Borneo-Nebelparder

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Borneo-Nebelparder

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mamalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Feliformia
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
Gattung: Neofelis
Art: Borneo-Nebelparder
Wissenschaftlicher Name
Neofelis diardii
Cuvier, 1823

Der Borneo-Nebelparder (Neofelis diardii), auch Sunda-Nebelparder genannt, zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung Neofelis. Im Englischen wird der Borneo-Nebelparder Bornean Clouded Leopard genannt.

Er wurde ursprünglich als Unterart des Nebelparders (Neofelis nebulosa) betrachtet, die auf Sumatra und Borneo heimisch ist, wird seit Anfang 2007 jedoch aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen durch englische Wissenschaftler als eigenständige Art geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Borneo-Nebelparder gleicht in Größe und Aussehen dem auf dem Festland heimischen Nebelparder. Er ist eine mittelgroße stämmige Katze, die eine Körperlänge von etwa 60 bis 110 Zentimeter erreicht und das Gewicht variiert zwischen 11 und 20 Kilogramm. Er ist die größte lebende Katze auf Borneo. Einige werden so groß wie ein kleiner Panther und im Verhältnis zur Körpergröße hat er die längsten Eckzähne (Canini). Die Eckzähne können eine Länge von etwa zwei Zentimeter erreichen. Sie ragen teilweise aus dem Maul heraus. Der Borneo-Nebelparder ist in der Regel dunkler gefärbt als die Festland-Art und weist kleinere Flecken auf. Innerhalb der Flecken befinden sich wiederum viele verschieden große Markierungen. Des Weiteren weist er ein graues Fell und doppelte dorsale Streifen auf. Die Festland-Art dagegen hat große Flecken und innerhalb der großen Flecken zeigen sich oft nur schwache Flecken. Ferner ist er in der Färbung heller mit einer Tendenz zu Gelbbraun und nur teilweise zeigen sich doppelt dorsale (rückenwärtige) Streifen. Kopf und Hals wirken insgesamt sehr kompakt. Die kurzen Beine enden in kräftigen und langen Krallen, die wie bei fast allen Feliden einziehbar sind. Mit ihnen kann er sich als sehr guter Kletterer auszeichnen. Der Schwanz ist etwa so lang wie sein Körper und dient ihm beim Klettern im Geäst als Balancierorgan.

Lebensweise

Unter allen Großkatzen ist der Nebelparder an ein arboricoles Leben angepasst. Die meiste Zeit des Tages verbringt der Borneo-Nebelparder entsprechend im Geäst der Bäume. Der Borneo-Nebelparder lebt einzelgängerisch und die beiden Geschlechter finden nur zur Paarungszeit zueinander. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat das Männchen nichts weiter zu tun. Der Borneo-Nebelparder ist in der Regel territorial. Das Revier des Männchens ist dabei deutlich größer als das Revier des Weibchens und überschneidet sich mit dem Revier mehrerer Weibchen. Die Reviergrenzen werden mit Urin- und Kratzspuren markiert. Der Urin wird dabei an markanten Punkten wie Baumstämmen abgesetzt. Ebenfalls der Reviermarkierung dient ein Sekret aus Drüsen (Gll. circumorales), die sich oberhalb der Augen und im Kinnbereich befinden. Die Reviergröße richtet sich nach dem Lebensraum und nach dem Nahrungsangebot.

Verbreitung

Der Borneo-Nebelparder lebt in tropischen und subtropischen Regenwäldern in Höhen bis über 2.000 Meter, vor allem hält er sich auf Borneo und Sumatra im Malaiischen Archipel auf. Die Art war früher auch in Java anzutreffen, wurde jedoch noch nicht schriftlich belegt, da die Spezies in der Zeit des Neolithikum (Jungsteinzeit, etwa vor 7.500 Jahren) auf Java lebte und inzwischen dort ausgestorben ist.

Ernährung

Als dämmerungsaktiver Jäger jagt der Borneo-Nebelparder vorzugsweise in den Baumkronen nach Vögeln (Aves), kleinen Primaten (Primates) und anderen Kleinsäugetieren. Selten jagt er auf dem Waldboden Schweine (Suidae) und Säugetiere (Mammalia) in ähnlicher Größe.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife tritt mit rund zwei Jahren ein. Männchen erreichen die Fortpflanzungsfähigkeit etwa sechs Monate später. Nach einer Tragezeit von 85 bis 100 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und drei, selten mehr Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere öffnen nach etwa zwei Wochen erstmals ihre Augen und weisen eine gelbliche Färbung auf. Das charakteristische marmorierte Muster bildet sich im Laufe des ersten Lebensjahres aus. Die Jungtiere werden etwa für 100 Tage gesäugt und verlassen mit sechs bis neun Monaten die Mutter. Nebelparder können ein Alter von 12 Jahren erreichen, in Gefangenschaft durchaus auch bis zu 17 Jahren.

Systematik

Externe Systematik

Der Sunda-Nebelparder wird innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) der Unterfamilie der Großkatzen (Pantherinae) zugerechnet. Er wird jedoch nicht zur Gattung der Eigentlichen Großkatzen (Panthera), sondern gemeinsam mit dem eigentlichen Nebelparder in die eigene Gattung der Nebelparder (Neofelis) gestellt.

Die Zuordnung zu den Großkatzen ist indes nicht unumstritten. Einige Autoren stellen ihn daher in die Nähe der Kleinkatzen (Felinae).

Interne Systematik

Ursprünglich wurde der Sunda-Nebelparder als eine auf Borneo und Sumatra heimische Unterart (Neofelis nebulosa diardi) des Nebelparders (Neofelis nebulosa) geführt. 2007 kamen jedoch englische Wissenschaftler nach molekulargenetischen Untersuchungen zu dem Schluss, dass es sich beim Sunda-Nebelparder um eine eigenständige Art (Neofelis diardi) handele.

Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler sollen die genetischen Unterschiede zwischen Neofelis nebulosa und Neofelis diardii ähnlich groß sein, wie zwischen Löwe (Panthera leo) und Tiger (Panthera tigris). Die Population lebt seit rund 1,4 Millionen Jahren auf Sumatra und Borneo und konnte sich in dieser Zeit deutlich vom "Festland"-Nebelparder absetzen. Der Borneo-Nebelparder verfügt über dunklere Musterungen und ist auch sonst dunkler gefärbt. Insgesamt unterscheidet sich die DNA beider Arten in rund 40 Details. Die Gesamtpopulation des Borneo-Nebelparders soll sich auf 8.000 bis 18.000 Tiere belaufen. An den Untersuchungen, die im Jahre 2006 durchgeführt wurden, waren die englischen Forscher Andrew C. Kitchener, Mark A. Beaumont und Douglas Richardson beteiligt.

Gefährdung und Schutz

Die Gewohnheiten des Borneo-Nebelparder machen es schwierig, die Katze zu studieren. Genaue Zahlen der Population gibt es nicht. Der jüngsten Studie zufolge wird die Population auf Borneo zwischen 5.000 und 11.000 Katzen und etwa 3.000 bis 7.000 Katzen auf Sumatra geschätzt. In den Ländern der nativen Bereiche ist die Jagd der Borneo-Nebelparder verboten. Allerdings wird dieses Verbot sehr schlecht durchgesetzt. Einige Daten stammen aus einer Studie aus dem Jahre 2006, die in Sabah im nordöstlichen Teil von Borneo betrieben wurde. Diese Studie ergab schätzungsweise 1.500 bis 3.200 Katzen in Sabah, einschließlich der 275 bis 585 Katzen, die sich in dem großflächigen geschützten Reservat aufhalten. Eine zunehmende Bedrohung für den Borneo-Nebelparder und für die gesamte Fauna von Borneo ist der Eingriff in die natürlichen Lebensräume, indem unkontrollierte Pflanzungen von Gummi- und Palmöl-Plantagen vorgenommen werden. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen erforderlich, um genauere Daten der Population zu erhalten.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Katzen (Felidae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
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