Eisgraues Murmeltier

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Eisgraues Murmeltier

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Marmotina
Gattung: Murmeltiere (Marmota)
Art: Eisgraues Murmeltier
Wissenschaftlicher Name
Marmota caligata
Eschscholtz, 1829

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Eisgraue Murmeltier (Marmota caligata) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Murmeltiere (Marmota).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Eisgraue Murmeltier erreicht eine Körperlänge von 45 bis 55 cm, eine Schwanzlänge von bis zu 25 cm sowie ein Gewicht von 4 bis 9 kg. Die Weibchen bleiben kleiner und leichter als die Männchen. Das Fell ist überwiegend gräulich bis graubraun gefärbt. Dorsal zeigt sich im vorderen Bereich des Rückens eine silbergraue bis hellbraune Färbung. Diese Eigenschaft war für die Art namensgebend. Das Fell wirkt ausgesprochen borstig. Die Bauchseite ist deutlich heller gefärbt. Der mittellange Schwanz und der Kopfbereich sind überwiegend braun bis zimtbraun gefärbt. Die Fellfärbung kann je nach Unterart leicht variieren. Vom Körperbau her wirken Eisgraue Murmeltiere insgesamt sehr kräftig. Mit ihren großen Grabpfoten können sie selbst in hartem oder gefrorenem Boden graben. Die Vorderpfoten sind dabei deutlich kräftiger ausgebildet. Die kleinen Ohren weisen eine gerundete Form auf und sitzen weit hinten am Kopf.

Verhalten

Die tagaktiven Eisgrauen Murmeltiere leben in sozialen aber lose zusammengesetzten Gruppen, die aus 10 bis 20 Tieren bestehen können. Eine solche Gruppe besteht meist aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Nicht selten ist nur ein Männchen in einer Gruppe vorhanden. Besteht eine Gruppe aus mehreren Männchen, so herrscht unter ihnen eine strikte Rangfolge. Die Rangfolge wird durch ritualisierte Kommentkämpfe festgestellt. Sie beanspruchen Reviergrößen von etwa zwei bis drei Hektar. Ihr Revier markieren sie mit einem Sekret aus ihren Backendrüsen, das an Steine und Sträucher gerieben wird. In der Regel befinden sich in kurzer Entfernung benachbarte Haremsgruppen, mit denen sie eine Kolonie bilden.

Verlassen die Eisgrauen Murmeltiere ihre Behausung, so passen immer einige Tiere auf. Bei Gefahr stoßen sie einen schrillen Pfiff aus, so dass die Familie schnell gewarnt ist und den schützenden Bau aufsuchen kann. Während der kalten Jahreszeit von Oktober bis März halten die Eisgrauen Murmeltiere Winterruhe. Je nach Unterart und Vorkommen ist die Länge der Winterruhe allerdings unterschiedlich lang. Während der Winterruhe reduziert sich die Atmung auf zwei bis drei Atemzüge pro Minute, um Energie zu sparen. Eisgraue Murmeltiere sind eher selten an der Erdoberfläche zu sehen. Die meiste Zeit verbringen sie unter der Erdoberfläche. Hier graben sie lange Gänge und legen Wohnkessel und Vorratskammern an. Gänge in einer Länge von mehreren Dutzend Metern sind keine Seltenheit. Die Tiefe der Gänge und Kammern liegt zwischen einem und fünf, selten auch mehr Metern.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Marmota caligata caligata Eschscholtz, 1829 LR Alaska, Yukon
Marmota caligata cascadensis A. H. Howell, 1914 DD Washington, südliches British Columbia
Marmota caligata nivaria A. H. Howell, 1914 DD Idaho, nordwestliches Montana, Alberta
Marmota caligata okanagana König, 1836 DD British Columbia
Marmota caligata oxytona Hollister, 1914 DD British Columbia, Yukon
Marmota caligata raceyi Anderson, 1932 DD British Columbia
Marmota caligata sheldoni A. H. Howell, 1914 DD Alaska (Montague)
Marmota caligata vigilis Heller, 1909 DD Alaska

Verbreitung

Das Eisgraue Murmeltier ist in den nordwestlichen Bundesstaaten der USA und im westlichen Kanada weit verbreitet. Die Tiere sind insbesondere in den US-Bundesstaaten Alaska, Idaho, Montana, Washington sowie in den kanadischen Provinzen Yukon-Territorium, Nordwest-Territorien, Britisch-Kolumbien und Alberta anzutreffen. Eisgraue Murmeltiere bevorzugen Hochlagen nahe der Baumgrenze. Grasige Hanglagen und Hochplateaus werden dabei eindeutig bevorzugt. In den Küstengebieten von Alaska sind Eisgraue Murmeltiere aber auch auf Meereshöhe anzutreffen.

Prädatoren

Zu den zahlreichen natürlichen Fressfeinden der Eisgrauen Murmeltiere gehören insbesondere der Kanadische Luchs (Lynx canadensis), der Vielfraß (Gulo gulo), der Puma (Puma concolor), der Kojote (Canis latrans) sowie größere Greifvögel und Eulen.

Ernährung

Eisgraue Murmeltiere ernähren sich von Wurzeln, Blättern, Knospen und Blüten, Sämereien sowie von Kräutern und Gräsern. Im Sommer und Herbst fressen sie sich eine dicke Speckschicht an, um den langen Winterschlaf zu überstehen, bei dem sie rund ein Drittel ihres Gewichtes verlieren. Fettreiche Sämereien stehen dabei besonders hoch im Kurs. Trinkwasser nehmen die Tiere meist in Form von Tau oder Schnee zu sich. Es wird unter den Eisgrauen Murmeltieren auch über Kannibalismus berichtet. Dieses wurde allerdings nicht einwandfrei nachgewiesen.

Fortpflanzung

Eisgraues Murmeltier
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Eisgraues Murmeltier

Eisgraue Murmeltiere erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt nach der Winterruhe etwa im April, spätestens jedoch im Mai. Während der Paarungszeit begattet das Männchen alle Weibchen in seinem Harem. Nach einer kurzen Tragezeit von 30 bis 35 Tagen bringt das Weibchen in ihrem Wohnkessel durchschnittlich zwischen zwei und fünf, selten auch mehr Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere wiegen etwa 30 bis 40 g und sind sowohl blind, nackt, taub als auch zahnlos. Ab dem fünften Tag beginnt das Fell zu wachsen. Zwischen dem 20. und 22. Lebenstag öffnen sie ihre Augen. Die Säugezeit beträgt rund 40 Tage. Die Jungtiere verbleiben bis zu zwei Jahren bei der Mutter. Die Lebenserwartung liegt bei rund 10 bis 15 Jahren. Dieses Alter wird aufgrund der vielen natürlichen Feinde selten erreicht. Die Sterblichkeit vor allem im ersten Lebensjahr ist sehr hoch.

Gefährdung und Schutz

Eisgraue Murmeltiere sind zwar noch nicht gefährdet, aber die fortschreitende Urbanisierung macht auch vor den unwegsamen Gebirgsregionen im Nordwesten der USA und Kanada nicht halt. Vor allem Farmer mit ihren Rindern dringen immer weiter in die natürlichen Lebensräume der Eisgrauen Murmeltiere vor. Den Farmern sind die Tiere ein Dorn im Auge, da sich Rinder und Schafe in den Erdlöchern nicht selten die Beine brechen. Daher gehen immer mehr Farmer dazu über, Giftköder auszulegen, an denen die Eisgrauen Murmeltiere jämmerlich eingehen. In der Roten Liste der IUCN wird der Columbia-Ziesel als nicht gefährdet geführt (LC, Least Concern).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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