Blaue Federlibelle

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Blaue Federlibelle

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Dicondylia
Teilklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Odonatoptera
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie: Federlibellen (Platycnemididae)
Gattung: Platycnemis
Art: Blaue Federlibelle
Wissenschaftlicher Name
Platycnemis pennipes
(Pallas, 1771)

Die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes), die auch Gemeine Federlibelle genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Federlibellen (Platycnemididae) zur Gattung Platycnemis. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Blaue Federlibelle erreicht eine Körperlänge von 33 bis 39 Millimeter. Die durchschnittliche Flügelspannweite beträgt rund 45 Millimeter. Einzelne Exemplare können auch eine Flügelspannweite von bis zu 50 Millimeter erreichen. Die Geschlechter weisen einen deutlichen Geschlechtsdismorphismus auf. Das Männchen ist überwiegend bläulich gefärbt, das Weibchen hingegen weist eine hellgrünliche bis grünlichbraune Färbung auf. Die Extremitäten sind bei beiden Geschlechtern fast weiß gefärbt. Auch die typischen schwarzen Zeichnungen auf Abdomen und Thorax sind bei beiden Geschlechtern zu sehen. Der Kopf setzt sich deutlich vom Thorax ab. Die großen Komplexaugen liegen seitlich am Kopf. Die Augen sind beim Männchen bläulich, beim Weibchen bräunlich gefärbt. Markantes Unterscheidungsmerkmal zu ähnlichen Libellenarten sind die deutlich verbreiterten und abgeflachten Tibien der hinteren Beinpaare. Zudem weisen die Tibien dornenartige Fortsätze auf.

Lebensweise

Die Blaue Federlibelle ist eine eher mäßig gute Fliegerin. Man sieht sie daher meist in ruhender Position auf Ästen oder Halmen in der Vegetation. Die Flugzeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten von Mai bis September

Verbreitung

Blaue Federlibelle - Weibchen
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Blaue Federlibelle - Weibchen

Die Blaue Federlibelle ist in weiten Teilen Europas, in Nordafrika und dem vorderen Orient verbreitet. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis ins westliche Sibirien. Die bevorzugten Habitate können Seen, Teiche und Tümpel sowie langsam fliessende Gewässer, Moore und Sumpfgebiete oder schilfreiche Gebiete sein. Vermehrt trifft man sie in Auenlandschaften und an Altarmen von Flußsystemen an. Nicht zu dicht bewachsene Ufer werden dabei bevorzugt. In Höhenlagen ist sie selten über als 500 Meter anzutreffen.

Ernährung

Die Blaue Federlibelle ernährt sich räuberisch von anderen Insekten, die in der Regel im Flug erbeutet werden. Meist beginnt die Jagd von einer Ansitzwarte aus. Die Larven ernähren sich auf schlammigen Gewässergund von Würmern und anderen Larven. Die Beutetiere werden mit ihrer Fangmaske erbeutet und mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen zerteilt.

Fortpflanzung

Blaue Federlibelle - Libellenlarve
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Blaue Federlibelle - Libellenlarve

Die Geschlechtsreife erreicht die Blaue Federlibelle rund zwei Wochen nach den Schlupf. Während der Paarungszeit, die gleich nach der Geschlechtsreife beginnt, kommt es unter den Männchen zu sogenannten Kommentkämpfen, bei denen sie ihre verbreiterten Tibien als Scheinwaffe einsetzen. Während der heißen Tageszeit kommt es für gewöhnlich zu den ersten Paarungen am Tage. Der eigentliche Paarungsakt erfolgt im Paarungsrad. Eine Paarung kann nur wenige Minuten aber auch 30 oder gar 40 Minuten andauern. Auch während der Eiablage bleibt das Paarungsrad bestehen. Das Männchen will so sicherstellen, daß das Weibchen nicht erneut von anderen Männchen befruchtet wird. Das Weibchen sticht die Halme oder Blätter von Wasserpflanzen an und legt in die Ritzen Kleingruppen von Eiern ab. So werden insgesamt 200 bis 300 Eier abgelegt. Oftmals kann man bei der Eiablage die Federlibelle in größeren Gruppen beobachten.

Die Larven schlüpfen in Abhängigkeit von der Wassertemperatur nach zwei bis fünf Wochen. Je wärmer das Wasser, desto schneller schlüpfen die Larven. Die Larven leben fortan auf dem Gewässergrund. Sie bevorzugen dabei recht schlammigen Untergrund. Hier gehen sie auch auf die Jagd nach Beutetiere. Ausgewachsene Larven können eine Länge von 19 bis 22 Millimeter erreichen. Die Überwinterung erfolgt im Larvenstadium.
Blaue Federlibelle - Libellenlarve seitlich
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Blaue Federlibelle - Libellenlarve seitlich
Im Frühjahr des Folgejahres erfolgt die Vollendung der larvalen Entwicklung. Das Larvenstadium umfasst mehrere Häutungen an dessen Ende der Schlupf des fertigen Insektes steht. Nach der letzten Häutung klettern die Larven aus dem Wasser, meist an einem Stängel empor. Hier schlüpfen sie aus ihrer Exkuvie. Nach einer Trocknungsphase pumpen sie Blut in ihre transparenten Flügel. Die Flügel werden regelrecht aufgepumpt. Die Lebensdauer der Imagines beträgt nur wenige Wochen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Dreyer & Gerstenberg, Die Libellen, Gerstenberg Gebrueder Verlag, 1986 ISBN 3806720223
  • Heiko Bellmann, Libellen beobachten, bestimmen, Naturbuch Verlag, Augsburg, 1986 ISBN 3894401079
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