Edwards-Sifaka

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Edwards-Sifaka
Zeichnung von Alfred Grandidier (1875-1921)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Indriartige (Indriidae)
Gattung: Sifakas (Propithecus)
Art: Edwards-Sifaka
Wissenschaftlicher Name
Propithecus edwardsi
Grandidier, 1871

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Edwards-Sifaka (Propithecus edwardsi) zählt innerhalb der Familie der Indriartigen (Indriidae) zur Gattung der Sifakas (Propithecus). Im Englischen wird die Art Milne-edward's Sifaka oder Milne-edwards’s Simpona genannt.

Der Artstatus ergeht nach Groves (2001) und Mayor et al. (2004). Ürsprünglich sah man den Edwards-Sifaka als Unterart des Diademsifaka (Propithecus diadema). Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Edwards-Sifaka erreicht eine Körperlänge von 420 bis 520 mm, eine Schwanzlänge von 410 bvis 480 mm sowie ein Gewicht von 5.000 bis 6.500 g. Das dichte Fell ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Auf dem Rücken und an den Hinterbeinen zeigen sich helle (Weißliche bis silbrige) Flecken, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Das Gesicht ist unbehaart und nackt. Die Augen sind orangerot gefärbt, die Schnauze ist kurz. Die Augen sind nach vorne gerichtet. Die kleinen rundlichen Ohren sind nackt und liegen überwiegend im Fell verborgen. Bei den Männchen zeigt sich im Brustbereich ein bräunlicher Fleck. Hier befinden sich die Drüsen, deren Sekret der Reviermarkierung dient. Die Beine sind ausgesprochen lang und charakteristisch für die Fortbewegungsweise. Sie gelten als ausgezeichnete Springer in den Bäumen. Im Ruhezustand sind die Knie an die Brust herangezogen. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 2/2, 1/1, 2/2, 3/3 (Nowak, 1999; Groves, 2001).

Verhalten

Die tagaktiven Edwards-Sifakas leben in kleinen Familiengruppen, die aus 3 bis 9 (4-5) Individuen bestehen können. Die Tiere leben hoch oben in den Bäumen, den Boden betreten sie eher selten. Edwards-Sifakas sind gute Kletterer und Springer. Auf 2 Beinen gehend gelten die Tiere als Zehengänger. Edwards-Sifakas bewohnen ein Revier in einer Größe von 100 bis 250 ha. Die Siedlungsdichte liegt bei bis zu 8 Individuen pro km². Das Repertoire an Lauten ist bei Edwards-Sifakas im Allgemeinen eher gering. Die meisten Laute weisen eine niedrige Frequenz auf und erinnern an einem Brummen. Verschiedene Ausrufe sind innerhalb der sozialen Kommunikation, während der Nahrungssuche und bei der Bedrohung durch natürliche Feinde zu hören. Letztere sind gleichzeitig die lautesten Ausrufe. Ein ebenfalls wichtiger Sinn ist der olfaktorische Sinn. Duftdrüsen zur Reviermarkierung sind insbesondere im Bereich der Brust und in der Analogenitalregion vorhanden. Weibchen weisen jedoch keine Drüsen im Brustbereich auf. Weibchen markieren daher nur durch Reiben des Genitalbereiches am Substrat. Neben den Drüsensekreten dient den Tiere auch Urin der Reviermarkierung.

Verbreitung und Lebensraum

Edwards-Sifakas sind auf Madagaskar endemisch. Das Verbreitungsgebiet liegt im Südosten der Insel zwischen den Flüssen Mangoro und Onvine. Die meisten Tiere leben dabei im Andringitra Nationalpark. Ursprünglich lag die Verbreitungsgrenze deutlich weiter südlich (Tattersall, 1982; IUCN, 2011). Die Art lebt in Höhenlagen von 600 bis 1.600 m über NN. Besiedelt werden primäre und sekundäre Wälder (IUCN, 2011).

Biozönose

In den südlichen Regionen reicht das Verbreitungsgebiet der Edwards-Sifakas an die Grenzen der Verbreitung der Diademsifaka (Propithecus diadema) heran. Lokal überlappen sich die Verbreitungsgebiete (Andriaholinirina & Rabarivola, 2004; Groves, 2001). Den Lebensraum teilen sich die Tiere auch mit einigen Arten der Halbmakis (Hapalemur).

Zu den natürlichen Feinden zählt insbesondere die Fossa (Cryptoprocta ferox) sowie größere Greifvögel (Falconiformes). Greifvögel stellen hauptsächlich den Jungtieren und subadulten Tieren nach. Bei Gefahr flüchten die Tiere, insbesondere durch weite und schnelle Sprünge in und zwischen den Bäumen (Tattersall, 1982).

Ernährung

Edwards-Sifakas ernähren sich hauptsächlich frugivor. Zu einem kleinen Teil werden auch junge Blätter, Körner, Blüten und Sämereien gefressen. Saisonal kann sich die aufgenommene Nahrung variieren. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere am Tage meist in den Bäumen. Passende Nahrung wird wahrscheinlich über den olfaktorischen Sinn lokalisiert (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Edwards-Sifakas leben für gewöhnlich in einer monogamen Ehe, die jedoch nicht ein Leben lang hält. Eine Familiengruppe besteht aus einem Pärchen sowie deren Nachwuchs. Weibchen bringen meist alle 2 Jahre Nachwuchs zur Welt, die Paarungszeit beginnt Ende Mai. Zur Balz gehört das Beriechen und Belecken der weiblichen Genitalien durch ein Männchen. Nach einer Tragezeit von 120 bis 150 Tagen bringt 1 bis 2 Jungtiere zur Welt. zu den Geburten kommt es in der Regel zwischen Juni und Juli. Der Nachwuchs wird von der Mutter in den ersten Wochen am Bauch getragen, später, ab der 3. oder 4. Woche auch auf dem Rücken. Um die Betreuung des Nachwuchses kümmert sich im Wesentlichen das Weibchen. Der Nachwuchs wird für etwa 2 Monate gesäugt und ist im Alter von 8 Monaten selbständig. Die Lebenserwartung ist unbekannt (Tattersall, 1982).

Ökologie, Gefährdung, Schutz

Edwards-Sifakas gehören heute zu den stark gefährdeten Primatenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie EN, endangered geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Tiere in Anhang I unter weltweitem Schutz. In den letzten 30 Jahren ist die Gesamtpopulation um mehr als 50% gesunken. Der Hauptgrund für die starken Rückgänge in den Populationen liegt insbesondere in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Schneller als irgendwo anders in der Welt, verschwindet auf Madagaskar der Regenwald in einem rasanten Tempo. Grund ist mit Sicherheit die explosive Wachstumsrate der Bevölkerung. Eine weitere Bedrohung stellt die Bejagung durch den Menschen dar. Die sehr arme Bevölkerung nutzt das Fleisch der Edwards-Sifakas zu ihrer Ernährung (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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