Beaudouin-Schlangenadler

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Beaudouin-Schlangenadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Schlangenadler (Circaetinae)
Gattung: Schlangenadler (Circaetus)
Art: Beaudouin-Schlangenadler
Wissenschaftlicher Name
Circaetus beaudouini
Verreaux & Des Murs, 1862

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Beaudouin-Schlangenadler (Circaetus beaudouini) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Schlangenadler (Circaetus). Im Englischen wird der Beaudouin-Schlangenadler beaudouin's snake-eagle oder beaudouin's snake eagle genannt. Dieses Taxon wird von einigen Autoren im weiteren Sinne (sensu lato) als Unterart von Circaetus gallicus betrachtet. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Laut der Roten Liste der IUCN wurden Circaetus gallicus (einschließlich Circaetus beaudouini) und Circaetus pectoralis (Sibley und Monroe 1990, 1993) vorher von Dowsett und Forbes-Watson (1993) nur einer Art Circaetus gallicus zugeordnet. Nach einer eingehenden Überprüfung durch die BirdLife Taxonomische Arbeitsgruppe und aufgrund der Beweise von Clark (1999) und Kemp (1994) werden jetzt alle drei Arten als eigenständig geführt.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Beaudouin-Schlangenadler erreicht eine Körperlänge von etwa 63,o bis 66,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 155,0 bis 170,0 Zentimeter. Die Tarsuslänge beträgt 25,0 bis 28,0 Zentimeter. Zwischen den Geschlechtern besteht in der Gefiederfärbung kaum ein nennenswerter Dimorphismus, jedoch ist das Weibchen größer und schwerer als das Männchen. Bei den Erwachsenen sind der Rücken, der Kopf und die Brust schwärzlich gefärbt, oft erscheint die Kehle weißlich. Der Bauch ist rein weiß und die Füße weisen eine weißliche Tönung auf. Die Iris der Augen ist gelb gefärbt. Im Flug erscheint die Brust schwärzlich und der Bauch weiß.
Afrikanische Speikobra (Naja nigricollis)
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Afrikanische Speikobra (Naja nigricollis)
Des Weiteren zeigen sich drei gebänderte Federschäfte. Das Obergefieder der Jugendlichen weist eine dunkelbraune Färbung mit rostbraunen Kanten auf. Die Unterseite zeigt sich rotbraun und die Federschäfte sind von einer grauen Färbung. Die Binden sind kaum zu erkennen. Bis Ende des zweiten Jahres ist das Gefieder der Jugendlichen noch rotbraun gefärbt, die Färbung geht dann in ein dunkles Graubraun und in ein Weiß über. Der Schwanz weist eine weiße Tönung auf und die Binden sind deutlich sichtbar. Ferner zeigen sich auf dem Bauch zahlreiche Flecken.

Lebensweise

Der Beaudouin-Schlangenadler ist ein Teilzieher. Die Art bewegt sich in Reaktion auf die regionalen Niederschläge. In Westafrika wandert die Art in der Trockenzeit nach Süden in den Sudan und in die nördliche Guinea-Zone und im nördlichen Sudan migriert die Art in der Regenzeit nach Norden bis zur Sahelzone. Der Beaudouin-Schlangenadler bewohnt die Wälder, bewaldete Savannen und offenes Land mit Bäumen, oft in der Nähe von Wasser und hält sich nach Regenfällen in Dornbüschen auf. In sehr ariden Gebieten fehlt die Art. In der Regel tritt der Beaudouin-Schlangenadler in Höhen von 1.500 bis 2.000 Meter auf. Die Art führt in der Regel eine einzelgängerische Lebensweise.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN lebt die Art in einem relativ begrenzten Verbreitungsgebiet in der Subsahara Afrikas. Das Gebiet reicht von Senegal, Gambia bis Süd-Mauretanien im Westen, bis in den Süd-Sudan im Osten, und in den Süden bis Burkina Faso, Nigeria, Kamerun und zur Zentralafrikanischen Republik. Ferner hält sich die Art in Uganda auf; der Status in Kenia ist unsicher. Im gesamten Verbreitungsgebiet ist die Srt selten. Die weltweite Population übersteigt nicht mehr als 10.000 Individuen. In den letzten 30 bis 35 Jahren ist die Gesamtpopulation zwischen Senegal und Niger um 86 bis 93 Prozent zurückgegangen.
Sumpfviper (Proatheris superciliaris)
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Sumpfviper (Proatheris superciliaris)
Dies entspricht einen Rückgang in der Region von 30 bis 50 Prozent über zehn Jahre oder drei Generationen. Die Art bewohnt trockene Savannen, bevorzugt jedoch mehr offene Flächen von Grasland und selbst bewirtschafteten Flächen. Ferner ist die Art ein saisonaler Migrant, die in der Trockenzeit zwischen der Sudan-Zone (Nord- und Guinea-Zone) und in der Regenzeit zwischen der Sahel-Zone (und in der nördlichen Sudan-Zone) wandert. Die Art lebt einzelgängerisch und verhält sich ziemlich territorial. Im Allgemeinen zählen zu den Lebensräumen subtropische und tropische Trockenwälder, trockene Savannen, subtropisches und tropisches Buschland mit Trockenwald sowie subtropisches und tropisches Grünland mit Trockenwald.

Ernährung

Der Beaudouin-Schlangenadler ernährt sich fast ausschließlich von Schlangen. Schlangen werden im niedrigen Suchflug lokalisiert und im kurzen Sturzflug erbeutet. Getötet wird eine Schlange durch einen Biss in den Nacken. Zur bevorzugten Beute gehören Nattern aller Art, aber auch Vipern (Viperidae) und Kobras (Naja) verschmäht der Beaudouin-Schlangenadler nicht. Nur gelegentlich erbeutet er auch Eidechsen, Kleinsäuger und Lurche (Amphibia). Ist ein Beutetier klein genug, so wird es im Ganzen mit dem Kopf voran verschlungen.

Fortpflanzung

Die Brutzeit erfolgt im März. Der Beaudouin-Schlangenadler baut relativ kleine Horste, die hoch oben in den Baumwipfeln angelegt werden. Meist erfolgt der Bau des Horstes in geschlossenen Waldgebieten. Der Horst hat meist nur einen Durchmesser von bis zu 50 Zentimetern und eine Höhe von gut 30 Zentimetern. Es wird überwiegend aus Ästen und Reisig gebaut. Das Horstinnere wird mit weichen Pflanzenteilen ausgekleidet.
Haarfrosch (Trichobatrachus robustus)
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Haarfrosch (Trichobatrachus robustus)
Pro Jahr kommt es lediglich zu einer Brut. Das Weibchen legt ein Ei, das über einen Zeitraum von 42 bis 55 Tagen ausgebrütet wird. Es brütet ausschließlich das Weibchen. Das Männchen versorgt das Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung und schützt den Horst vor Feinden und Eindringlingen. Das Küken wird mit kleinen Fleischbrocken gefüttert, die das Weibchen mit dem Schnabel aus einem Beutetier reißt. Kleinere Schlangen werden vom Jungvogel später im Ganzen verschlungen oder er zerteilt die Beutetiere selbständig. Die Nestlingszeit erstreckt sich über einen Zeitraum von gut 70 Tagen. Jedoch bleibt der Jungvogel danach noch einige Zeit bei seinen Eltern und begleitet sie bei der Nahrungssuche.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN hat die Art ein großes Verbreitungsgebiet, in dem sie in einer geringen Populatiosdichte vorkommt, und einer Reihe von Bedrohungen ausgesetzt ist. Die Art gilt als gefährdet aufgrund ihrer geringen Populationszahl, die rapide abgenommen hat. Die Westafrikanischen Greifvögel sind aufgrund einer Reihe von Bedrohungen, verbunden mit einem dreifachen Anstieg der menschlichen Bevölkerung in der Region in den vergangenen 30 Jahren drastisch zurückgegangen. Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Überweidung und die Abholzung haben zur Zerstörung von Lebensräumen geführt. Um die Intensivierung der Landwirtschaft zu forcieren wurden zusätzlich Insektizide in der Luft und am Boden eingesetzt. Diese Insektenschwärme waren früher eine wichtige Nahrungsquelle für die Greifvögel. Die Viehbestände sind praktisch allgegenwärtig, besonders in der Sahelzone, wo die Überweidung eine der Hauptursachen der Wüstenbildung ist. Holzfällerei für Brennholz, Bauholz und Holzkohle hat die Umwandlung von Waldflächen in Buschland verursacht. Auch die Urbanisierung, die Jagd und die Schädlingsbekämpfung haben verschärft zum Rückgang dieser Art beigetragen. Die Art kommt in einer Reihe von geschützten Gebieten in der gesamten Region vor, die von zunehmender Bedeutung für sie und andere große Greifvögel in Westafrika sind. Die Schutzgebiete decken derzeit nur 0,85 Prozent von Mali, Niger, Burkina Faso und Benin ab. Um den zunehmenden Rückgang der Art aufzuhalten, sind folgende Maßnahmen erforderlich: Durchführung weiterer koordinierter Populationsschätzungen und Einrichtungen zum Schutz für verbleibenden Lebensraum, wo Abholzungen auf ein Minimum reduziert werden müssen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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