Erd-Finsterspinne

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Erd-Finsterspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Finsterspinnen (Amaurobiidae)
Gattung: Bodentrichterspinnen (Coelotes)
Art: Erd-Finsterspinne
Wissenschaftlicher Name
Coelotes terrestris
(Wider, 1834)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:022890]

Die Erd-Finsterspinne (Coelotes terrestris) zählt innerhalb der Familie der Finsterspinnen (Amaurobiidae) zur Gattung der Bodentrichterspinnen (Coelotes).

Inhaltsverzeichnis

Verwechslungsmöglichkeit

Es gibt noch eine ganze Reihe sehr ähnlicher Coelotes-Arten, die sich nur nach Genitalmerkmalen sicher bestimmen lassen. Die meisten sind aber recht selten oder leben in einem eng begrenzten Verbreitungsgebiet. Ziemlich häufig ist dagegen die Art Coelotes inermis, die oft mit ihr zusammen am gleichen Fundort, allerdings meist in geringerer Individuenzahl, vorkommt. Das Weibchen unterscheidet sich relativ klar durch die Form der Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan), die bei ihr etwa doppelt so lang wie breit ist und eine etwas geschwungene Form besitzt.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Auffallend kurzbeinige, untersetzt gebaute Finsterspinne. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 8 bis 10 Millimeter und das Weibchen eine Körperlänge von etwa 11 bis 14 Millimeter. An die Körperform stark an die Spinnen der Gattung Amaurobius erinnernd, von diesen aber deutlich durch die stark verlängerten, hinteren Spinnwarzen sowie das Fehlen von Cribellum (Spinnsieb) und Calamistrum (Kräuselkamm) unterschieden. Der Vorderkörper ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt, im vorderen Teil kaum verschmälert und etwa ebenso lang wie der Hinterkörper. Der Hinterleib ist dunkelgrau mit einer meist undeutlichen, helleren Winkelzeichnung. Die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) besteht aus einer nahezu quadratischen, vorn und an den Seiten scharf begrenzten Grube. Die reifen Tiere sind fast ganzjährig anzutreffen.

Lebensweise

Die Art baut ein sehr kleines, dicht gewobenes Trichternetz mit nur etwa 5 Zentimeter Durchmesser. Meist findet man das Netz am Boden in Moospolstern oder am Rand von Steinen, gelegentlich auch auf der Rinde abgestorbener Bäume. In seiner Mitte mündet eines etwa 1 Zentimeter weite Gespinströhre, die etwa 10 Zentimeter lang sein kann und verborgen im Moos, unter einem Stein oder Baumrinde weiterführt. Die dämmerungs- und nachtaktive Erd-Finsterspinne hält sich tagsüber in der Röhre verborgen, lauert am Abend und bei Nacht meist in der Röhrenmündung.

Verbreitung

Die Erd-Finsterspinne lebt vorzugsweise in Wäldern am Boden, in dunklen Nadelwäldern ebenso wie in lichten Laubwäldern und Gebüschen. Diese Art kommt im gleichen Lebensraum und zur gleichen Zeit vor wie Coelotes atropos. In Mitteleuropa findet man die Erd-Finsterspinne überall sehr häufig.

Ernährung

Die Erd-Finsterspinne legt dicht über dem Erdboden kleinere Gewebe an, deren Wohnröhren in selbstgegrabene Erdröhren übergehen. In den kleinen Geweben verfangen sich in der Hauptsache über den Boden krabbelnde Käfer (Coleoptera). Sobald die Spinne ein Opfer in ihrem Gewebe bemerkt, eilt sie aus der Wohnröhre, dreht den Käfer auf den Rücken und spritzt ihm an einer nur dünn mit Chitin bedeckten Körperstelle ihr betäubenes Gift ein. Die Beute wird so lange festgehalten, bis zu 10 Minuten, bis die Lähmung eintritt. Erst jetzt schleppt die Erd-Finsterspinne ihre Beute in die Wohnröhre zum Fressen.

Fortpflanzung

Die Paarung findet vom Frühsommer bis in den Hochsommer statt. Das Weibchen baut anschließend einen flachen, weißen Eikokon, den das Weibchen außen etwas mit Erdpartikeln bedeckt. Ab dem Juli (bei späterer Paarung auch erst im September) schlüpfen die Jungspinnen. Sie werden außerordentlich fürsorglich vom Weibchen betreut. Es fängt Beutetiere in seinem Netz, speichelt sie mit Verdauungssekret ein und verfüttert sie an die Jungen, anfangs in kleinen Stücken, später in immer größeren Portionen. Zur Nahrungsübergabe wird das Weibchen oft regelrecht von den Jungspinnen angebettelt. Mit zunehmendem Alter machen sie schließlich gemeinsam mit der Mutter Beute im Netz. Nach den Berichten einiger Autoren sollen die Jungspinnen nach dem Tod der Mutter auch diese verzehren. Dabei könnte es sich aber um eine Verwechslung mit der Gattung Amaurobius handeln, bei der ein solches Verhalten normal ist. Vertreter beider Gattungen wurden früher oft miteinander verwechselt, und zeitweise hieß die Gattung Coelotes auch Amaurobius, letzte dagegen Ciniflo. Die Jungspinnen zerstreuen sich bei der Erd-Finsterspinne aber offenbar bald nach dem Tod ihrer Mutter und beginnen eigene Netze herzustellen.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 12. Juni 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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