Ehrenberg-Blindmaus

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Ehrenberg-Blindmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Blindmäuse (Spalacinae)
Gattung: Nannospalax
Art: Ehrenberg-Blindmaus
Wissenschaftlicher Name
Nannospalax ehrenbergi
Nehring, 1898

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Ehrenberg-Blindmaus (Nannospalax ehrenbergi) zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung Nannospalax. Im Englischen wird die Ehrenberg-Blindmaus Middle east blind mole rat oder Palestine mole rat genannt. Die Art wird auch unter dem Synonym Spalax ehrenbergi geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ehrenberg-Blindmaus
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Ehrenberg-Blindmaus

Die Weibchen der Ehrenberg-Blindmaus erreichen eine Körperlänge von 15,7 bis 19,4 (17,4) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,1 bis 2,6 (2,4) Zentimeter sowie ein Gewicht von 84 bis 176 (134) Gramm. Männchen erreichen eine Körperlänge von 15,8 bis 20,5 (18,4) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,4 bis 2,9 (2,6) Zentimeter sowie ein Gewicht von 110 bis 180 (159) Gramm. Weibchen bleiben demnach ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Markantes Merkmal ist der walzenförmige Körper, wobei sich der Kopf nur wenig vom Körper absetzt. Das dichte Fell weist eine einheitlich gräuliche bis graubraune Färbung auf. Von allen Nagetieren zeigen Blindmäuse die stärkste Anpassung an den Lebensraum unter der Erde. Ihre Augen sind unter der Haut verborgen und es sind keine äußeren Ohren oder ein Schwanz vorhanden. Die Schneidezähne ragen bei geschlossenem Maul heraus und dienen der Grabtätigkeit. Eine Besonderheit sind die waagerechten Reihen steifer und berührungsempfindlicher Haare, die beidseitig am Kopf liegen und der Orientierung dienen.

Lebensweise

Ehrenberg-Blindmäuse sind bestens an ein unterirdisches Leben in völliger Dunkelheit angepasst. Sie leben einzelgängerisch und führen eine ausgesprochen verschwiegene und zurückgezogene Lebensweise. Daher sind sie nur sehr selten zu beobachten. Unentwegt sind sie in ihrem kleinen Reich auf Nahrungssuche und bauen ihr Gangsystem aus. Ein durchschnittliches Gangsystem kann eine Länge von 350 Meter oder mehr aufweisen. Die Gangsysteme werden sowohl zum Wohnen, für die Nahrungssuche, zur Paarung und zur Aufzucht der Jungen genutzt. Zum Koten gibt es ebenfalls bestimmte Plätze im Gangsystem. Die einzelnen Kammern liegen nicht auf einer Ebene, sondern durchaus in verschiedenen Tiefen. Insgesamt besteht ein Bau aus einer Nistkammer, Vorratskammer, Latrinen und verschiedenen Gängen, die zum einen die einzelnen Kammern verbinden und zum anderen die Verbindung zu den Fresstunneln darstellen. Die Wohnkessel sind rundliche Gebilde, die mit weichem Material ausgepolstert werden. Die aktivste Zeit erstreckt sich über die Nacht. Am Tage ruhen Ehrenberg-Blindmäuse in einem der zahlreichen Wohnkessel.

Verbreitung

Die Ehrenberg-Blindmaus ist in Libyen, Jordanien, Syrien, Libanon, Israel, Ägypten, Irak und im Südosten von Anatolien in der Türkei weit verbreitet. Zum natürlichen Lebensraum gehören vor allem Buschland und ähnliche Vegetationszonen. Besonders beliebt sind landwirtschaftliche Flächen, was sie bei den Bauern zu Schädlingen macht. An der Erdoberfläche kommen Ehrenberg-Blindmäuse jedoch nie - sie halten sich zeitlebens unter der Erde auf. Auch wenn Ehrenberg-Blindmäuse in trockenen Habitaten leben, so werden wüstenartige Lebensräume gemieden.

Ernährung

Ehrenberg-Blindmäuse ernähren sich als reine Pflanzenfresser. Zur bevorzugten Nahrung gehören vor allem fleischige Wurzeln und Knollen, mitunter auch von ganzen Pflanzen, die dann unter die Erde gezogen werden. Auf landwirtschaftlichen Flächen stehen auch Feldfrüchte und Getreide aller Art auf der Speisekarte. Hier richten sie mitunter großen Schaden an. Ehrenberg-Blindmäuse legen in ihren Gangsystemen verschiedene Vorratskammern an, in denen sie Nahrung in Form von Wurzeln und Knollen lagern. Nachgewiesen ist dabei eine Vorratsmenge von bis zu 14 Kilogramm.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Ehrenberg-Blindmäuse ist aufgrund der unterirdischen Lebensweise nur wenig bekannt. Die Paarungszeit erstreckt sich vom auslaufenden Winter bis in das Frühjahr hinein. Nur zu dieser Zeit treffen die Geschlechter aufeinander. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 34 Tagen bringt ein Weibchen in der Nistkammer ihres Baues 3 bis 4 Jungtiere zur Welt. Die Säugezeit, die Zeit der Selbständigkeit und die Lebenserwartung in Freiheit sind nicht bekannt.

Gefährdung und Schutz

Ehrenberg-Blindmäuse gelten heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die größte Bedrohung geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Vor allem die Umwandlung in intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen sowie die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln macht den Tieren zu schaffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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