Epeorus yougoslavicus

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Epeorus yougoslavicus
Larve

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Altflügler (Palaeoptera)
Ordnung: Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Unterordnung: Setisura
Überfamilie: Heptagenioidea
Familie: Heptageniidae
Gattung: Epeorus
Art: Epeorus yougoslavicus
Wissenschaftlicher Name
Epeorus yougoslavicus
(Šamal, 1935)

Epeorus yougoslavicus, auch unter dem Synonym Iron yougoslavicus bekannt, zählt innerhalb der Familie Heptageniidae zur Gattung Epeorus. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Auch wenn im deutschen Namen „Eintagsfliegen” „-fliegen” vorkommt, haben sie verwandtschaftlich nichts mit den Fliegen (Brachycera) aus der Ordnung der Zweiflügler (Diptera) zu tun.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Epeorus yougoslavicus erreicht eine Körperlänge von etwa 8,8 bis 12,1 Millimeter. Im Unterschied zu den anderen Arten der Eintagsfliegen weist diese Art nur zwei Schwanzfäden auf. Der Hinterleib (Abdomen) besteht aus zehn Hinterleibssegmenten (Tergit) und ist zumeist etwa zylindrisch gebaut. An den ersten acht Tergiten sind lateral Stigmata für die Atmung vorhanden, an den hinteren zwei Tergiten fehlen sie. Am hinteren Ende des Abdomens entspringen drei lange, vielgliedrige Hinterleibsanhänge (Caudalseta). Der mittlere wird auch Terminalfilament, die beiden äußeren Cerci genannt. Das Terminalfilament kann je nach Gattung entweder stark verkürzt sein oder ganz fehlen. Die Hinterleibsanhänge werden beim Flug zum Ausbalancieren und gleichzeitig als Höhensteuer gebraucht. Jede Verwechslung mit anderen Netzflüglern (Neuroptera) ist aufgrund des Vorhandenseins der Hinterleibsanhänge nicht möglich. Eine Besonderheit sind die äußeren Geschlechtsteile. Sowohl der Penis, aber auch die Mündung der Eileiter sind außen paarig angelegt. Man findet bei den Männchen starke, chitinöse, je nach Art verschieden geformte Titillatoren als Reizinstrumente in Gestalt von Widerhaken, Stacheln, Leisten oder Hörnern. Bei den Männchen kann man ebenfalls eine mehr oder weniger ausgeprägte Subgenitalplatte am neunten Tergiten finden, das eigentliche zehnte Tergit. Seitlich vom Penis sind zwei weitere Klammerorgane vorhanden, die aus drei, vier oder selten auch mehr Gliedern bestehen.
Montenegro - Drina, Durmitor-Nationalpark
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Montenegro - Drina, Durmitor-Nationalpark
Man nennt sie auch Gonopoden. Bei der Kopulation erfassen sie das Ende des weiblichen Abdomens nahe der Geschlechtsöffnung, die sich ventral am achten Tergiten befindet. Bei den weiblichen Eintagsfliegen ist keine Vagina vorhanden, die normalerweise aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm) entsteht. Diese paarigen Ausführgänge sind ein stammesgeschichtliches Primitivmerkmal laut Prof. Johan Axel Palmén (1845–1919) in Über paarige Ausführungsgänge der Geschlechtsorgane bei Insecten (1884). Dagegen ist bei den meisten höheren Insekten ein unpaarer Endabschnitt als sekundär entstandene, abgeleitete Bildung anzusehen.

Lebensweise

Die Eintagsfliegenlarven nehmen je nach Lebensort eine angepasste Lebensweise an, die auch mit dem Körperbau und der Fortbewegungsart in Einklang steht. Die Larven von Epeorus yougoslavicus zählen zu den Strömungslarven (rheophil). Den vollkommenen Gegensatz zu den grabenden Larven, die jeglicher Strömung ausweichen, bilden die körperlich abgeflachten Bergbachlarven. Ohne losgerissen zu werden, ertragen sie Fließgeschwindigkeiten von bis zu 1,3 m/s. Damit sie der reißenden Strömung kaum Angriffsfläche bieten, sind sie dorsoventral stark abgeplattet. Da auch der Kopf abgeplattet ist, befinden sich die Augen deutlich weiter stirnwärts. Durch ihre morphologischen und funktionellen Anpassungen ist ihre Adhäsionsfläche vergrößert: somit sind die Schenkel stark blattförmig verbreitert, die Kiemenblättchen haben eine zusätzliche tracheenfreie Randfläche und das nierenförmige, horizontal ausgebreitete erste Tracheenpaar dient völlig als Fixationsmechanismus. Anstatt zu schwimmen schieben sie sich behände mit dem an die Unterlage geschmiegten, flachen Körper vorwärts, die Schwimmhaare an den Hinterleibsanhängen sind reduziert. Stenoxybionten nennt man jene platten Larven, die ein hohes Sauerstoffbedürfnis haben und ganzjährig kühles Wasser benötigen (Kälte-Stenothermie).

Verbreitung

Während hydrobiologische Untersuchungen von Flüssen und Bächen in Serbien und Montenegro durchführten, wurden in den Jahren von 2000 bis 2005 neue Rekorde der Art Epeorus yougoslavicus festgestellt. Außer dass diese Art die Vielfalt der Ephemeroptera-Fauna von Serbien und Montenegro bereichert, ist auch die Verteilung dieser Art sehr wichtig. Neue Biotope der Art sind in den Flüssen Masurička, Gobeljska und Morača bekannt. Auch wenn Epeorus yougoslavicus in Serbien und Montenegro gefunden wurde, tritt die Spezies in sehr seltenen Populationen auf. Auf dem Balkan und auf der Apennin-Halbinsel sind ebenfalls Funde dieser Spezies bekannt. Des Weiteren wurde die Art in den Gebirgsbächen Mazedoniens, Bosniens und Herzegowinas, Griechenlands, Bulgariens sowie in den Gebirgsbächen südlich und südöstlich von Italien und Sizilien. Die kleinen Populationen leben in isolierten Biotopen und man kann sie in den Gebieten von Serbien und Montenegro als gefährdet betrachten.

Ernährung

Montenegro - Drina, Durmitor-Nationalpark
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Montenegro - Drina, Durmitor-Nationalpark

Die gefräßigen Eintagsfliegenlarven leben sowohl von pflanzlichem Material als auch von Mückenlarven und kleinen Krustentieren. Sie nehmen sowohl lebendes als auch verwesendes Material auf, zerkleinern es mit den Mundwerkzeugen und verdauen es im Darm. Sie besitzen zur Nahrungsaufnahme ein Filtrierapparat an dem ersten Beinpaar. Dabei werden die dicken Vorderbeine, die zwei Reihen langer, steifer, brauner Haare tragen, in einem bestimmten Winkel zueinander gebeugt. Somit bilden die Borstenreihen einen Korb, dessen Boden genau unterhalb des Kopfes liegt und gegen den Wasserstrom gerichtet wird. Mit diesem Körbchen fängt die Larve das mit dem Wasserstrom mitschwimmende Mikroplankton und verspeist es. Die Eintagsfliegenlarven scheinen allgemein nicht wählerisch in ihrer Futterwahl zu sein, sie fressen annähernd alles, was ihr Lebensraum zu bieten hat.

Fortpflanzung

Nach der Larvenzeit beginnt die Metamorphose zur Subimago. Dabei entwickeln sich bei der Häutung reichliche Gasmengen zwischen alter und neuer Haut, die sie an die Wasseroberfläche steigen lassen. Entweder verbleiben sie dort schwimmend oder klettern an Schilfstengeln oder Steinen, die aus dem Wasser ragen, hinauf. Längs platzt die letzte Larvenhaut an einer präformierten Naht an Kopf und Brust auf, und die Subimago entschlüpft ihr relativ schnell. Sofort werden gleich die Flügel in die Luft gestreckt. Der Begriff Subimago wurde von Prof. Dr. Karl Hermann Konrad Burmeister im Jahre 1848 geprägt und stellt das vorletzte Entwicklungsstadium dar, wonach nur noch das Stadium der Imago folgt, das voll entwickelte, geschlechtsreife Insekt. Bei den Eintagsfliegen ähnelt die Subimago schon sehr der Imago, jedoch sind die bereits funktionstüchtigen, fettigen Flügel leicht getrübt und am Hinterrand stets bewimpert. In der letzten Larvenhülle bleiben die Tracheenkiemen zurück. Mit den verkümmerten Mundwerkzeugen müssen die Subimagos fasten. Meistens wird die Flugsicherheit schon kurz nach dem Schlupf ausprobiert, indem die Subimago einen kurzen Flug zu einem entlegenen Ort vollführt. Dort wartet sie die letzte Häutung zur Imago ab. Schon als Subimago können die Weibchen begattet werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Taxonomie von Epeorus yougoslavicus
  • An new records of Epeorus yougoslavicus (J. Šamal, 1935) Ephemeroptera in Serbien and Montenegro
  • Bauernfeind, Ernst et al.: Die Eintagsfliegen Zentraleuropas (Insecta: Ephemeroptera). Wien 2001. ISBN 3900275866
  • Brusca, Richard C. et al.: Invertebrates. Sinauer, Sunderland 1990–2003. ISBN 0878930973
  • Elliott, John M. & U. H. Humpesch: A key to the adults of the British Ephemeroptera. Wilsons, Kendal, Ambleside 1983. ISBN 0900386452
  • Elliott, John M. et al.: Larvae of the British Ephemeroptera. Ambleside 1988. ISBN 0900386479
  • Gleiß, Horst: Die Eintagsfliegen. vol. 136 Die neue Brehm-Bücherei. Ziemsen, Wittenberg 1954.
  • Hubbard, Michael D.: Mayflies of the world. vol. 8 Flora & Fauna handbook. Sandhill Crane, Gainesville 1990. ISBN 1877743062
  • Kimmins, Douglas E.: A revised key to the adults of the British species of Ephemeroptera. Ambleside 1954–72. ISBN 0900386177
  • Kimmins, Douglas E.: Ephemeroptera. vol. 1:9 Handbooks for the identification of British insects. London 1950.
  • Knopp, Malcolm & R. Cormier: Mayflies. Greycliff, Helena 1997. ISBN 0962666386
  • Studemann, Denise: Ephemeroptera. vol. 9 Insecta Helvetica : A, Fauna. La Concorde, Mauron + Tinguely & Lachat, Lausanne, Freiburg, Genf, Zürich 1992.
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