Echte Karettschildkröte

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Echte Karettschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
Unterfamilie: Cheloniinae
Gattung: Eretmochelys
Art: Echte Karettschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Eretmochelys imbricata
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) zählt innerhalb der Familie der Meeresschildkröten (Cheloniidae) zur Gattung Eretmochelys. Im englischen wird die Echte Karettschildkröte Hawksbill Sea Turtle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die mittelgroße Echte Karettschildkröte erreicht eine durchschnittliche Carapaxlänge von 75 bis 90 Zentimeter sowie ein Gewicht von rund 80 Kilogramm. Nachgewiesen ist ein Rekordgewicht von 127 Kilogramm und eine Rekordlänge von 114 Zentimeter. Die Schlüpflinge weisen eine Schlupflänge von 4,2 Zentimeter und ein Gewicht von 16 bis 19 Gramm auf. Der Plastron ist bei beiden Geschlechter gelblich gefärbt, dunkel pigmentiert und weist beim Männchen eine konkave Form auf. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der längere und kräftigere Schwanz des Männchens. Der Carapax der adulter Echten Karettschildkröte ist länglich oval, bei den Jungtieren zeigt sich noch eine herzförmige Form. Der laterale Rand des Carapax zeigt eine deutliche Zackung, die sich mit zunehmendem Alter besonders ausgeprägt zeigt. Die Hornplatten des Carapax, insbesondere die Pleural- und Ventebralschilde überlappen sich leicht. Im Stirnbereich des Kopfes zeigen sich zwei kräftig ausgeprägte Platten. Die Färbung des Carapax reicht hellbraun bis hin zu bernsteinfarben und ist mit zahlreichen bräunlichen oder schwarzbraunen Flecken übersät. Die sichtbare Haut ist cremefarben bis leicht gelblich. Der Kopf und die Extremitäten weisen eine variable gelblich Markierung in Form von Bändern und Linien auf. Die Grundfärbung der Extremitäten ist dunkel, meist schwarzbraun. Die Unterseite der flossenartigen Extremitäten ist zumeist gelb gefärbt. Hier zeigen sich lediglich einige dunkle Muster. Männchen sind insgesamt immer etwas heller gefärbt. Der Kopf ist leicht länglich und zur Schnauze hin spitz zulaufend. Der Unterkiefer weist eine V-formige Struktur auf. Der Schnabel ähnelt entfernt einem Papageienschnabel. An den vorderen Extremitäten zeigen sich je zwei Krallen, die allen anderen Meeresschildkröten fehlen.

Kopfstudie
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Kopfstudie

Lebensweise

Ursprünglich dachte man, dass Echte Karettschildkröten relativ standorttreu sind. Neueste Studien haben jedoch ergeben, dass sie außerhalb der Paarungszeit durchaus weite Wanderungen im Bereich des Kontinentalsockels unternehmen. Echte Karettschildkröten leben einzelgängerisch und sind tagaktiv und ruhen während der Nacht. Dieses Verhalten ändert sich während der Eiablage, da diese ausschließlich während der Nacht erfolgt. Wie die Echten Karettschildkröten jährlich zu ihren angestammten Nistplätzen finden, ist weitestgehend unbekannt. Man geht davon aus, dass sich die Schildkröten anhand des Erdmagnetfeldes orientieren.

Unterarten

Verbreitung

Die Echte Karettschildkröte ist in tropischen und subtropischen Regionen des Atlantiks und des Pazifiks weit verbreitet. Die Eiablageplätze liegen an angestammten Küsten, die Jahr für Jahr aufgesucht werden. Diese Verlässlichkeit der Nistplatzwahl ist für die Echten Karettschildkröten zugleich die größte Gefahr, da der Mensch so leicht an die Eier und die Schildkröten kommt. In den USA liegen die Nistplätze entlang der Ost- und Südküste. Der Golf von Mexiko dient den Tieren weitflächig als Lebensraum. Riffe und Lagunen vor der Küste des Festlandes oder größerer Inseln dienen den Echten Karettschildkröten als Lebensraum. Hier gehen sie auch auf die Suche nach schmackhaften Schwämmen. Außerhalb des Kontinentalsockels sind sie nicht anzutreffen. Echte Karettschildkröten leben im Flachwasser und halten sich meist in Tiefen von bis zu 15, selten bis zu 25 Metern auf.

Prädatoren

Prädator: Tigerhai (Galeocerdo cuvier)
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Prädator: Tigerhai (Galeocerdo cuvier)

Echte Karettschildkröten haben vor allem als Schlüpflinge zahlreiche Fleischfresser. Die kritische Phase beginnt unmittelbar nach dem Schlupf und auf dem Weg ins Wasser. Hier lauern je nach Verbreitungsgebiet Fleischfresser wie Möwen (Laridae) und andere räuberisch lebende Vögel (Aves), Ratten (Rattus), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Westatlantische Reitkrabben (Ocypode quadrata) und Haushunde. Aber auch im Wasser haben es zahlreiche Fleischfresser auf Jungtiere, subadulte und adulte Schildkröten abgesehen. Hier sind vor allem große Räuber wie der Tigerhai (Galeocerdo cuvier), Requiemhaie (Carcharhinidae), Sägebarsche (Serranidae) und Leistenkrokodile (Crocodylus porosus) zu nennen. Der ärgste Feind ist und bleibt jedoch der Mensch, der es sowohl auf die Eier als auch auf adulte Schildkröten abgesehen hat. In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete werden die Eier traditionell abgesammelt oder adulte Tiere gejagt.

Ernährung

Zu Hauptnahrung der Echten Karettschildkröten gehören insbesondere Schwämme (Porifera) und Hohltiere (Coelenterata). Die Schwämme, auch giftige Schwämme, werden im Bereich der Riffe und Lagunen in geringer Tiefe abgeweidet. In kleineren Mengen stehen auch Krebstiere (Crustacea), Stachelhäuter (Echinodermata), Nesseltiere (Cnidaria), Weichtiere (Mollusca), Algen, Seetang und kleinere Knochenfische (Osteichthyes) auf der Speisekarte. Echte Karettschildkröten gehören demnach zu den Allesfressern.

Fortpflanzung

Echte Karettschildkröten erreichen die Geschlechtsreife wahrscheinlich mit drei bis vier Jahren, wissenschaftlich ist dies jedoch nicht belegt. Während der Paarungszeit von Juli bis Oktober kommt es zu zwei bis drei Eiablagen. Die Eiablage erfolgt jedoch nicht jährlich, in der Regel kommt es nur alle zwei bis drei Jahre zu einer Verpaarung mit einhergehender Eiablage. Aufgrund der wenigen Jungtiere die überleben, der sehr späten Geschlechtsreife und der Eiablage alle drei bis sechs Jahre hat die Echte Karettschildkröte eine sehr geringe Reproduktionsrate. Die Paarungsaktivitäten erfolgen im Flachwasser von Riffen oder Lagunen. Meist erfolgt die Kopulation in unmittelbarer Nähe zum Ufer. Bei der Kopulation reitet ein Männchen auf und hält sich mit den Klauen an den vorderen Flippern am Carapax des Weibchens fest.
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Der konkav geformte Plastron erleichtert dem Männchen das Aufreiten. Bei der Kopulation schiebt das Männchen den Schwanz des Weibchens beiseite und führt sein Geschlechtsorgan in die Vulva des Weibchens ein. Die Geschlechter trennen sich unmittelbar nach der Kopulation.

Alle Meerschildkröten verlassen ausschließlich zur Eiablage das Wasser. Männchen leben zeitlebens im Wasser. Die Weibchen kommen unmittelbar vor der Eiablage an den Strand ihrer eigenen Geburt und graben oberhalb der Wasserlinie im lockeren Sand eine tiefe Grube. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus 140 Eier. Gelegestärken von mehr als 200 sind jedoch nicht selten zu beobachten. Mit Beendigung der Eiablage verschließen die Weibchen mit den hinteren Extremitäten die Gruben sorgsam. Insgesamt kann der Prozess der Eiablage ein bis drei Stunden dauern. Die Eiablage erfolgt dabei ausschließlich in der Nacht. Die Inkubation erstreckt sich für gewöhnlich über rund 60 Tage. Auch der Schlupf erfolgt ausschließlich in der Nacht. Die Jungtiere krabbeln aus dem Sand heraus und begeben sich unverzüglich ins Meer. Schlüpflinge weisen eine Schlupflänge von 4,2 Zentimeter und ein Gewicht von 16 bis 19 Gramm auf. Auf diesem Weg lauern zahlreiche Fleischfresser. Meist erreicht nur ein kleiner Teil der Schlüpflinge das mehr oder weniger rettende Wasser. In stark besiedelten Regionen haben die Schlüpflinge aber nicht nur ein Problem mit Fleischfressern, sondern auch mit künstlichen Lichtquellen in Strandnähe. Nicht selten verlieren die Schlüpflinge dabei die Orientierung und finden nicht den Weg ins Meer. Schlüpflinge, die nicht schnell genug den Weg ins Meer finden, landen als schnelle Mahlzeit in den Bäuchen der Fleischfresser oder sterben am nächsten Tag an Überhitzung. Die genaue Lebenserwartung ist unbekannt. Sie wird jedoch auf 30 bis 50 Jahre geschätzt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete werden Echte Karettschildkröten vom Menschen verfolgt. Begehrt sind neben dem Fleisch vor allem die Eier. Der Carapax findet im Kunsthandwerk Verwendung. Die Bejagung und das Absammeln der Eier ist verboten. In Ländern der Dritten Welt und in Schwellenländern hält sich jedoch kaum einer an das Jagdverbot. International ist der Handel mit Tieren und Produkten aus den Tieren durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt und bis auf wenige Ausnahmen verboten. In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete sind Echte Karettschildkröten bereits ausgerottet oder nur noch selten zu beobachten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art seit 1996 als kritisch gefährdet geführt und steht somit unmittelbar vor der Ausrottung.

Systematik der Meeresschildkröten

Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)

Gattung: Allopleuron
Gattung: Catapleura
Gattung: Glaucochelone
Gattung: Glyptochelone
Gattung: Peritresius
Gattung: Tomochelone
Unterfamilie Carettinae
Gattung: Caretta
Art: Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta)
Gattung: Bastardschildkröten (Lepidochelys)
Art: Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea)
Art: Atlantik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempi)
Unterfamilie Cheloniinae
Gattung: Chelonia
Art: Suppenschildkröte (Chelonia mydas)
Gattung: Eretmochelys
Art: Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)
Gattung: Natator
Art: Wallriffschildkröte (Natador depressus)

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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