Bekassine

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Bekassine

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Gattung: Sumpfschnepfen (Gallinago)
Art: Bekassine
Wissenschaftlicher Name
Gallinago gallinago
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Bekassine (Gallinago gallinago) zählt innerhalb der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae) zur Gattung der Sumpfschnepfen (Gallinago). Im Englischen wird die Bekassine common snipe genannt.

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) haben die Bekassine zum Vogel des Jahres 2013 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Ursprünglich war die Wilson-Bekassine (Gallinago delicata) und die hier beschriebene Bekassine eine Art. Grundlage für die Trennung in 2 separate Arten waren Unterschiede bei den Lautäußerungen und in der externen Morphologie wie die Anzahl und Breite der Schwanzfedern (Banks et al., 2002 in IUCN, 2012).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Bekassine erreicht eine Körperlänge von 25,0 bis 28,0 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 42,0 bis 45,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von 115,0 bis 130,0 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Die Bekassine ist ein typischer Sumpf- und Watvogel, jedoch sind die Beine und der Schnabel insgesamt kürzer als bei anderen Vögeln in ihrem Lebensraum. Der Schnabel weist eine durchschnittliche Länge von 65 Millimeter auf. Beobachtungen zeigen, dass Bekassinen beim Fang von Fluginsekten in der Lage sind, das vordere Drittel ihres Oberschnabels schnell nach oben zu biegen, um besser zuschnappen zu können. Die relativ kurzen Flügel enden spitz und fallen insbesondere im Fluge auf. Das Gefieder weist eine graubraune Färbung auf. Es ist mehr oder weniger mit hellen Bereichen durchsetzt und marmoriert. Die Flügel sind deutlich dunkler als das restliche Gefieder. Die Bauchseite ist fast rein weiß gefärbt. Die Beine und der Schnabel weisen eine dunkelbraune Färbung auf. Die Augen sitzen seitlich am Kopf. Diese Anordnung ermöglicht der Bekassine eine weites Sichtfeld. Der Kopf und der Rumpf weisen markante Längsstreifen auf. Diese Streifung dient der Tarnung. Die Jungvögel weisen weitestgehend die gleiche Gefiederfärbung auf.

Lebensweise

Bekassine
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Bekassine

Die Bekassine ist in den meisten Verbreitungsgebieten ein Zugvogel. Die Europäischen Populationen verbringen den Winter in Afrika südlich der Sahara. Im Überwinterungsgebiet leben sie in vergleichbaren Habitaten. Die Bekassine ist nur eine wenig gesellige Art. Nur während der Nahrungssuche sind die Vögel gelegentlich in kleinen Gruppen zu beobachten. Während der Migration sammeln sich Bekassinen in kleinen Schwärmen von wenigen Dutzend bis zu einigen Hundert Individuen (Snow & Perrins, 1998; del Hoyo et al., 1996; Hayman et al., 1986 in IUCN 2012).

Unterarten

Verbreitung

Die Bekassine hat ihre Brutgebiete in weiten Teilen Europas, Asiens und in Nordamerika. Die Winterquartiere liegen je nach Vorkommen in Südamerika, Afrika oder in Südostasien. In Europa kommt die Bekassine insbesondere in Mittel- und Nordeuropa vor. In Südeuropa kommt die Art nur gelegentlich vor. In Deutschland ist die Bekassine mittlerweile vom Aussterben bedroht. In der Nationalen Roten Liste wird die Art in Kategorie 1 - vom Aussterben bedroht, geführt. Die Bekassine bevorzugt feuchte Lebensräume wie Sümpfe, Moore, Feuchtwiesen, Seen, Teiche und die Ufer von langsam fließenden Bächen und Flüssen. Die Ufer weisen zumeist eine dichte Vegetation auf. Hier nisten die Vögel auch während der Brutzeit.

Ernährung

Bekassine im Flug
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Bekassine im Flug

Die Bekassine ernährt sich hauptsächlich von Insekten, Käfern, Spinnentieren, Tausendfüßern, Schnecken und wirbellosen Tieren, die sie stochernd aus dem Erdreich pickt. Gelegentlich werden auch Sämereien und Beeren gefressen. Auf Nahrungssuche geht die Bekassine zumeist an schlammigen Ufer oder im Flachwasser ihres Lebensraumes. Beim Stochern mit dem Schnabel im Schlamm kann die Bekassine bereits in der Erde Nahrung mit dem Schnabel aufnehmen und verschlucken. Dies ermöglicht eine bewegliche Schnabelspitze. Sie können so Nahrung aufnehmen, ohne den Schnabel ganz zu öffnen.

Fortpflanzung

Der Rückflug aus den Winterquartieren erfolgt Anfang April. Die Paarungszeit erstreckt sich über den Zeitraum von April bis August. Ein Nest wird in dichter Vegetation auf dem Boden errichtet. Es ist eine einfache Mulde, die mit Pflanzenteilen und Federchen ausgepolstert wird. Das Weibchen legt ab Ende April rund vier Eier, die eine olivgraue Färbung aufweisen. Die Größe der Eier beträgt etwa 39 mal 28 Millimeter. Das Gelege wird über einen Zeitraum von 21 bis 23 Tagen von beiden Elternteilen ausgebrütet. Auch die Aufzucht und die Fütterung der Jungvögel wird von beiden Geschlechtern übernommen. Die Flugfähigkeit wird mit rund drei Wochen erreicht.

Bedrohung und Schutz

Auch wenn die Bekassine in ihrer Art heute noch nicht akut bedroht ist, so stellt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume eine große Bedrohung dar. Insbesondere die Entwässerung und die Trockenlegung von Feuchtgebieten wie Sümpfe und Moore sowie die Begradigung und Bebauung von Flussufern geben hier Anlass zur Sorge. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als nur gering gefährdet geführt.

Bekassinen bei der Balz
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Bekassinen bei der Balz

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • David Attenborough: Das geheime Leben der Vögel. Verlag: Scherz (1999) ISBN 3502150303
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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