Brillenente

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Brillenente
Weibchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Enten (Anatinae)
Tribus: Meerenten (Mergini)
Gattung: Meerenten (Melanitta)
Art: Brillenente
Wissenschaftlicher Name
Melanitta perspicillata
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Brillenente (Melanitta perspicillata) zählt innerhalb der Familie der Entenvögel (Anatidae) zur Gattung der Meerenten (Melanitta). Die englische Bezeichnung für diese Entenart lautet Surf Scoter oder Red-billed Scoter. Unterarten sind keine bekannt.

Die Brillenente kann leicht mit der Amerikanischen Trauerente (Melanitta americana), Swainson 1832 und mit der Amerikanischen Samtente (Melanitta deglandi), Bonaparte 1850, verwechselt werden. Die Amerikanische Trauerente hat jedoch einen orangenen Schnabel und ist ansonsten völlig schwarz. Die Amerikanische Samtente ist durch die weißlichen Flügelbereiche und die sehr schräg abfallende Stirn von der Brillenente zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Brillenente erreicht eine Länge von 45 bis 56 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 85 bis 95 Zentimeter sowie ein Gewicht von 900 bis 1.200 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Zudem weisen die Geschlechter auch in der Gefiederfärbung einen deutlichen Dimorphismus auf. Markantes Merkmal der Männchen ist ein ausgedehnter weißer Fleck auf der Stirn und ein kleines weißes Dreieck im Bereich des Nackens. Beim Weibchen zeigen sich zwei kleine weiße Flecken an den Kopfseiten. Der Schnabel des Weibchens ist unscheinbar graubraun gefärbt. Der Schnabel des Männchens ist auf der Oberseite rot bis orangerot, an der Spitze leicht gelblich gefärbt. An der Seite des Schnabels zeigen sich jeweils ein großer weißer und ein etwas kleinerer schwarzer Fleck. Beim Weibchen ist der Oberkopf schwarzbraun, beim Männchen rein schwarz gefärbt. Bis auf die weiße Stelle auf der Stirn ist das Gefieder des Männchens schwarz gefärbt, beim Weibchen ist das Gefieder unscheinbar graubraun gefärbt. Die Bauchseite des Weibchens ist weiß gefärbt.
Männchen
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Männchen
Die Augen beider Geschlechter sind braun, die Extremitäten weisen eine rotbraune Färbung auf. Juvenile Vögel ähneln im wesentlichen dem Weibchen, wobei die weißen Flecken an den Kopfseiten etwas stärker ausgeprägt sind. Die Brillenenten sind eher verschwiegen, nur gelegentlich ist ein leises Quaken oder sind pfeifende Geräusche zu hören.

Lebensweise

Brillenenten leben wie alle Tauchenten überwiegend auf dem Wasser. Sie gelten als sehr gute Taucher und suchen ihre Nahrung fast ausschließlich unter Wasser. Die mit Schwimmhäuten versehenen Füße dienen auf und unter Wasser als Antriebsorgan. Der Tauchvorgang wird durch einen kleinen Sprung eingeleitet. Beim Tauchen bleiben die Flügel in der Regel am Körper. Brillenenten sind auch gute Flieger, was sich auf den Flügen in die Winterquartiere bezahlt macht. Sie gelten als Mittel- bis Langstreckenzieher. Die Winterquartiere liegen an den Küsten im gemäßigten Nordamerika, zumeist in den südlichen US-Bundesstaaten oder im nördlichen Mexiko. Brillenenten leben überwiegend in geselligen Gruppen, die jedoch relativ klein sind.

Verbreitung

Die Brutgebiete liegen im hohen Norden von Nordamerika, insbesondere in Alaska, USA und im nördlichen Kanada nahe der Polargrenze. Die Brutgebiete liegen in der Taiga zumeist an Süßwasserseen oder größeren Teichen, selten auch in Sumpfgebieten oder entlang von Flussläufen. Die Winterquartiere liegen überwiegend an den Nordamerikanischen Küsten oder entlang von Flussmündungen, größeren Buchten oder Flussdelta. Rastplätze liegen an inländischen Seen und Teichen. Der Zug in die Brutgebiete erfolgt meist im April oder Anfang Mai. Nichtbrüter bleiben oftmals in den Winterquartieren zurück. In Europa ist die Brillenente ein sehr seltener Gast, kann hin und wieder aber an den europäischen Küsten Europas beobachten werden. Im europäischen Binnenland ist die Brillenente nicht anzutreffen.

Ernährung

Weibchen
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Weibchen

Brillenenten suchen ihre Nahrung tauchend im Flachwasserbereich auf dem Grund ihres Gewässers. Dabei drehen sie auch kleinere Steine um und nehmen die darunter liegenden Beutetiere auf. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Muscheln (Bivalvia), kleine Weichtiere (Mollusca), Krebstiere (Crustacea) sowie Schnecken (Gastropoda) und Insekten (Insecta) sowie deren Larven. Hier und da nehmen sie auch Wasserpflanzen und Sämereien zu sich.

Fortpflanzung

Die Brillenenten erreichen die Geschlechtsreife im Laufe des zweiten Lebensjahres, spätestens jedoch gegen Ende des zweiten Lebensjahres. Die Brutgebiete liegen in der Taiga zumeist an mit Nadelwäldern gesäumten Süßwasserseen oder an größeren Teichen, selten auch in Sumpfgebieten oder entlang von Flussläufen. Die Brutgebiete zeichnen sich grundsätzlich durch einen Waldreichtum aus. Die Paarungs- und Balzzeit beginnt im zeitigen Frühjahr, spätestens jedoch im Mai. Während einer Saison kommt es nur zu einem Gelege. Brillenenten leben in einer monogamen Einehe und ziehen sich zur Brutzeit in ein kleines Revier zurück, das gegenüber Artgenossen vehement verteidigt wird. Das Männchen ist dabei deutlich territorialer als das Weibchen. Die Nester entstehen zumeist in natürlichen Hohlräumen nahe eines Gewässers. Das eigentliche Nest besteht aus Pflanzenteilen und wird mit Federn und ähnlichen weichen Materialien ausgepolstert. Das Weibchen legt meist zwischen fünf und neun, durchschnittlich sechs bis sieben cremefarbene Eier, die von ihr über einen Zeitraum von rund 27 bis 29 Tagen vom Weibchen gewärmt werden. Während der Brutzeit verlässt das Weibchen die Eier immer nur kurz zur Nahrungsaufnahme. Die Küken schlüpfen gut entwickelt und verfügen über ein dichtes Dunenkleid. Auch ihre Augen sind bereits geöffnet. Ab dem zweiten Lebenstag verlassen die Küken das Nest und folgen den Eltern zum Gewässer. Die Küken ernähren sich unter Anleitung der Eltern im Gewässer selbständig. Das Erstgefieder der jugendlichen Enten ähnelt dem der Mutter. Sie erreichen nach rund 60 Tagen die Flugfähigkeit. Brillenenten erreichen meist ein Alter von zehn bis zwölf Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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