Deckennetzspinne

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Deckennetzspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Baldachinspinnen (Linyphiidae)
Gattung: Floronia
Art: Deckennetzspinne
Wissenschaftlicher Name
Floronia bucculenta
(Clerck, 1757)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:010612]

Die Deckennetzspinne (Floronia bucculenta) zählt innerhalb der Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae) zur Gattung Floronia.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Deckennetzspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 4,5 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 5 Millimeter. Durch den hoch aufragenden Hinterkörper ist die Deckennetzspinne gut zu erkennen. Der Hinterkörper ist etwa so lang wie hoch. Das Männchen und das Weibchen sind in der Färbung und Zeichnung ähnlich. Das Männchen unterscheidet sich jedoch deutlich vom Weibchen durch die Kopfform und die Form des Hinterleibes. Die Kopfpartie bei dem Männchen ist breit erhaben und mit vielen zu Büscheln angeordneten langen dunklen Haaren im Augenfeld besetzt. Der Hinterleib des Männchens ist nicht so stark gewölbt wie bei dem Weibchen. Der Rückenschild weist eine graubraune Färbung auf und ist mit einem dunklen Rand umsäumt. Des Weiteren ist der Rückenschild relativ flach und klein im Vergleich zum Hinterleib. Der Hinterleib ist sehr hochgewölbt, von der Seite halbkugelförmig und in den Spinnwarzen spitz zulaufend. Er weist eine rötlichbraune Färbung auf und ist mit dunklen Streifen sowie mit weißen Punkten auf der Oberseite und dunklen Bögen an den Seiten versehen. Die Beine sind sehr lang und dünn und sind von einer rötlichbraunen Tönung. Ferner sind die Beine mit vielen langen dunklen Stachelhaaren bedeckt. Die reifen Tiere sind von Juli bis September zu finden.

Lebensweise

Die leicht kenntliche Spinne baut ihr Netz stets in Bodennähe in der niedrigen, krautigen oder strauchigen Vegetation. Ihr Fangnetz besteht aus einem einfachen, horizontalen Teppich. Diesem Teppich fehlen die Stolperfäden der typisch gebauten Netze der Eigentlichen Baldachinspinnen (Linyphia). Die Deckennetzspinne zeigt, wie viele Baldachinspinnen (Linyphiidae), eine charakteristische Verkehrt-Färbung. Die Oberseite ist ziemlich hell, während die Bauchseite dagegen auffallend dunkel gefärbt ist. Hierdurch scheint sie, bauchoben unter ihrem Netzteppich lauernd, von oben gegen den hellen Himmel dagegen hell. So ist sie gegenüber den natürlichen Fressfeinden optimal getarnt. Diesem Färbungsschema entsprechen auch viele Arten der Gattung der Eigentlichen Baldachinspinnen (Linyphia) und der Gattung Neriene. Abweichend gezeichnete Vertreter, etwa die Art Neriene montana, haben auch eine abweichende Lebensweise, indem sie zum Beispiel nicht unter dem Netz, sondern in einem Schlupfwinkel lauern. Gegenüber Störungen ist die Deckennetzspinne recht empfindlich. Bei stärkeren Erschütterungen des Netzes läßt sie sich sofort zu Boden fallen und nimmt eine sehr dunkle Schreckfärbung an.

Verbreitung

Die Deckennetzspinne hält sich in feuchten Wäldern an halbschattigen Stelllen, besonders in Auwäldern auf, in denen diese Art in niederer Vegetation ihre einfach gebauten und teilweise sehr großen Netze anlegt. Sie ist in Mitteleuropa gebietsweise ziemlich häufig anzutreffen. Zu den Verbreitungsgebieten zählen unter anderem Deutschland, Niederlande, Belgien, Schweiz, Österreich, Tschechien, Skandinavien sowie Polen und Russland, ebenso Großbritannien, Schweden und Dänemark. Nach der Roten Liste in Deutschland ist eine Gefährdung der Deckennetzspinne in Thüringen anzunehmen.

Ernährung

Die Deckennetzspinne lebt räuberisch und ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) wie zum Beispiel von Fliegen (Brachycera). Sie baut horizontal aus mehreren Etagen bestehend ein baldachinartiges Netz, in dem sie ihre Beute fängt. Meist hängt sie mit dem Rücken nach unten unter dem baldachinartigen Aufbau des Netzes und lauert auf ihre Beute. Die Beute verfängt sich dann in der oberen Etage des Netzes, die aus klebrigen Fäden besteht. Die Deckennetzspinne zieht dann die Beute auf das untere Netz, um dort das Insekt zu verspeisen.

Fortpflanzung

Die Paarung findet vorzugsweise im Juli statt. Beide Partner hängen bauchoben im Netz. Das Männchen führt abwechselnd beide Taster in die weibliche Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) ein. Beim eingeführten Taster sieht man die Tasterblase (Haematodocha) anschwellen und anschließend wieder kollabieren. Nach Beendigung der Kopulation mit dem Weibchen, baut das Weibchen ein neues Netz, dem jetzt das Pheromon fehlt und somit werden keine weiteren Männchen mehr angelockt. Das Weibchen legt die Eier in einen Kokon ab, den das Weibchen mit ihrer Seide webt und an Pflanzenteilen befestigt. Diese Art betreibt keinerlei Brutpflege oder Brutbewachung. Je nach Umgebungstemperatur können die Jungspinnen nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen schlüpfen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
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