Dreieckspinne

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Dreieckspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Kräuselradnetzspinnen (Uloboridae)
Gattung: Dreieckspinnen (Hyptiotes)
Art: Dreieckspinne
Wissenschaftlicher Name
Hyptiotes paradoxus
(C. L. Koch, 1834)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:006227]

Die Dreieckspinne (Hyptiotes paradoxus) zählt innerhalb der Familie der Kräuselradnetzspinnen (Uloboridae) zur Gattung der Dreieckspinnen (Hyptiotes).

Die Dreieckspinne wurde von der Arachnologischen Gesellschaft e.V. zur Spinne des Jahres 2009 gewählt. Die Arachnologische Gesellschaft möchte mit der Wahl dieser Spinne die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) vieler Menschen nehmen und auch das Interesse und Verständnis für die Flora (gesamte Pflanzenwelt) und Fauna (gesamte Tierwelt) wecken.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen der Dreieckspinne erreicht eine Körperlänge von etwa 4 Millimeter und das Weibchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6 Millimeter. Der Rückenschild des Weibchens ist sehr breit und ziemlich hoch, während der Hinterleib kurz und oval erscheint und nach der Mitte nach oben gebuckelt ist. Der Hinterleib ist mit kurzen orange-roten Haaren bedeckt. Die Beine wirken kurz und gedrungen und sind ebenfalls mit kurzen braunen oder rötlich-braunen Haaren besetzt. Das Männchen ist fast wie das Weibchen gefärbt, gelegentlich ist das Männchen etwas heller. Sein Hinterleib ist kurz und eher zylindrisch als oval. Die Kiefertastorgane sind auffällig groß und ungefähr genauso groß wie Kopf und Brustteil zusammen. Die Augen liegen in zwei Reihen, das hintere mediane Paar befindet sich hinter dem vorderen äußeren. Die Färbung ist auch bei dieser Art außerordentlich variabel. Manche Exemplare sind fast einheitlich hellgrau, gelbbraun oder rotbraun gefärbt. Andere Exemplare sind wiederum durch weißliche und schwarze Haarflecke sehr kontrastreich gemustert.

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Lebensweise

Sehr auffallend ist das Fangnetz der Dreieckspinne. Seine dreieckige Form war der Anlaß zur Namensgebung. Das Netz beim erwachsenen Weibchen ist etwa so groß wie ein Tennisschläger und wird zwischen Fichtenzweigen ausgespannt. Zwischen den vier als Radien gedeuteten Fäden sind cribellate Fangfäden gespannt, wobei das Mäandermuster auch bei der Dreieckspinne deutlich zu erkennen ist. Das fertige Gebilde sieht aus wie drei Sektoren eines cribellaten Radnetzes. Von der Nabe aus verläuft ein Spannseil zum Sitzplatz der Spinne. Das unscheinbar braune Tier gleicht einer Fichtenknospe. Mit den Hinterbeinen hält sich die Spinne an einem kurzen, am Fichtenzweig befestigten Faden fest. Die Vorderbeine ziehen das Spannseil straff und halten somit das gesamte Netz. Es ist keineswegs leicht, die Spinne und ihr Netz zu finden, selbst wenn man den Lebensraum genau kennt. Auch für Schwebfliegen (Syrphidae), die den Netzdecken der Baldachinspinnen (Linyphiidae) und den Radnetzen der Kreuzspinnen (Araneus) geschickt ausweichen, weil sie die Gespinste sehen können, dürfte das Netz der Dreieckspinne nicht sichtbar sein und bedeutet damit eine große Gefahr für die Geflügelten Insekten (Pterygota).

Schon eine flüchtige Berührung der Cribellumfangfäden genügt, um die Fliege (Brachycera) festzuhalten. Durch die Wirkung der Adhäsionskraft klebt sie am Faden fest. Mehr noch, die Dreieckspinne wird durch den Anprall alarmiert, und augenblicklich verlängert sie den Haltefaden zwischen sich und dem Fichtenzweig. Das Netz verliert dadurch an Spannung und fällt über die Fliege zusammen. Die Dreieckspinne, als lebende Brücke zwischen dem Spannseil und dem Haltefaden hängend, verlängert letzteren noch mehr, während sie das Spannseil aufwickelt. So arbeitet sich die Dreieckspinne zu dem zerstörten Netz und der in Cribellumwolle rettungslos verfangenen Fliege vor. Immer noch frei hängend - die Vorderbeine der einen Körperseite am Spannseil, die der anderen am Haltefaden -, spinnt die Dreieckspinne ihre Beute sorgfältig ein, indem sie das Paket sehr schnell vor den Seidenbänder produzierenden Spinnwarzen dreht. Und ohne die unbequeme Stellung aufzugeben, verspeist die Spinne ihr Opfer - irgendwo zwischen zwei Fichtenzweigen. Bisher wurde noch keine Beute beobachtet, die sich aus dieser Schlagfalle wieder befreien konnte. Solche Netze, die wie Schlagfallen funktionieren, gibt es sehr zahlreich bei den cribellaten Spinnen, bietet sich doch diese Art des Fangnetzes geradezu an bei der enormen Dehnungsfähigkeit der cribellaten Fäden.

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Verbreitung

Die Dreieckspinne gehört bei uns zu den durchaus häufigen, allgemein verbreiteten Arten. Wegen ihres unscheinbaren Äußeren ist sie zwar schwer sichtbar, durch ihr Fangnetz und den typischen Lebensraum, aber verhältnismäßig leicht zu finden. Sie lebt fast ausschließlich in Fichtenwäldern an den unteren, abgestorbenen Zweigen, etwa in Kopfhöhe. In etwa 5 bis 10 Meter hohen Fichtenbeständen wird man selten vergeblich nach den charakteristischen Netzen der Dreieckspinne suchen. Wenn die Art auf anderen Bäumen gefunden wurde, dann stets in unmittelbarer Nähe von Fichten (Picea). Mit der forstlichen Ausbreitung der Fichte in Mitteleuropa ganz offensichtlich überall stark gefördert, so dass diese Art heutzutage nirgendwo selten ist.

Ernährung

Die Dreieckspinne besitzt wie alle Kräuselradnetzspinnen (Uloboridae) keine Giftdrüsen. Daher wickelt die Spinne ihre Beute besonders sorgfältig ein, bevor sie diese mit Verdauungssaft einspeichelt und aussaugt. Gerät nun ein Beutetier in das Netz, läßt sich die Spinne am Sicherheitsfaden nach unten sinken. Da aber das Netz unter einer starken Spannung steht, fällt die Dreieckspinne nicht nach unten, sondern wird mit dem Signalfaden zum Netzzentrum hingezogen. Dabei fällt gleichzeitig die cribellate Fangzone des Netzes zu einem unentwirrbaren Knäuel in sich zusammen. Die Beute wird auf diese Weise sicher gefangengehalten. Das Netz muß jedoch nach jedem Fangakt völlig neu gewoben werden. Zum Nahrungsspektrum der Dreieckspinne gehören unter anderem Schwebfliegen (Syrphidae) und andere Geflügelte Insekten (Pterygota).

Fortpflanzung

Da die Dreieckspinnen eine zweijährige Entwicklungszeit haben, sind vom Frühjahr bis spät in den Herbst hinein halbwüchsige oder adulte Tiere zu finden. Die Paarungszeit fällt meist in die Monate August und September. Der gut getarnte flache Kokon, in dem sich die Eier befinden, hat ein buschiges Aussehen und wird an Fichtenzweigen oder sogar dem Stamm des Baumes angeheftet.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 30. Juni 2009 <1>

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Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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