Eckschwanzsperber

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Eckschwanzsperber

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Habichte und Milane (Accipitrinae)
Gattung: Habichte und Sperber (Accipiter)
Species: Eckschwanzsperber
Wissenschaftlicher Name
Accipiter striatus
Vieillot, 1807

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Eckschwanzsperber (Accipiter striatus) zählt innerhalb der Familie der Habichtartige (Accipitridae) zur Gattung der Habichte und Sperber (Accipiter). Er ist nah mit dem europäischen Sperber (Accipiter nisus) verwandt.

Der Eckschwanzsperber ähnelt dem Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), dieser ist jedoch deutlich größer und schwerer.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Eckschwanzsperber erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Körperlänge von 24 bis 34 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 44 bis 55 Zentimeter sowie ein Gewicht von 90 bis 200 Gramm. Männchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Weibchen. In der Gefiederfärbung weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Namensgebend war der quadratisch wirkende lange Schwanz. Der Oberkopf, der Rücken und die Flügel weisen eine überwiegend graubraune bis rotbraune Färbung auf, die stellenweise in ein Blaugrau übergehen kann. Die Kopfseiten, die Brust sowie die Bauchseite zeigen eine cremefarbene bis hellbraune Grundfärbung auf, eine weißliche Querbänderung durchzieht an diesen Stellen das gesamte Gefieder. Der Schwanz ist dunkelbraun und zeigt breite hellgraue Bänder, die fast über die Grundfärbung dominieren. Die relativ kurzen Flügel weisen eine leicht gerundete Form auf. Der für Greifvögel typisch stark gebogene Schnabel ist an der Basis gräulich gefärbt, die Spitze ist dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Die Extremitäten sind im Bereich der Oberschenkel befiedert, Beine und Zehen weisen eine gelbliche Färbung auf, die kräftigen Krallen sind schwarz. Die Unterseite der Flügel weist eine braun-weiße Bänderung auf.

Lebensweise

Eckschwanzsperber gehören zu den tagaktiven Greifvögeln (Falconiformes). Sie sind ausgesprochen sesshafte Vögel, die für gewöhnlich ihrem Brutrevier ein Leben lang treu bleiben. Der Eckschwanzsperber beansprucht ein festes Revier und verteidigt dieses auch gegenüber Eindringlingen. Die an den Tag gelegte Aggressivität ist vor allem während der Paarungszeit festzustellen. Eckschwanzsperber leben entweder paarweise oder einzelgängerisch. Juvenile Vögel können auch in kleinen Gruppen angetroffen werden. Die Reviere weisen eine Größe von ein bis drei Quadratkilometer auf. Das Revier eines Männchens ist in der Regel deutlich größer als bei einem Weibchen.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Accipiter striatus striatus Vieillot, 1807 LC Karibik, Dominikanische Republik, Große Antillen, Haiti
Accipiter striatus venator Wetmore, 1914 LC Karibik, Puerto Rico, Große Antillen
Accipiter striatus perobscurus Snyder, 1938 LC Kanada: Alberta, British Columbia, Manitoba, Neufundland,
Labrador, Nova Scotia, Northwest Territories, Nunavut,
Ontario, Prince Edward Island, Québec, Saskatchewan, Yukon;
Oregon, USA
Accipiter striatus velox Wilson, 1812 LC Weite Teile der USA und Kanada
Accipiter striatus suttoni Van Rossem, 1939 LC Mexiko, Mittelamerika
Accipiter striatus madrensis Storer, 1952 LC Mexiko, Mittelamerika
Accipiter striatus fringilloides Vigors, 1827 LC Karibik, Kuba, Große Antillen

Verbreitung

Eckschwanzsperber sind in weiten Teilen Nord- und Mittelamerikas sowie in der Karibik verbreitet. Stellenweise sind sie selbst in Südamerika anzutreffen. In den gemäßigten und subtropischen Regionen gelten sie als Standvögel, in nördlichen Regionen ziehen die Populationen im Herbst in südliche Gefilde. Eckschwanzsperber verbringen in diesen Fällen den Winter in Mexiko oder in Mittelamerika. Man trifft die Vögel sowohl in der Ebene als auch in Mittel- und Hochgebirgen an. Die Vögel sind zumeist in montanen Nadel- oder Mischwäldern anzutreffen. Offene Flächen werden in der Regel gemieden. Auf die Jagd gehen Eckschwanzsperber jedoch auch auf landwirtschaftlichen Flächen.

Prädatoren

Der Eckschwanzsperber steht auf der Speisekarte einiger größerer Greifvögel (Falconiformes). Dazu gehören insbesondere der Habicht (Accipiter gentilis), der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Wanderfalke (Falco peregrinus). Größere Säugetiere wie Waschbären (Procyon) machen sich gerne über das Gelege her. Aufgrund der zurückgezogenen Lebensweise fallen jedoch nur wenige Eckschwanzsperber oder deren Eier und Jungvögel Raubvögeln oder Raubsäugern zum Opfer.

Ernährung

Der Eckschwanzsperber ernährt sich als reiner Fleischfresser räuberisch von kleineren Vögeln und gelegentlich auch kleinen Säugetieren. Vögel machen dabei den Hauptteil aus. Hin und wieder werden auch größere Insekten gefressen. Vögel werden in der Regel nach einer kurzen Verfolgung im Fluge erbeutet, oder gleich aus dem Nest gegriffen. Die Jagd erfolgt dabei von einer Ansitzwarte aus. Ein Vogel oder ein kleines Säugetier wird mit den kräftigen Krallen getötet. Bevor ein Vogel gefressen werden kann, entfernt der Eckschwanzsperber die Federn, um an das Fleisch zu kommen. Ähnlich verhält es sich bei Säugetieren. Trinkwasser nehmen Eckschwanzsperber nur selten zu sich, da sie ihren Wasserbedarf überwiegend über die Nahrung decken. Zur bevorzugten Nahrung zählen hauptsächlich Singvögel (Passeri), Taubenvögel (Columbiformes), Spechtvögel (Piciformes) und Regenpfeiferartige (Charadriiformes).

Fortpflanzung

Eckschwanzsperber erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt in den gemäßigten und subtropischen Regionen im März, in den nördlichen Regionen erst ab April oder Mai. Die Brutzeit kann sich bis in den Juni erstrecken. Dabei kommt es in einer Saison nur zu einem Gelege. Bei Gelegeverlust ist jedoch ein Nachgelege möglich.
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Die Balz ist insbesondere durch Balzflüge des Männchens gekennzeichnet. Vor allem die Männchen legen während der Brutzeit ein territoriales Verhalten an den Tag, eine aktive Revierverteidigung ist die Regel. Eckschwanzsperber leben in einer monogamen Einehe, die oft ein Leben lang hält.

Die Nester (einfache Plattformen) entstehen in der Regel in dichten Wäldern hoch oben in Nadelbäumen. Als Baumaterial dienen Reisig, Äste und ähnlich stabiles Material. Ausgepolstert wird das Nest zumeist nur spärlich. Dazu dient beispielsweise Moderholz oder Holzspäne. Am Nestbau sind beide Geschlechter beteiligt, jedoch obliegt dem Weibchen die Hauptaufgabe. Das Nest wird in der Regel über mehrere Jahre genutzt und jährlich ausgebessert oder erweitert. In das fertige Nest legt das Weibchen durchschnittlich vier bis fünf, selten auch bis zu sieben Eier. Die Eiablage erfolgt im eintägigen Abstand. Die Eier sind weißlich bis hellblau gefärbt, mit bräunlichen Punkten versehen und weisen eine Größe von 3,7 mal 3,1 Zentimeter auf. Das Gewicht der Eier beträgt 9 bis 10 Gramm.

Die Eier werden von beiden Geschlechtern über einen Zeitraum von 25 bis 35 Tagen bebrütet. Die Dauer richtet sich im wesentlichen nach der Gelegegröße und den klimatischen Bedingungen. Dem Weibchen obliegt beim Wärmen der Eier die Hauptaufgabe, das Männchen beteiligt sich meist nur während der Brutpausen des Weibchens. Die Küken schlüpfen mit bereits geöffneten Augen. Sie werden von beiden Elternteilen mit Nahrung versorgt. Bereits im Alter von gut vier bis fünf Wochen sind die Jungvögel flügge. Jedoch bleiben die Jungvögel noch weitere drei bis vier Wochen bei den Eltern und werden auch weiterhin mit Nahrung versorgt. Die durchschnittliche Lebenserwartung dürfte beim Eckschwanzsperber bei 10 bis 12 Jahren liegen.

Ökologie

Als Teil der oberen Nahrungskette reguliert der Eckschwanzsperber die Populationen von Vögeln und in kleinem Unfang auch von größeren Insekten. Vögel wie etwa Stare (Sturnus vulgaris) und andere Singvögel stehen weit oben auf der Speisekarte. Zudem ist er die Nahrungsgrundlage für größere Raubvögel. In der Nähe des Menschen ist der Eckschwanzsperber nicht gerne gesehen, da er sich mit Vorliebe auch über das Geflügel der Farmer hermacht.

Gefährdung und Schutz

In der Vergangenheit stand der Eckschwanzsperber aufgrund der Ausbringung von Pestiziden wie DDT stark unter Druck. Nach dem Verbot dieses Giftes erholte sich die Art langsam wieder. Heute gilt der Eckschwanzsperber nicht mehr als gefährdet und ist in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete häufig anzutreffen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) führt die Art in Anhang II. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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