Ctenomys talarum

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Ctenomys talarum
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Trugrattenartige (Octodontoidea)
Familie: Trugratten (Octodontidae)
Unterfamilie: Octodontinae
Tribus: Ctenomyini
Gattung: Tukotukos (Ctenomys)
Art: Ctenomys talarum
Wissenschaftlicher Name
Ctenomys talarum
Thomas, 1898

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Ctenomys talarum zählt innerhalb der Familie der Trugratten (Octodontidae) zur Gattung der Tukotukos (Ctenomys). Im Englischen wird die Art Talas Tuco-tuco genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Ctenomys talarum stammen aus dem frühen Holozän. Ältere Funde sind nicht bekannt. Die Funde stammen im Wesentlichen aus der Provinz Buenos Aires (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Erkennung und Unterschiede

Ctenomys talarum ist kleiner als die nah verwandten Arten Ctenomys australis, Ctenomys azarae und Ctenomys mendocinus. Auch der Schwanz ist im Durchmesser schlanker als bei den genannten Arten. Der Schwanz weist eine Länge von 39% der Kopf-Rumpf-Länge auf. Im Vergleich zu Ctenomys azarae ist das Rostrum bei Ctenomys talarum kürzer und breiter. Auch das Baculum von Ctenomys talarum ist 5,25 mm kürzer und insgesamt flacher. Dies gilt insbesondere im Vergleich der Arten Ctenomys minutus und Ctenomys torquatus (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ctenomys talarum erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Gesamtlänge von 212 bis 254 (233,4) mm, eine Schwanzlänge von 56 bis 75 (66,7) mm, eine Hinterfußlänge von 24 bis 35,5 (29,1) mm, eine Schädellänge von rund 37,4 mm, eine Hochbeinbreite von 22,2 mm sowie eine Hirnschädelbreite von 14,6 mm. Der Körper hat eine zylindrische Form, der Hals ist relativ kurz. Das kurze und dichte Fell weist eine dunkle graurote Färbung auf. Im Achselbereich zeigen sich im Kontrast zur Fellfärbung weiße Flecken. Eine weiße Stelle ist zudem am unteren Rand der Ohren zu erkennen. In einer Saison kommt es 2 mal zum Fellwechsel. Dies ist im Sommer und im Herbst der Fall. Bei den Weibchen beginnt der Fellwechsel für gewöhnlich früher als bei Männchen. Der Schwanz ist recht kurz und dicht mit einem bräunlichen Fell besetzt. Die Zehen der Vorder- und Hinterfüße weisen lange, gebogene Krallen auf. Dieses Merkmal stellt ein Indiz für Grabaktivitäten dar. Der Penisknochen (Baculum) von Ctenomys talarum ist klein und schmal. Er erreicht eine Länge von 6,4 mm, eine proximale Breite von 1,32 mm sowie eine distale Breite von 0,9 mm. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Die Nieren weisen ein ausgedehntes Nierenmark (Medulla renalis) und eine gut ausgeprägte Nierenrinde (Cortex renalis). Beide Merkmale ermöglichen es den Tieren ohne Trinkwasser auszukommen (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Lebensweise

Ctenomys talarum lebt einzelgängerisch. Die einzelnen Erdbauten werden jeweils nur von einem Individuum bewohnt. Das Geschlechterverhältnis in einem Lebensraum liegt bei rund 1:1, die Reviergrenzen einzelner Tiere, vor allem zwischen Männchen und Weibchen, überschneiden sich. Bei den Erdbauten handelt es sich um durchaus komplexe Bauten, die in Tiefen von 10 und 35 cm liegen. Untersuchungen im Lebensraum der Tiere haben ergeben, dass die Siedlungsdichte je nach Lebensraumqualität zwischen 67 und 207 Tiere je Hektar schwankt. Lokal konnte sogar eine Siedlungsdichte von bis zu 887 Auswurfhügeln je Hektar nachgewiesen werden. Die Abstände zwischen benachbarten Bauten schwanken saisonal und liegen zwischen 7,6 und 18,9 m. Die Reviergrößen liegen bei den Männchen bei etwa 9,3 bis 15,3 (12,3) m², bei den Weibchen bei 7,9 bis 9,6 (8,7) m² (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Unterarten

Unterarten nach Justo, De Santis & Kin, 2003:

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Ctenomys talarum erstreckt sich hauptsächlich entlang der Küste der Provinz Buenos Aires in Argentinien. Eine Unterart kommt auch in isolierten Regionen in den Provinzen La Pampa und Patagónica vor. Die Art bevorzugt lehmige Böden mit einer dichten Vegetation aus Sträuchern, Büschen, vereinzelten Bäumen sowie Gräsern und Stauden (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Biozönose

Sympatrie

Prädator: die Kaninchen-Eule (Athene cunicularia)
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Prädator: die Kaninchen-Eule (Athene cunicularia)

Ctenomys talarum lebt im Verbreitungsgebiet sympatrisch mit anderen Tukotukos (Ctenomys). Dies sind in den östlichen Regionen insbesondere Ctenomys australis und in den westlichen Regionen Ctenomys azarae. Alle genannten Arten bevorzugen lehmige Sandböden (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Prädatoren und Mortalität

Zu den natürlichen Feinden rechnet man vor allem Eulen (Strigiformes) wie die Kaninchen-Eule (Athene cunicularia), die Sumpfohreule (Asio flammeus) und die Schleiereule (Tyto alba) sowie Habichtartige (Accipitridae) wie der Rotrückenbussard (Buteo polyosoma). Unter räuberisch lebenden Säugetieren sind keine natürlichen Feinde bekannt (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Krankheiten und Parasiten

Zu den bekanntesten Ektoparasiten von Ctenomys talarum gehören Kieferläuse (Mallophaga) wie Gyropus parvus und andere Tierläuse (Phthiraptera) wie Eulinognathus americanus. An Endoparasiten konnten bislang Fadenwürmer (Nematoda) wie verschiedene Dünndarmparasiten der Familie Trichostrongylidae. Im Blinddarm (lat. Caecum) lassen sich Vertreter der Trichuridae nachweisen (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Ernährung

Die Art ernährt sich hauptsächlich von Trespen (Bromus) wie Bromus unioloides. In freier Wildbahn sind keine anderen Pflanzenarten bekannt, jedoch sehr wahrscheinlich. In Gefangenschaft gehaltene Tiere werden meist mit verschiedenen Gräsern gefüttert (Justo, De Santis & Kin, 2003).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit von Ctenomys talarum erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten in einer Saison über 6 bis 8 Monate. Die Kernzeit liegt zwischen Juli und Dezember. In dieser Zeit kommt es in der Regel zu 2 Würfen. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus 3,9 Jungtieren, wobei das Geschlechterverhältnis beim Nachwuchs zwischen 1:1 und 1:1,63 liegt. Die Säugezeit ist nicht bekannt, sie wird jedoch auf etwa 45 Tage geschätzt. Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife ist nicht genau bekannt, in Felduntersuchungen konnte jedoch festgestellt werden, dass das Gewicht adulter, geschlechtsreifer Tiere zwischen 122,5 Gramm bei Weibchen und 175 Gramm bei Männchen liegt.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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