Edenwal

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Edenwal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
Gattung: Balaenoptera
Art: Edenwal
Wissenschaftlicher Name
Balaenoptera edeni
Anderson, 1879

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Edenwal (Balaenoptera edeni) gehört innerhalb der Familie der Furchenwale (Balaenopteridae) zur Gattung Balaenoptera. Im Englischen wird dieser Wal Eden’s Whale oder Pygmy Bryde’s Whale genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Ursprünglich wurde der Edenwal als Unterart des Brydewal (Balaenoptera brydei) angesehen. Aufgrund genetischer Unterschiede wurde dem Edenwal im Jahre 1993 der Artstatus zugesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Edenwal erreicht eine Körperlänge von bis zu 11 Meter sowie ein Gewicht von bis zu 20 Tonnen. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Edenwale ähneln den Brydewalen (Balaenoptera brydei), die mit einer Körperlänge von bis zu 15 Metern und einem Gewicht von bis zu 26 Tonnen deutlich größer und schwerer werden. Die glatte Haut weist dorsal und lateral eine dunkelgraue Färbung auf. Ventral ist die Haut cremefarben bis leicht gelblichweiß gefärbt. Der Kopf ist sehr flach gehalten und es sind zwei Blaslöcher vorhanden. Der Oberkiefer trägt bis zu 250 bis 370 Barten, die eine Länge von rund 50 Zentimeter erreichen. Eine sehr kleine dreieckige Finne liegt weit hinten am Rücken. Auch die spitz zulaufenden Brustflossen sind eher klein und sitzen unmittelbar hinter dem Kopf. Die waagerechte Schwanzflosse ist nur wenig gegabelt. Im Bereich der Kehle und des Brustbereiches zeigen sich 47 bis 70 Kehlfalten. Durch diese Falten kann das Maul extrem weit aufgesperrt und eine große Menge an Wasser aufgenommen werden, dass dann gefiltert wird.

Lebensweise

Edenwale leben in Kleinstgruppen (Schulen), nicht selten auch paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Allenfalls während der Nahrungssuche kann es zu größeren Ansammlungen kommen. Edenwale sind ausgesprochen sesshaft. Es kommt allenfalls zu kleineren nahrungsbedingten Wanderungen. Sie gelten als gute Schwimmer. Dabei erreichen sie jedoch nur eine durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit von 10 bis 15, kurzfristig auch bis 30 km/h.

Verbreitung

Edenwale sind vor allem im östlichen Indischen Ozean und im westlichen Pazifik anzutreffen. Sie bewohnen hier subtropische und warm-gemäßigte Küstengewässer. Die durchschnittliche Wassertemperatur liegt bei etwa 20 Grad Celsius.

Ernährung

Edenwale ernähren sich ausschließlich von kleinem Meeresgetier. Dazu gehören kleine Fische (Actinopterygii) wie Heringe (Clupeidae), Sardinen (Sardina pilchardus), Makrelen (Scomber scombrus) und Sardellen (Engraulidae). Darüber hinaus werden aber auch kleine Krebstiere (Crustacea) und Weichtiere (Mollusca) wie beispielsweise Kopffüßer (Cephalopoda) nicht verschmäht. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt in geringer Tiefe, meist in der Nähe der Wasseroberfläche. Die Nahrung wird aus dem aufgenommenen Wasser heraus gefiltert. Mit der kräftigen Zunge wird die Nahrung von den Barten abgestreift und in den Schlund befördert.

Fortpflanzung

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Der Edenwal erreicht die Geschlechtsreife mit acht bis zehn Jahren. Ein fortpflanzungsfähiges Weibchen bringt alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs zur Welt. Die Fortpflanzungshabitate befinden sich grundsätzlich in den tropischen und subtropischen Gewässern, die rund um die Erde verteilt liegen. Aufgrund der tropischen und subtropischen Fortpflanzungsgründe ist davon auszugehen, dass sich Edenwale ganzjährig fortpflanzen können. Nach einer Tragezeit von etwa 12 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Das Kalb eines Edenwals weist bei einem Gewicht von rund 1.000 Kilogramm eine stattliche Länge von etwa 400 Zentimeter auf. Die Säugezeit erstreckt sich durchschnittlich über etwa sechs bis acht Monate. Auch wenn Kälber schon weit entwickelt zur Welt kommen, so sind sie jedoch vollständig auf den Schutz der Mutter angewiesen. Zwischen der Mutter und ihrem Kalb herrscht daher eine sehr enge und innige Beziehung, die sich über zwei bis drei Jahre erstreckt. Die Väter spielen im übrigen aufgrund der polygamen Lebensweise bei der Aufzucht des Nachwuchses keine Rolle. Nach spätestens drei Jahren löst sich ein Jungtier von der Mutter. Edenwale können unter günstigen Umständen ein hohes Alter von gut 70 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt den Edenwal in Anhang I des Abkommens. Da der genaue Gefährdungsgrad nicht feststeht, wird die Art in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie "Data Deficient" (DD) geführt. Seit 1986 steht der Edenwal unter Schutz und darf nicht mehr gejagt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die Bestände in den letzten 20 Jahren durch das Jagdverbot leicht erholt haben. Zu den größten Bedrohungen gehören heute die Nahrungsknappheit durch Überfischung und die Verschmutzung der Weltmeere.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Wale (Cetacea)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Mark Carwardine: Wale und Delfine in europäischen Gewässern. Delius Klasing Verlag, 2003 ISBN 3768814564
  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329
  • Mark Simmonds: Wale und Delfine der Welt. Delius Klasing Verlag, 2006 ISBN 3768817660

Links

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