Berg-Baumwollschwanzkaninchen

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Berg-Baumwollschwanzkaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: Berg-Baumwollschwanzkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus nuttallii
(Bachman, 1837)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Berg-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus nuttallii) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) und hier zum Subgenus Sylvilagus. Im Englischen wird die Art Mountain Cottontail oder Nuttall's Cottontail genannt. Es sind 3 Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

Gattungsbezogen sind Berg-Baumwollschwanzkaninchen relativ groß. Die Hinterbeine sind lang, die Füße sind dicht mit Fell besetzt. Die Vibrissen sind meist schwarz, zum Teil aber auch weißlich gefärbt. Der Schwanz ist lang, oberhalb dunkel und ventral weißlich gefärbt. Der Hirnschädel ist ziemlich rundlich geformt (Chapmans, 1975).

Fossile Funde

Vom Berg-Baumwollschwanzkaninchen sind zwar keine fossilen Funde bekannt, die frühesten Vertreter der Gattung tauchten jedoch im frühen Pleistozän auf. Diese Funde stammen aus dem US-Bundesstaat Nebraska (Chapmans, 1975).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Zwischen den Geschlechtern der Berg-Baumwollschwanzkaninchen zeigt sich ein gut sichtbarer Dimorphismus. Weibchen sind gut 4% größer und schwerer als Weibchen. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 338 bis 371 (352,4) mm, eine Schwanzlänge von 30 bis 54 (43,7) mm, eine Hinterfußlänge von 87 bis 110 (94,6) mm, eine Jochbeinbreite von 30,7 bis 33,5 (32,8) mm, eine Hirnschädelbreite von 20,9 bis 22,6 (22) mm und ein Gewicht von 628,5 bis 830 (719,9) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 345 bis 390 (372) mm, eine Schwanzlänge von 36 bis 54 (49,6) mm, eine Hinterfußlänge von 90 bis 101 (94,3) mm, eine Jochbeinbreite von 32,1 bis 33,6 (33) mm, eine Hirnschädelbreite von 21,8 bis 22,9 (22,3) mm und ein Gewicht von 690 bis 871 (790,3) g. Das Gebiss verfügt über 28 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3. Weibchen verfügen über 4 bis 5 Paar Zitzen. 2 oder 3 Paar liegen abdoninal (Bauch), je ein Paar liegt pektoral und inguinal, also im Bereich der Brust und der Leiste (Chapmans, 1975).

Lebensweise

Berg-Baumwollschwanzkaninchen halten sich in ihrem Lebensraum für gewöhnlich bedeckt. Die Art ist ganzjährig aktiv, eine Winterruhe oder -schlaf wird nicht gehalten. Während der Ruhephasen oder inaktiven Zeit liegen Berg-Baumwollschwanzkaninchen meist in Erdmulden unterhalb von Büschen und Sträuchern oder nutzen verlassene Bauten anderer Tiere als Unterschlupf. Berg-Baumwollschwanzkaninchen leben mehr einzelgängerisch als die anderen Vertreter der Baumwollschwanzkaninchen (Chapmans, 1975).

Unterarten

Unterarten nach Chapmans, 1975, sowie Wilson & Reeder, 2005.

Verbreitung

Berg-Baumwollschwanzkaninchen
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Berg-Baumwollschwanzkaninchen

Das Berg-Baumwollschwanzkaninchen kommt im westlichen Nordamerika in den USA und Kanada vor. In den Vereinigten Staaten werden die Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Colorado, Idaho, Montana, Nebraska, Nevada, New Mexico, North Dakota, Oregon, South Dakota, Utah, Washington und Wyoming besiedelt, in Kanada die südlichen Teile der Provinzen Alberta, Brite Columbia und Saskatchewan. In den nördlichen Regionen besiedelt das Berg-Baumwollschwanzkaninchen Lebensräume, die durch Beifuß (Artemisia) geprägt sind, in südlichen Regionen eher bewaldete Habitate. Die Lebensräume liegen meist in mittleren Höhenlagen (IUCN, 1011; Chapmans, 1975).

Biozönose

Konkurrenz, Sympatrie

In Teilen des Verbreitungsgebietes lebt das Berg-Baumwollschwanzkaninchen sympatrisch mit dem Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii) und dem Strauchkaninchen (Sylvilagus bachmani). Das Berg-Baumwollschwanzkaninchen besiedelt jedoch meist höhere Lagen (Chapmans, 1975).

Prädatoren

Prädator: der Kojote (Canis latrans)
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Prädator: der Kojote (Canis latrans)

Zu den natürlichen Feinden der Berg-Baumwollschwanzkaninchen zählen der Rotluchs (Lynx rufus), der Kojote (Canis latrans), sowie Greifvögel (Falconiformes) wie die Hudsonweihe (Circus hudsonius), der Präriebussard (Buteo swainsoni), der Steinadler (Aquila chrysaetos) und Eulen (Strigiformes) wie die Waldohreule (Asio otus) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Auch Reptilien (Reptilia) wie Klapperschlangen (Crotalus) wie die Pazifik-Klapperschlange (Crotalus oreganus) erbeuten gelegentlich ein Berg-Baumwollschwanzkaninchen (Chapmans, 1975).

Parasiten

Berg-Baumwollschwanzkaninchen sind von zahlreichen Endoparasiten befallen. Hierzu gehören insbesondere Bandwürmer (Cestoda) wie Cittotaenia pectinata, Cittotaenia perplexa, Cittotaenia variabilis, Raillietina retractilis, Taenia pisiformis sowie Fadenwürmer (Nematoda) wie Dermatoxys veligera, Nematodirus neomexicanus, Protostrongylus pulmonalis und Trichostrongylus colubriformis (Chapmans, 1975).

Ernährung

Berg-Baumwollschwanzkaninchen
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Berg-Baumwollschwanzkaninchen

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Berg-Baumwollschwanzkaninchen hauptsächlich von Beifuß (Artemisia), aber auch von Wacholder (Juniperus) wie dem Westlichen Wacholder (Juniperus occidentalis) (Chapmans, 1975).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von Februar bis in den Juli hinein. Berg-Baumwollschwanzkaninchen bringen ihren Nachwuchs in Mulden an geschützen Stellen, meist hinter Sträuchern zur Welt. Die Nester sind mit feinem Reisig und weichen Gräsern ausgekleidet und gepolstert. In einer Saison bringt ein Weibchen meist bis zu 4 Würfe zur Welt. Die Tragezeit erstreckt sich über 28 bis 30 Tage. Ein Wurf besteht aus 4 bis 6 (5) Jungtieren (Chapmans, 1975).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Berg-Baumwollschwanzkaninchen zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die größten Gefahren gehen von der Bejagung durch den Menschen aus (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist das Berg-Baumwollschwanzkaninchen auch unter den Synonymen S. artemesia (Bachman, 1839) und S. perplicatus Elliott, 1904 bekannt. Die genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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