Cryptotis meridensis

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Cryptotis meridensis

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Kleinohrspitzmäuse (Cryptotis)
Art: Cryptotis meridensis
Wissenschaftlicher Name
Cryptotis meridensis
Thomas, 1898

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Cryptotis meridensis zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Kleinohrspitzmäuse (Cryptotis). Im Englischen wird die Art Merida Small-eared Shrew genannt.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Innerhalb der Gattung der Kleinohrspitzmäuse (Cryptotis) ist Cryptotis meridensis eine der größten Arten. Zu den nah verwandten Arten gehört insbesondere Cryptotis phillipsii. Cryptotis phillipsii verfügt anders als Cryptotis meridensis über einen voll entwickelten vierten Molar. Der untere vierte Molar ist bei Cryptotis phillipsii zwar vorhanden, jedoch stark reduziert. Cryptotis meridensis ist nicht sympatrisch mit anderen Kleinohrspitzmäuse. Im Verbreitungsgebiet konnte keine andere Art nachgewiesen werden. Zur Verwechselung kann es daher nicht kommen. Eine Parapatrie ist jedoch mit den Arten Cryptotis brachyonyx, Cryptotis tamensis und Cryptotis thomasi gegeben. Cryptotis meridensis ist rund 10 Prozent größer als Cryptotis brachyonyx. Auch ist Cryptotis brachyonyx deutlich blasser gefärbt. Zwischen Cryptotis meridensis und Cryptotis tamensis zwigen sich insbesondere Unterschiede in der Zahnmorphologie. Das Fell von Cryptotis meridensis ist dunkler als bei Cryptotis tamensis und der Schwanz ist länger (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Cryptotis meridensis erreicht eine Gesamtlänge von 100 bis 135 (122) mm, eine Körperlänge von 70 bis 102 (88) mm, eine Schwanzlänge von 25 bis 41 (33) mm, eine Hinterfußlänge von 13 bis 17 (15) mm, eine Condylobasallänge von 20,5 bis 23,5 (21,5) mm, eine Schädelbreite von 10 bis 11 (10,4) mm, eine Jochbeinbreite von 1,6 bis 2,4 (2,0) mm sowie ein Gewicht von 8,5 bis 18 (12,3) Gramm. Die Geschlechter unterscheiden sich kaum, ein Dimorphismus ist daher nicht feststellbar. Das relativ lange Fell weist eine schokoladenbraune bis dunkelbraune Färbung auf, ventral zeigt sich eine olivbraune Färbung. Die Fellfärbung und die Felldichte variieren je nach Lebensraum. Das Fell erreicht eine Länge von 4 bis 6 mm. Der Oberarmknochen ist mäßig lang, leicht gebogen und robust. Die Vorderklauen sind relativ lang. Der Schädel weist eine leicht rundliche Form auf wobei sich distal und proximal eine Verbreiterung zeigt. Das Gebiss besteht aus 28 bis 30 Zähnen. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paar Zitzen in der Leistengegend (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Lebensweise

Cryptotis meridensis lebt fast ausschließlich terrestrisch. Auch wenn die Lebensweise als epigeal (auf der Erde lebend) zu bezeichnen ist, ist die Ernährungsweise durch eine Nahrungssuche unter der Erde geprägt. Cryptotis meridensis baut Tunnel und Nester für gewöhnlich unterhalb von dicken Schichten Moosen und Flechten. Je nach Lebensraum werden aber auch Laubstreu, Felsen oder Bäume und Baumstämme genutzt. In der Trockenzeit dienen die Tunnel und Nester auch dem Schutz vor Dehydrierung. Das Innere der Nester wird meist mit feinen Gräsern oder Seggen ausgepolstert. Die Siedlungsdichte von Cryptotis meridensis liegt bei rund 4,5 Tieren pro Hektar, wobei es zu saisonalen Schwankungen kommen kann. Die Siedlungsdichte korreliert offensichtlich mit zunehmender Temperatur und Luftfeuchtigkeit (Novak, 1999; Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Verbreitung und Lebensraum

Cryptotis meridensis ist in Venezuela endemisch. Das Vorkommen erstreckt sich über die venezolanischen Bundesstaaten Mérida und Táchira, wobei in Táchira nur die östlichen Regionen besiedelt werden. Cryptotis meridensis lebt in Höhenlagen hauptsächlich zwischen 1.640 und 3.950 Mter über NN (Woodman & Díaz de Pascual, 2004; Woodman, 2002; Hutterer, 2005). Cryptotis meridensis sind hauptsächlich in Wäldern und Nebelwäldern anzutreffen. Die Lebensräumen liegen in Höhenbereichen von 800 bis 3.000 Meter über NN. Je nach Lebensraum liegt die jährliche Niederschlagsmenge zwischen 500 und 2.600 mm (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Biozönose

Sympatrie

Cryptotis meridensis kommt im Lebensraum mit zahlreichen anderen kleinen Säugetieren vor. Dies haben verschiedene Feldstudien über mehrere Jahre feststellen können. Nachgewiesen wurden Eigentliche Beutelratten (Didelphinae) wie Gracilinanus dryas und Marmosops fuscatus, Andenmäuse (Aepeomys) wie Aepeomys lugens, Südamerikanische Feldmäuse (Akodon) wie Akodon urichi, Kolumbianische Waldmäuse (Chilomys instans), Fischratten (Ichthyomyini) wie Ichthyomys hydrobates, Kleinstreisratten (Microryzomys) wie Microryzomys minutus, Zwergreisratten (Oligoryzomys) wie Oligoryzomys fulvescens, Reisratten (Oryzomys) wie Oryzomys meridensis, Südamerikanische Klettermäuse (Rhipidomys) wie Rhipidomys venustus und Thomas-Paramomäuse (Thomasomys) wie Thomasomys laniger. In den Nebelwäldern lebt Cryptotis meridensis in Sympatrie mit Südamerikanischen Feldmäusen (Akodon) wie Akodon bogotensis, Wald-Stacheltaschenmäusen (Heteromys) wie Heteromys anomales, Bambusratten (Dactylomyinae) wie Olallamys edax, Rotschwanzhörnchen (Sciurus granatensis) und Thomas-Paramomäusen (Thomasomys) wie Thomasomys vestitus (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Prädatoren und Mortalität

Cryptotis meridensis hat im natürlichen Lebensraum zahlreiche Feinde. Hier sind insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes) und räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Elsteradler (Spizastur melanoleucus), Weißbürzelbussarde (Percnohhierax leucorrhous), Schleiereulen (Tyto alba), Weißohropossums (Didelphis albiventris), Südopossums (Didelphis marsupialis) und Bergnasenbären (Nasuella olivacea) zu nennen (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Krankheiten und Parasiten

In Felduntersuchungen konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Dies sind an Ektoparasiten insbesondere Milben (Acari, Acarida) wie Eutrombicula wolfenbargeri, Hoffmannina mahuensis und Androlaelaps fahrenholzi. Weitere Ektoparasiten sind Hirstionyssus dorsolatus, Gigantolaelaps tiptoni, Laelaps castroi, Eutrombicula variabilis sowie Zecken (Ixodida) wie Ixodes indet. Unter den Flöhe (Siphonaptera) konnten Pleochaetis dolens, Pleochaetis smiti und Plocopsylla ulysses nachgewiesen werden (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Ernährung

Als opportunistischer Allesfresser ernährt sich Cryptotis meridensis wie alle Spitzmäuse (Soricidae) hauptsächlich von am Boden lebenden Gliederfüßern (Arthropoda) und Ringelwürmern (Annelida). Hier sind insbesondere Hundertfüßer (Chilopoda), Regenwürmer (Lumbricidae), Landasseln (Oniscidea), Schnecken (Gastropoda), Spinnentiere (Arachnida) sowie Insekten (Insecta) und deren Larven. Hin und wieder fressen die Tiere auch Aas von Wirbeltiere (Vertebrata) und machen dabei auch vor Artgenossen keinen Halt. Berichten zufolge fressen stehen zu einem kleinen Teil auch Lurche (Amphibia), kleine Eidechsen (Lacertidae) und die Gelege von am Boden lebende Vögeln (Aves) auf der Speisekarte. Geprägt ist die Ernährungsweise jedoch von unterirdisch lebenden Gliederfüßern. Dies stellt etwa 70% der aufgenommenen Nahrung dar. Der Rest der Nahrung entfällt auf oberirdisch lebende Beutetiere (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Die aufgenommene Nahrung schwankt zum Teil stark je nach Lebensraum. Nach Woodman & Díaz de Pascual (2004) wurde die Ernährungsweise von Cryptotis meridensis besonders im Nebelwald von Monte Zerpa, Venezuela, untersucht. Im folgenden die Art von Beutetiere mit abnehmender Häufigkeit: Wenigborster (Oligochaeta), Feldheuschrecken (Acrididae), Echte Grillen (Gryllidae), die Larven von Käfern (Coleoptera), die Larven von Schmetterlingen (Lepidoptera), Blatthornkäfer (Scarabaeidae), Schaben (Blattodea) aus der Familie Blattidae, Asseln (Isopoda), Schnellkäfer (Elateridae), Laufkäfer (Carabidae), Wolfspinnen (Lycosidae), die Larven von Zweiflüglern (Diptera), Skolopender (Scolopendridae), Vogelspinnen (Theraphosidae), Leuchtkäfer (Lampyridae), Schnirkelschnecken (Helicidae), Schwärmer (Sphingidae), Ameisen (Formicidae), Doppelschwanzspinnen (Dipluridae), Gespenstschrecken (Phasmatodea) aus der Familie der Phasmatidae, Schwarzkäfer (Tenebrionidae), Zuckerkäfer (Passalidae), Egelschnecken (Limacidae), Laubheuschrecken (Tettigoniidae), Milben (Acari, Acarida), Baumwanzen (Penatomidae), Schröter (Lucanidae), Kammspinnen (Ctenidae), Schlupfwespen (Ichneumonidae), Lederwanzen (Coreidae) und Raupenfliegen (Tachinidae) (Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit weist im natürlichen Lebensraum 2 Spitzen auf: dies sind März bis April sowie Juli bis Dezember. Eine Fortpflanzung kann jedoch auch ganzjährig erfolgen. Dies konnte in der Feldforschung nachgewiesen werden. Die Paarungszeit erstreckt sich über 21 bis 22 Tage, ein durchschnittlicher Wurf besteht aus 3 (1 bis 9) Jungtieren. Bereits im Alter von 3 Wochen werden die Jungen von der Muttermilch entwöhnt. Die Geschlechtsreife wird mit 36 Tagen erreicht (Novak, 1999; Woodman & Díaz de Pascual, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Nach Angaben der IUCN gehört die Art noch nicht zu den gefährdeten Arten. Cryptotis meridensis wird daher in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Gesichert sind die Vorkommen vor allem in den großen venezolanischen Schutzgebieten. Außerhalb der Schutzgebiete ist der Lebensraum durch Abholzung der Wälder bedroht (IUCN, 2009).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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