Camas-Taschenratte

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Camas-Taschenratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Geomyinae
Tribus: Thomomyini
Gattung: Gebirgs-Taschenratten (Thomomys)
Art: Camas-Taschenratte
Wissenschaftlicher Name
Thomomys bulbivorus
(Richardson, 1829)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Camas-Taschenratte (Thomomys bulbivorus) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung der Gebirgs-Taschenratten (Thomomys). Im Englischen wird diese Taschenratte Camas Pocket Gopher genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005; Verts & Carraway, 1987).

Inhaltsverzeichnis

Evolution, fossile Funde

Fossile Funde der Art sind nicht bekannt. Nach Carraway & Kennedy (1993) zeigen in den genetischen Muster lokal Anzeichen einer begrenzten Inzucht, jedoch eine große Differenzierung zwischen den Populationen. Die Populationen haben sich vor etwa 13.000 Jahren auseinander gelebt (Carraway & Kennedy, 1993 in IUCN, 2012).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Camas-Taschenratte ist der größte Vertreter der Gattung der Gebirgs-Taschenratten (Thomomys). Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 300 mm, eine Schwanzlänge von 90 mm, eine Hinterfußlänge von 42 mm, eine Jochbeinbreite von 36,5 mm, eine Condylobasallänge von 42,4 bis 57,4 (54,6) mm sowie ein Gewicht von 495,5 g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 271 mm, eine Schwanzlänge von 81 mm und eine Hinterfußlänge von 39 mm. Die Augen und Ohren sind klein, die Beine sind gattungstypisch kurz. Die Klauen an den vorderen Füßen sind größer als die Klauen an den hinteren Füßen. Weibchen verfügen über 4 Paare Zitzen, 2 liegen pectoral (Brustbereich), 2 weitere liegen inguinal, also im Leistenbereich. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3. Markant sind dabei die kräftigen Schneidezähne, die sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer liegen. Seitlich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Im Wangenbereich befinden sich große Backenbeutel, die dem Zwischenspeichern von Nahrung dienen. Der erigierte Penis eines Männchens erreicht eine Länge von 11,3 bis 14,5 (13,5) mm (Verts & Carraway, 1987).

Lebensweise

Camas-Taschenratten leben einzelgängerisch und bauen komplexe Gangsysteme mit einer Länge von bis zu 240 m. Die Bauten besitzen mehrere Ein- und Ausgänge sowie mehrere Kammern, unter denen auch Vorratskammern sind. Die Tunnel weisen einen Durchmesser von 51 bis 127 mm auf. Die Wohnkammern sind mit weichen Pflanzenteilen und getrockneten Gräsern ausgepolstert. Die meiste Zeit leben die Tiere unter der Erde. Nur einen kleinen Teil der aktiven Zeit verbringen sie an der Erdoberfläche. Die Tiere halten während der kalten Jahreszeit keine Winterruhe, jedoch legen sie für Mangelzeiten Nahrungsvorräte an (Verts & Carraway, 1987).

Verbreitung und Lebensraum

Die Camas-Taschenratte ist im Willamette-Tal im US-Bundesstaat Oregon sowie entlang des Willamette River endemisch. Die Art kommt nur im Flachland und ihn niedrigen Höhen bis 120 m über NN vor. Besiedelt werden hauptsächlich Heidelandschaften, lichte Wälder und deren Ränder. In der Nähe des Menschen tauchen die Tiere auch auf landwirtschaftlichen Flächen und in Obstgärten auf, wo sie als Schädlinge gelten. Feuchtgebiete werden strikt gemieden (IUCN, 2012; Verts & Carraway, 1987).

Biozönose

Camas-Taschenratten teilen sich die Erdbauten mitunter mit Feldmäusen (Microtus) wie Microtus canicaudus. Sympatrisch leben im Lebensraum der Tiere auch kleine Säuger, insbesondere Waldspitzmäuse (Sorex) wie Sorex vagrans, der Townsends Maulwurf (Scapanus townsendii), das Strauchkaninchen (Sylvilagus bachmani), das Florida-Waldkaninchen (Sylvilagus floridanus), das Townsend-Chipmunk (Tamias townsendii), der Kalifornische Ziesel (Spermophilus beecheyi), Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma fuscipes, die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus), die Oregon-Wühlmaus (Microtus oregoni), die Townsend-Wühlmaus (Microtus townsendii), die Pazifik-Hüpfmaus (Zapus trinotatus) und die nahe verwandte Mazama Taschenratte (Thomomys mazama) (Verts & Carraway, 1987)..

Zu den natürlichen Feinden der Camas-Taschenratten zählen vor allem Langschwanzwiesel (Mustela frenata), der Streifenskunk (Mephitis mephitis), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), die Waldohreule (Asio otus) und die Schleiereule (Tyto alba) (Verts & Carraway, 1987).

Ernährung

Camas-Taschenratten ernähren sich im Wesentlichen von Wurzeln sowie von Gräsern und anderen grünen Pflanzenteilen. Zu den beliebten Futterpflanzen gehören beispielsweise Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata), Wicken (Vicia), Wegeriche (Plantago), Lauche (Allium), Prärielilien (Camassia) und verschiedene Süßgräser (Poaceae). Für die Winterzeit legen die Tiere in Vorratskammern umfangreiche Nahrungsvorräte an (Verts & Carraway, 1987).

Fortpflanzung

Camas-Taschenratten erreichen diei Geschlechtsreife im ersten Lebensjahr. Die Paarungszeit erstreckt sich im Verbreitungsgebiet in Oregin, USA, von Anfang April bis in den frühen Juni. Nach einer Tragezeit von 18 bis 19 Tagen bringt ein Weibchen 3 bis 5 (4,2) Jungtiere in ihrem Bau zur Welt. Die Jungen erreichen eine Geburtslänge von 50 mm und ein Gewicht von 6,1 g. Das erste Fell stellt sich nach 2 Wochen ein. Die Augen öffnen die Jungtiere erst im Alter von gut 5 Wochen. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt in 6 Wochen (Verts & Carraway, 1987).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen gelten die Camas-Taschenratten als Schädlinge. Man sagt ihnen nach, sie würden die Flora nachhaltig schädigen. Fakt ist jedoch, dass die Tiere durch ihren Frass an Wurzeln und Pflanzenteilen den Pflanzenwuchs eher antreiben als unterbinden oder schädigen. Camas-Taschenratten bilden zudem für viele räuberisch lebende Tiere die Nahrungsgrundlagen. Sie sind daher ein wichtiger Teil in der Nahrungskette ihrer Habitate. Camas-Taschenratten gelten heute als Art noch nicht gefährdet. Sie werden daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Zu den größten Gefahren gehört die weitflächige Zerstörung der natürlichen Lebensräume, die Ausbringung von Pflanzenschutzmittel sowie die Bejagung und Nachstellung durch den Menschen (IUCN, 2012; Verts & Carraway, 1987).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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