Elefantenohrchamäleon

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Elefantenohrchamäleon

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Echsen (Sauria)
Infraordnung: Leguanartige(Ibguania)
Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)
Unterfamilie: Echte Chamäleons (Chamaeleoninae)
Gattung: Chamaeleo
Art: Elefantenohrchamäleon
Wissenschaftlicher Name
Chamaeleo melleri
Gray, 1864

Das Elefantenohrchamäleon (Chamaeleo melleri) zählt innerhalb der Familie der Chamäleons (Chamaeleonidae) zur Gattung Chamaeleo.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Elefantenohrchamäleon erreicht eine Gesamtlänge von 48 bis 61 Zentimeter sowie ein Gewicht von 250 bis 400 Gramm. Knapp die Hälfte der Gesamtlänge entfällt dabei auf den Schwanz. Es ist auf dem afrikanischen Kontinent die größte vorkommende Art. Die Geschlechter weisen keinen merklichen Dimorphismus auf. Der mit feinen Schuppen überzogene Körper weist eine grünliche Grundfärbung auf, die jedoch je nach Lebensraum und Erregungszustand stark variiert. Die Färbung kann von grünlich, über gelblich und bräunlich bis hin zu fast schwarz variieren. Gelblichgrüne breite Querbänder verlaufen quer über den gesamten Körper und über den Schwanz. Hier und da tauchen dorsal auch ähnlich gefärbte kleine Punkte auf.

Unterhalb der Epidermis besteht die schuppige Haut aus mehreren Schichten. Die eigentliche Epidermis besteht aus verhornten Schuppen. Diese Beschuppung wird von Zeit zu Zeit abgestoßen. Dies ist bei allen Reptilien üblich. Unmittelbar unter der Epidermis liegen in mehreren Schichten Hauttypen, die aus verschiedenen Chromatophoren bestehen. Die drei Chromatophoren werden Guanophoren, Melanophoren und Xanthophoren genannt. Hier ist in einer Plasmamembran Cytoplasma gespeichert. Durch individuelle Stoffwechselvorgänge wird die Farbgebung der einzelnen Farbstoffe innerhalb des Cytoplasma gesteuert. Jede Schicht ist dabei für eine andere Farbgebung verantwortlich. In der obersten Schicht werden gelbe und rote Farbtöne dargestellt, in der mittleren Schicht schwarz. Die unterste Schicht erzeugt insbesondere eine bläuliche Färbung. In dieser Schicht wird auch das Licht reflektiert. Die Gründe für einen Farbwechsel sind vielschichtig. Neben der Thermoregulation dient der Farbwechsel auch dem Gefühlsausdruck und schlussendlich auch der lebensnotwendigen Tarnung.

Namensgebendes Merkmal sind die Hautlappen am Hinterkopf. Der Rücken und teilweise auch der Schwanz sind durch einen schwach ausgeprägten gezackten Kamm gekennzeichnet. Im Bereich des Rostrum zeigt sich ein kleines Horn. Im Laufe der Evolution haben sich die Beine und insbesondere die Füße an das Leben in Bäumen und Sträuchern angepasst. Die Zehen haben sich zu Greifhänden umgebildet, mit denen sich Elefantenohrchamäleons an Ästen sehr gut festhalten können. Die Zehen stehen sich seitlich gegenüber. An den Vorderbeinen zeigen zwei Zehen nach außen und drei nach innen, an den Hinterbeinen ist es genau umgekehrt.

Lebensweise

In ihrem Lebensraum bewegen sich Elefantenohrchamäleons sehr langsam und bedächtig. Zumeist verharren sie in einer Art Starre. Aus dieser Haltung heraus erfolgt auch die Jagd. Die Chamäleons verlassen sich hierbei auf ihre ausgezeichnete Tarnung. Den Boden betreten sie selten. Und wenn, dann nur um einen Baum oder einen Strauch zu wechseln. Die Weibchen betreten den Boden zusätzlich auch zur Eiablage. Das Elefantenohrchamäleon ist ein tagaktives Reptil. In der Nacht ruhen sie an geschützter Stelle im Geäst von Bäumen oder Sträuchern. Sie leben einzelgängerisch und finden nur zur Paarungszeit zueinander. Chamäleons gehören wie alle Reptilien zu den poikilothermen, also den wechselwarmen Tieren. Sie weisen keine fixe Körpertemperatur auf, während der Nacht kühlen sie aus. Daher müssen sie sich in den Morgenstunden aufwärmen, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Während der kalten Monate verfallen sie in eine Kältestarre, die bis zum Frühjahr anhält.

Die Sinne des Elefantenohrchamäleons sind wie bei allen Chamäleons höchst unterschiedlich entwickelt. Primärer Sinn ist eindeutig der Sehsinn. Insbesondere die Augen gehören wohl zu den am höchsten entwickelten im Reich der Tiere. Die Augen ermöglichen ein Sichtfeld von annähernd 360 Grad. Dabei können die Augen unabhängig voneinander bewegt werden. Durch diese höchst unterschiedlichen Eindrücke muss das Gehirn eine Vielzahl von Informationen bearbeiten. In der Regel fixiert das Chamäleon etwas mit dem einen Auge, während das andere Auge in eine andere Richtung blickt. Die Fokussierung einzelner Objekte erfolgt dabei weit schneller als beispielsweise beim Menschen. Das Auge verfügt über eine Streulinse, mit der das Chamäleon über eine Art Teleskop verfügt. Ein anvisiertes Objekt kann so auf der Netzhaut vergrößert dargestellt werden.

Beutetiere werden über den scharfen Sehsinn lokalisiert und anvisiert. Ist ein Beutetier nah genug herangekommen, so schnellt in einem Bruchteil einer Sekunde die lange Zunge aus dem Maul und fängt das Beutetier. Die Zunge ist mit einem klebrigen Schleim überzogen, an dem Insekten und ähnliches hängen bleiben. Chamäleons haben im Vergleich zu ihrer Körperlänge eine der längsten Zungen im Tierreich. Der Gehörsinn ist nur mäßig bis schlecht ausgeprägt. Äußere Trommelfelle besitzt das Chamäleon nicht. Welche Töne, insbesondere in welchen Frequenzbereichen die Tiere Laute wahrnehmen können, ist nicht abschließend geklärt. Auch der Geruchssinn ist mehr oder weniger zurückgebildet. Gerüche werden über das Jacobson´sche Organ im Rachen wahrgenommen.

Besonderheiten

Blaue Variante.
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Blaue Variante.
Auf Grund des sehr großen Verbreitungsgebietes und des Vorkommens in unterschiedlichen Höhenlagen unterscheidet man bei Elefantenohrcamäleons Hoch- und Tieflandformen. Während die Hochlandformen in relativ kühleren Regionen vorkommen, bevorzugen die Tieflandformen wesentlich höhere Temperaturen. Desweiteren unterscheiden sie sich auch im Aussehen. Die am weitest verbreitete Zeichnungsvariante ist die grüne Form. Im Tiefland sind an bestimmten Stellen im Verbreitungsgebiet jedoch auch blaue Farbformen zu finden. Auf dem Bild ist ein typischer Vertreter der blauen Variante, ein männliches Tier, zu sehen. Das Herkunftsgebiet ist Tembra, Süd-Mozambique.

Verbreitung, Lebensraum

Das Elefantenohrchamäleon findet in Teilen Südostafrikas seine Verbreitung. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Tansania, Malawi und Mosambik. Die Tiere bewohnen hauptsächlich tropische Regenwälder in der Ebene und Bergregenwälder bis in Höhen von gut 1.500 Metern über NN. Elefantenohrchamäleons halten sich ausschließlich in den Bäumen oder größeren Sträuchern auf. Den Waldboden betreten sie im Grunde nur, um einen Baum oder Strauch zu wechseln. Gelegentlich sind sie auch in lichten Küstenwäldern und Baum- oder Buschsavannen anzutreffen.

Ernährung

Elefantenohrchamäleons ernähren sich vorzugsweise von Insekten wie Heuschrecken, Käfer, Raupen und ähnliche Tiere. Aber auch Spinnentiere, kleinere Vögel und Reptilien sowie kleine Säugetiere wie nestjunge Mäuse stehen gelegentlich auf der Speisekarte. Kannibalismus ist unter den Elefantenohrchamäleons ebenfalls an der Tagesordnung. Die Beute wird mit der sehr langen Zunge erbeutet. Elefantenohrchamäleons sind reine Ansitzjäger, die darauf warten, dass sich Beutetiere ihnen auf Zungenlänge nähern. Die Länge der Zunge entspricht in etwa der Kopf-Rumpf-Länge. Aktiv auf Jagd gehen die Tiere nicht. Trinkwasser benötigen die Elefantenohrchamäleons selten, da sie ihren Wasserbedarf über die Nahrung decken können. Gelegentlich nehmen sie Flüssigkeit in Form von Tau oder Regenwasser zu sich.

Fortpflanzung

Elefantenohrchamäleon erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich im südöstlichen Afrika meist über die Trockenzeit. Während der Balz geht das Männchen aktiv auf die Suche nach einem Weibchen. Ob ein Weibchen visuell, akustisch oder über das Jacobson´sche Organ lokalisiert wird, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend erforscht. Ein ausgemachtes Weibchen wird vom Männchen recht rabiat überrumpelt. Der Schwanz des Weibchens wird beiseite geschoben und das Männchen dringt mit seinem Hemipenis in die Kloake des Weibchen ein. Der Hemipenis besteht dabei aus zwei Teilen. Bei der Begattung kommt jedoch nur einer von beiden zum Einsatz. Die Samenflüssigkeit läuft dabei über kleine Furchen außen an dem Hemipenis entlang und wird so in der weiblichen Kloake plaziert. Ein Kopulation kann sich über einen Zeitraum von gut 10 Minuten erstrecken.

Nach einer Trächtigkeit von etwa 80 bis 90 Tagen begibt sich das Weibchen auf dem Boden und gräbt dort eine bis zu 20 bis 25 Zentimeter tiefe Grube. In diese Grube legt das Weibchen je nach Alter und Ernährungszustand zwischen 30 bis 70, selten auch mehr Eier. Die Eiablage erfolgt kurz vor der kalten Jahreszeit. Dadurch kommt die Entwicklung der Eier vorübergehend zum Stillstand. Im Frühjahr setzt sich die embryonale Entwicklung fort. So kommt es zu einer sehr langen Inkubationszeit von 200 bis 240 Tagen. Unter kontrollierten Bedingungen in Gefangenschaft ist auch eine Inkubationszeit von 140 bis 200 Tagen möglich. Die aus den Eier schlüpfenden Jungtiere kämpfen sich an die Erdoberfläche und weisen eine Länge von rund gut 40 bis 50 Millimeter auf. Sie begeben sich umgehend auf einen Strauch oder einen niedrigen Baum. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Die Jungtiere wachsen vor allem in den ersten Lebenswochen sehr schnell und ernähren sich in der ersten Zeit meist von Mücken und Fliegen. Unter günstigen Umständen liegt die Lebenserwartung bei etwa 12 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Das Elefantenohrchamäleon steht aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) unter Schutz und wird im Abkommen in Anhang II geführt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art wie viele Reptilien nicht geführt. In den letzten Jahrzehnten haben sie die Bestände stark verringert. Die Gründe liegen auf der Hand; die Vernichtung der natürlichen Lebensräume nimmt auch in Südostafrika bedrohliche Ausmaße an. Zudem werden Elefantenohrchamäleons per Wildfang illegal der Natur entnommen und landen im internationalen Haustierhandel.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Chamäleons (Chamaeleonidae)

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Manfred Rogner: Echsen, Bd.2, Warane, Skinke und andere Echsen sowie Brückenechsen und Krokodile. Ulmer (Eugen) (1994). ISBN 3800172534
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