Ctenomys mendocinus

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Ctenomys mendocinus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Trugrattenartige (Octodontoidea)
Familie: Trugratten (Octodontidae)
Unterfamilie: Octodontinae
Tribus: Ctenomyini
Gattung: Tukotukos (Ctenomys)
Art: Ctenomys mendocinus
Wissenschaftlicher Name
Ctenomys mendocinus
Philippi, 1869

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Ctenomys mendocinus zählt innerhalb der Familie der Trugratten (Octodontidae) zur Gattung der Tukotukos (Ctenomys). Im Englischen wird die Art Mendoza Tuco-tuco oder Mendocino Tuco-tuco genannt. Die Art ist moinotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde sind von Ctenomys mendocinus nicht bekannt. Subfossile Funde weisen ein Alter von 4.500 bis 1.400 Jahren auf. Die Funde stammen aus dem Nordwesten der Provinz Mendoza (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Erkennung und Unterschiede

Ctenomys mendocinus kann von den nah verwandten und sympatrisch lebenden Arten leicht durch die Fellzeichnung unterschieden werden. Die Art weist ein hellbraunes Fell auf, dass entlang des Nackens mit schwärzlichen Streifen oder leichten Wellen durchzogen ist. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Schwanz. Dieser ist bei Ctenomys mendocinus kürzer als bei Ctenomys validus und Ctenomys eremophilus. Ctenomys validus hat einen kleineren Schädel, Ctenomys eremophilus einen kleineren. Der Schädel von Ctenomys mendocinus ist insgesamt breiter und flacher als bei anderen Arten (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ctenomys mendocinus ist ein mittelgroßer Vertreter der Tukotukos (Ctenomys). Die Geschlechter von Ctenomys mendocinus divergieren in den Maßen und im Gewicht leicht. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 237 bis 280 (262,2) mm, eine Schwanzlänge von 72 bis 91 (82,2) mm, eine Hinterfußlänge von 34 bis 38 (36,4) mm, eine Ohrlänge von 7 bis 10 (8,4) mm, eine Schädellänge von 41 bis 47 (44,8) mm, eine basale Schädelbreite von 40 bis 45 (43,5) mm, eine Hirnschädelbreite von 15 bis 19 (17,5) mm, eine Jochbeinbreite von 24 bis 28 (26,1) mm, eine Schädelhöhe von 13 bis 16 (14,5) mm, eine Unterkieferlänge von 30 bis 34 (32,3) mm, eine Unterkieferbreite von 30 bis 35,8 (33,3) mm sowie ein Gewicht von 124 bis 253 (180,8) Gramm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 230 bis 262 (247,3) mm, eine Schwanzlänge von 70 bis 84 (77,4) mm, eine Hinterfußlänge von 32 bis 36 (34,1) mm, eine Ohrlänge von 6 bis 9 (7,5) mm, eine Schädellänge von 39 bis 43 (41) mm, eine basale Schädelbreite von 37 bis 41 (39,7) mm, eine Hirnschädelbreite von 16 bis 18 (16,8) mm, eine Jochbeinbreite von 23 bis 26 (24,0) mm, eine Schädelhöhe von 12 bis 14 (13,5) mm, eine Unterkieferlänge von 28 bis 31 (28,9) mm, eine Unterkieferbreite von 28,8 bis 32,5 (30,3) mm sowie ein Gewicht von 108 bis 200 (145,3) Gramm. Männchen sind demnach etwas größer und schwerer als Weibchen. Der Körper ist insgesamt robust gebaut, der Kopf setzt sich nur wenig vom Hals ab. Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig. Die Füße sind breit, zwischen den Zehen zeigen sich vor allem an den Hinterfüßen steife Haare. Die Sohlen der Füße sind jedoch nackt, die Fußballen sind recht groß. Die Vorderfüße weisen lange Krallen auf. Die Ohren sind klein und liegen meist im Fell verborgen oder sind nur wenig sichtbar. Die Augen sind ebenfalls klein und liegen dorsolateral mittig am Schädel. Der mittellange Schwanz erreicht etwa 46% der Körperlänge und ist relativ dünn. Ctenomys mendocinus verfügt über 20 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3 (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Lebensweise

Ctenomys mendocinus ist eine grabende Nagetierart. Die Art zeichnet sich zudem durch ein stark territoriales Verhalten aus. Ctenomys mendocinus ist zwar ganzjährig aktiv, jedoch sinkt die Aktivität im Winter deutlich ab. Dies ist insbesondere in Höhenlagen der Fall. Die Tunnel der Gangsysteme werden mit den Vorderpfoten gegraben, lose Erde wird unter den Bauch nach hinten geschoben und mit den Hinterbeinen weiter nach hinten befördert. Beim Graben sind die Augen geschlossen. Beide Geschlechter geben knurrende und winselnde Laute von sich. Männchen markieren ihr Gangsystem an den seitlichen Wänden mit Urin. Weibchen verhalten sich ähnlich, wobei Männchen den reproduktiven Zustand eines Weibchens anhand des Urins erkennen können. Das Paarungsverhalten ist durch lautstarke Geräusche und einer Balz, die durch lange und heftige Kämpfe auszeichnet, geprägt. Während dieser Kämpfe kommt es mehrmals zu aggressiven Kopulationshandlungen. Ctenomys mendocinus ist ein opportunistischer Fresser mit selektiven Konsumgewohnheiten. Die Tiere ernähren sich von einer Vielzahl an Gräsern, die fürgewöhnlich oberirdisch konsumiert werden. Verschiedene Gräser stehen dabei weit oben auf der Speisekarte. Wurzeln und Sträucher werden hingegen weitestgehend gemieden (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Die Bauten von Ctenomys mendocinus bestehen im Wesentlichen aus einem oder mehreren Haupttunnel und zahlreichen seitlich verzweigenden Tunneln. Die lateral abgehenden Tunnel sind gerade und verzweigen in sich nicht weiter, führen jedoch häufig an die Erdoberfläche. Die restlichen lateralen Tunnel enden in einer Sackgasse. Forscher haben in Feldversuche festgestellt, dass ein Gangsystem zwischen 8 und 47 laterale Tunnel aufweisen kann. Zum Bau gehören des Weiteren eine zentrale Kammer sowie ein oder mehrere Kammern, in denen Nahrung gelagert wird. Die durchschnittliche Anzahl an Hügeln bzw. an Ein- und Ausgängen zur Oberfläche liegt bei 5 bis 8. Ein Bau erstreckt sich meist über eine Fläche von 12 bis 43 m². Die Bauten von Männchen sind dabei deutlich größer als die Bauten der Weibchen. Je nach Jahreszeit und Verbreitungsgebiet beträgt die Anzahl an Löchern zwischen 52 und 221 pro Hektar. Mit Ende des Winters liegt die Anzahl der Löcher am niedrigsten (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Verbreitung und Lebensraum

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet von Ctenomys mendocinus erstreckt sich über das zentrale Argentinien. Die Vorkommen gelten in den nördlichen und zentralen Regionen der Provinz Mendoza als nachgewiesen. Kleinere Populationen scheint es auch in den Provinzen San Luis und San Juan zu geben. Die Sichtungen sind hier jedoch eher spärlich. Die Lebensräumen liegen für gewöhnlich in Höhenbereich von 460 bis 3.400 Meter über NN (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Lebensraum

Die Art kommt in ariden und semiariden Lebensräumen vor. Dies ist sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen der Fall. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr liegt zwischen 100 und 300 mm. Offenes Buschland und Grasland wird bevorzugt bewohnt. In diesen Ökosystemen dominieren in der Provinz Mendoza, dem Hauptverbreitungsgebiet, insbesondere Melden (Atriplex) und Kreosotbüsche (Larrea). Andere Gewächse sind Federgräser (Stipa), Trespen (Bromus), Rispengräser (Poa) und andere Süßgräser (Poaceae) (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Biozönose

Sympatrie

Ctenomys mendocinus lebt in seinem Lebensraum sympatrisch mit anderen kleinen Säugetieren. Hier sind insbesondere Südamerikanische Feldmäuse (Akodon) wie Akodon molinae, Vespermäuse (Calomys) wie Calomys musculinus, Große Maras (Dolichotis patagonum), Hochland-Wüstenmäuse (Eligmodontia) wie Eligmodontia typus, Graue Wieselmeerschweinchen (Galea musteloides), Blattohrmäuse (Graomys) wie Graomys griseoflavus, Hasenmäuse (Lagidium) wie Lagidium viscacia, Viscachas (Lagostomus maximus), Südliche Zwergmeerschweinchen (Microcavia australis), Blattohrmäuse (Phyllotis) wie Phyllotis xanthopygus, Salinomys delicatus, Fettschwanzbeutelratten (Thylamys) wie Thylamys pallidior sowie Wüstenratte (Tympanoctomys barrerae). Mit zahlreichen dieser Arten lebt Ctenomys mendocinus auch in Nahrungskonkurrenz (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Krankheiten und Parasiten

In Felduntersuchungen konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Dies sind insbesondere Kieferläuse (Mallophaga) wie Gyropus parvus, Phtheiropoios mendocinus und Eulinognathus wernecki. Weitere Ektoparasiten sind Flöhe (Siphonaptera) wie Polygenis platensis und Tiamastus longinasus (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Ernährung

Ctenomys mendocinus ernährt sich als Pflanzenfresser vor allem von Sämereien und feinen Gräsern. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Süßgräser (Poaceae) wie Aristida, Rispenhirsen (Panicum), Rispengräser (Poa), Borstenhirsen (Setaria) und Federgräser (Stipa). Aber auch Sträucher wie werden als Futterpflanzen häufig genutzt. Hier sind insbesondere Melden (Atriplex), Eisenkrautgewächse (Verbenaceae) wie Acantholippia seriphioides, Kassien (Cassia), Parkinsonien (Parkinsonia) und Kreosotbusch (Larrea) (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Fortpflanzung

Ctenomys mendocinus erreicht die Geschlechtsreife im Alter von 6 bis 8 Monaten. Die Geschlechter unterscheiden sich hierbei nicht. Die Paarungszeit erstreckt sich im Wesentlichen von August bis in den Februar hinein. Zu den meisten Geburten kommt es im zwischen Dezember und Februar. In einer Saison kommt es für gewöhnlich nur zu einem Wurf, wobei 2 Würfe pro Saison möglich sind. Nach einer Tragezeit von gut 90 bis 95 Tagen bringt ein Weibchen durchschnittlich 2,9 Jungtiere zur Welt (Cona, Roig, Massarini & Verzi, 2005).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Trotz der endemischen Verbreitung gehört Ctenomys mendocinus heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Laut IUCN sind auch keine Gefährdungsfaktoren bekannt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt (IUCN, 2009).

Anhang

Literatur und Quellen

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