Baumschläfer

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Baumschläfer

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Bilchverwandte (Glirimorpha)
Familie: Schlafmäuse (Gliridae)
Unterfamilie: Leithiinae
Tribus: Leithiini
Gattung: Baumschläfer (Dryomys)
Art: Baumschläfer
Wissenschaftlicher Name
Dryomys nitedula
Pallas, 1778

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Baumschläfer (Dryomys nitedula) zählt innerhalb der Familie der Schlafmäuse (Gliridae) zur Gattung der Baumschläfer (Dryomys). Im Englischen heißt diese Art Forest Dormouse. Das erste Mal wissenschaftlich beschrieben wurde der Baumschläfer von dem deutschen Zoologen und Botaniker Peter Simon Pallas im Jahre 1778. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Baumschläfer erreicht eine Länge von 8 bis 13 Zentimeter, der Schwanz 6 bis 11,3 Zentimeter. Das Gewicht liegt je nach Jahreszeit und Geschlecht zwischen 18 und 34 Gramm. <2> Diese Art ist erheblich kleiner als der Gartenschläfer, auch ist der Schwanz viel buschiger. Die Grundfarbe dieser Art ist grau bis rötlichbraun, die Unterseite ist meist weiß. Der buschige Schwanz, das Fell um die Augen und die Ohren, die nur wenig aus dem Fell ragen, sind grau. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 8 Zitzen.

Lebensweise

Die Lebensweise dieser Art ist ähnlich der des Gartenschläfers (Eliomys quercinus). Ab der späten Dämmerung werden die Tiere aktiv, in dieser Zeit bewegen sich die leichten Tiere einfach und flink in den Astwerken der Bäume. Oft sind sie weit in die Nacht hin aktiv. Sie bauen, zumindest gebietsweise, freistehende Kugelnester aus Moos und Grashalmen, sind aber in Nistkästen und Baumhöhlen auch zu finden. Im östlichen Mittelmeergebiet bleiben die Baumschläfer das ganze Jahr über aktiv, während sie in Europa und Westrussland einen Winterschlaf halten, der sich ganz nach den klimatischen Gegebenheiten richtet. Im Winterschlaf ziehen sich die Tiere meist in Baumhöhlen zurück. Baumschläfer sind durchaus territorial und beanspruchen je nach Lebensraumqualität ein Revier in einer Größe von 200 bis 310 m².

Verbreitung

Den Baumschläfer findet man in der Schweiz, Österreich, Aserbaidschan, Belarus, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, in der Tschechische Republik, Georgien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irak, Israel, Italien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Mazedonien, in der ehemalige jugoslawische Republik, der Republik Moldau, Mongolei, Montenegro, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Syrien, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan, Ukraine und in Usbekistan. Auch gibt es viele isolierte Subpopulationen im Iran, Afghanistan, den Tien-Shan-Bergen und in Sinkiang. Ungewiss ist ob er auch im Libanon auftaucht.

Im alpinen Randbereich seines Verbreitungsgebiets besiedelt der Baumschläfer Laub- und Laubmischwälder im Höhenbereich in einer durchschnittlichen Höhe von 600 Meter und 1.600 Meter, selten auch bis in Höhen von bis zu 3.500 Meter über NN. <3> Im Westen von Russland bevorzugt er lieber Nadelwälder als Heimat, in Südosteuropa die immergrünen Buschwälder. Gelegentlich findet sich der Baumschläfer als Kulturfolger in Almhütten, Gärten, Obstplantagen und anderen landwirtschaftlichen Flächen ein.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Baumschläfer zählen insbesondere der Waldkauz (Strix aluco) und der Uhu (Bubo bubo). Einem Prädator hat ein Baumschläfer kaum etwas entgegenzusetzen. Einziger Schutz ist die nachtaktive Lebensweise, die verschwiegende Lebensweise und die gringe Siedlungsdichte.

Ernährung

Zur Hauptnahrung des Baumschläfers zählen Insekten (Insecta), bevorzugt Schmetterlinge (Lepidoptera), unbehaarte Raupen und Puppen. Darüber hinaus werden auch Samen von Nadelbäumen und Waldfrüchte wie Eicheln gefressen. Die einzelnen Tiere können unterschiedliche Vorlieben haben. In seltenen Fällen werden auch Vogelnester geplündert. Des Weiteren gehören Käfer (Coleoptera) und kleine Wirbeltiere (Vertebrata) auf ihrem Speiseplan. Unterschiede zum Gartenschläfer sind hierzu nicht bekannt, sie kommen aber trotzdem nicht gleichzeitig in größerer Bestandsdichte vor, sondern weichen sich an solchen Futterstellen aus. Im Sommer wird überwiegend auf tierische Nahrung zurückgegriffen, im Winter eher auf Sämereien und ähnliches.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich je nach Verbreitungsgebiet und Habitat von März bis in den Dezember hinein. In Mitteleuropa reicht die Fortpflanzungsperiode jedoch nur von Mai bis in den August hinein. Nach der Paarung und einer Tragzeit von 21 bis 30 (25) Tagen, gibt es je einen Wurf pro Jahr, meist im Juni, in dem 2 bis 7 (5) Jungtiere zur Welt kommen. Die Geburt erfolgt im Nest der Mutter. Die Nester befinden sich im Geäst von Bäumen oder größeren Sträuchern, meist in Höhen von 1 bis 7 (3) Metern. Bei der Geburt wiegen die Jungtiere nur 2 Gramm und sind noch blind und nackt. Die Augen öffnen die Jungtiere im Alter von 16 Tagen. Mit rund 4 bis 5 Wochen werden sie dann selbstständig. In den Beständen ohne Winterschlaf kann es zu 2 bis 3 Würfe in einer Saison kommen. Dies ist jedoch nur in südlichen Regionen wie beispielsweise in Israel der Fall. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei bis zu 5,5 Jahren. <4>

Synonyme

Der Baumschläfer ist auch unter den Synonymen angelus (Thomas, 1906), aspromontis (Lehmann, 1963), bilkjewiczi (Ognev & Heptner, 1928), carpathicus (Brohmer, 1927), caucasicus (Ognev & Turov, 1935), daghestanicus (Ognev & Turov, 1935), diamesus (Lehmann, 1959), dryas (Schreber, 1782), intermedius (Nehring, 1902), kurdistanicus (Ognev & Turov, 1935), milleri (Thomas, 1912), obolenskii (Ognev & Worobiev, 1923), ognevi (Heptner & Formozov, 1928), pallidus (Ognev & Turov, 1935), phrygius (Thomas, 1907), pictus (Blanford, 1875), ravijojla (Paspalev, 1952), robustus (Miller, 1910), saxatilis (Rosanov, 1935), tanaiticus (Ognev & Turov, 1935), tichomirowi (Satunin, 1920) und wingei (Nehring, 1902) bekannt. Alle aufgeführten Synonyme sind jedoch ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

Hauptartikel: Schlafmäuse (Gliridae)

Literatur und Quellen

  • [2] [3] [4] Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • Reichholf, Josef H.: Säugetiere. Mosaik Verlag, München (1983) ISBN 3576105654 (Link führt zur Neufassung)

Qualifizierte Weblinks

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