauchige Windelschnecke ist aufgrund der Biotopzerstörung durch Grundwassersenkungen sowie Trockenlegen von Feuchtgebieten und schilfbewachsene Seen stark gefährdet. In einigen europäischen Ländern ist die Bauchige Windelschnecke schon ausgestorben.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gehäuse der Bauchigen Windelschnecke erreichte eine Höhe von etwa 2,2 bis 2,7 Millimeter und eine durchschnittliche Breite von etwa 1,5 Millimeter. Das Gehäuse ist meist klein, oft sehr klein. In der Regel ist das Gehäuse rechts-, selten linksgewunden. Des Weiteren ist das Gehäuse glänzend, eiförmig bis spindelförmig oder walzenförmig mit selten spitzen Wirbeln und entweder mit ganz bedecktem oder nur mit geritztem und durchbohrtem, nie mit erweitertem Nabel versehen. Ferner zeigen sich 5 bis 9 Umgänge, von denen die oberen sehr niedrig, die mittleren meist wenig gewölbt sind und der letzte oft kleiner als der vorletzte ist. Die Oberfläche ist glatt, gestreift oder gerippt. Die Färbung der Bauchigen Windelschnecke variiert zwischen schmutzig-weiß, gelbgrau, gelbbraun und dunkelbraun, meist einfarbig. Die Mündung ist gerundet, eiförmig oder eckig, oft mit Zähnen und Falten besetzt. Der Mund ist nicht zusammenhängend und ist nur selten durch eine Wulst auf der Mündungswand verbunden, meist lippenartig verdickt mit ziemlich gleichlangen Rändern. Der Körper der Bauchigen Windelschnecke ist klein und schlank. Ferner weist die Bauchige Windelschnecke oft ganz verkümmerte untere Fühler und einen halbmondförmigen, oben glatten und nur am konkaven Rand etwas verdickten Kiefer auf. <1>

Lebensweise

Gehäuse der Bauchigen Windelschnecke
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Gehäuse der Bauchigen Windelschnecke

Die Bauchige Windelschnecke bevorzugt offene Lebensräume wie feuchte Wälder, Sümpfe, Moore und kalkhaltige Böden. Am häufigsten ist die Bauchige Windelschnecke an Seeufern und im Schilf, sowie an Seggen oder an Ablagerungen von Wasser-Schwaden (Glyceria maxima) an den Ufern der Flüsse zu finden. In Schweden, England und in Schottland tritt die Art in feuchten Wäldern, einschließlich in Erlenbrüchen auf. Während des Sommers lebt die Bauchige Windelschnecke an Pflanzenstengeln und Blättern, vorzugsweise an Rohrkolben (Typha), Schwertlilien (Iris), Schwaden (Glyceria), Seggen (Carex) und Schilfrohre (Phragmites) in einer Höhe von 30 bis 50 Zentimeter. Die Bauchige Windelschnecke überwintert in der Streu, wo sie auch im Frühjahr und im Herbst zu finden ist. Bis jetzt war die Art noch nicht in Lebensräumen zu finden, die durch eine regelmäßige Mahd oder Beweidung bewirtschaftet werden. Die Bauchige Windelschnecke ernährt sich von Pilzen, die an Pflanzen wachsen und in feuchten Lebensräumen vorkommen. Die Verteilung der Art wird unterschiedlich interpretiert. Einige Autoren meinen, dass es eine europäische und wahrscheinlich auch eine holarktische Verteilung gibt und andere wiederum behaupten, dass es eine Atlantik-Mittelmeer-Verteilung oder eine nordeuropäische Verteilung gibt. Die südliche Grenze der Verteilung ist nicht klar definiert. Im Norden wurde die Bauchige Windelschnecke in Litauen und in Süd-Schweden gefunden. In der Region Karelien in Finnland und Russland wurde die Art noch nicht gesichtet. Des Weiteren gibt es keine Population in Estland. Jedoch existiert eine Sammlung im Museum of Natural History in Lettland, einige Exemplare dieser Sammlung fand man Ende Juli 2003 in der Zaonezhje Region Kareliens.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Bauchige Windelschnecke in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Algerien, Österreich, Aserbaidschan, Belorussland, Belgien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Marokko, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Slowakei, Spanien, Schweden, Schweiz, Ukraine und Vereinigtes Königreich.

Ernährung

Die Bauchige Windelschnecke ernährt sich in der Nacht von niederen Pilzen, die sie an den Seggen abweidet. Diese Pilze stellen ihre hauptsächliche Nahrung dar. Am Tage hält sich die Bauchige Windelschnecke mit ihrem Schleim an den Pflanzenstengeln und an der Unterseite der Blätter fest, bevorzugte Pflanzen sind Rohrkolben (Typha), Schwertlilien (Iris), Schwaden (Glyceria), Seggen (Carex) und Schilfrohre (Phragmites).

Fortpflanzung

Bauchige Windelschnecke
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Bauchige Windelschnecke

Die Bauchige Windelschnecke ist wie die meisten Landlungenschnecken (Stylommatophora) Hermaphroditen, d.h. sie ist ein Zwitter. Zur Fortpflanzung befruchtet sich die Bauchige Windelschnecke gegenseitig, wonach sie ihre weichschaligen Eier ablegt. Die Eiablage erfolgt dann meist von Mai bis August. Jedoch benötigt die Bauchige Windelschnecke nicht unbedingt einen Partner für die Vermehrung, sie kann sich auch selbst befruchten. Die Jungschnecken schlüpfen mit voll ausgebildetem Gehäuse, das allerdings noch nicht die Festigkeit der adulten Schneckengehäuse hat und nahezu durchsichtig ist. Die Entwicklung bis zur adulten Schnecke dauert ein Jahr.

Gefährdung und Schutz

Die Bauchige Windelschnecke ist aufgrund der Biotopzerstörung durch Grundwassersenkungen sowie Trockenlegen von Feuchtgebieten und schilfbewachsene Seen stark gefährdet. In einigen europäischen Ländern ist die Bauchige Windelschnecke schon ausgestorben. Aufgrund dessen wird die Bauchige Windelschnecke in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (vulnerable) geführt. Die Bauchige Windelschnecke gilt in der Europäischen Union nach den EU-Richtlinien 1992 als besonders schützenswert.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Fauna der Land- und Süsswasser-Mollusken Siebenbürgens. E. Albert Bielz, Mitglied des siebenbürg. Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt, des Vereins für siebenbürgische Landeskunde, des Museum-Vereins in Klausenburg, der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, der königl. geographischen Gesellschaft in Berlin, der Wetterauer Gesellschaft für die gesamte Naturkunde in Hanau, der Senkenbergischen naturforsch. Gesellschaft zu Frankfurt am Main, Correspondent der kais. köngl. geologischen Reichsanstalt in Wien u.s.w. Zweite Auflage. Hermannstadt, 1867. Gedruckt in der Buchdruckerei der v. Closius'schen Erbin. Commissions-Verlag von S. Filtsch.
  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Rosina Fechter/Gerhard Falkner: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Herausgegeben von Gunter Steinbach, Illustriert von Fritz Wendler. 1990 Mosaik Verlag GmbH, München 54321, Gesamtherstellung Mohndruck Graphische Betriebe GmbH, Gütersloh. Printed in Germany. ISBN 3-570-03414-3

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