Erdmaus

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Erdmaus

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Arvicolini
Gattung: Feldmäuse (Microtus)
Untergattung: Feldmäuse (Microtus)
Art: Erdmaus
Wissenschaftlicher Name
Microtus agrestis
Linnaeus, 1761

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Erdmaus (Microtus agrestis) zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Feldmäuse (Microtus) und hier zur Untergattung der Microtus. Im Englischen wird die Art field vole oder short-tailed vole genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Erdmaus erreicht eine Körperlänge von 9,2 bis 13,5 (12,5) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,8 bis 4,5 (3,5) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 1,6 bis 1,9 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,2 bis 1,5 (1,3) Zentimeter sowie ein Gewicht von 22 bis 60 Gramm. Die Ohren ragen nur wenig aus dem langen Fell heraus. Das Fell weist dorsal eine dunkle, graubraune Färbung auf, ventral ist das Fell weißlich bis gräulich gefärbt. Weibchen sind insgesamt ein wenig heller gefärbt. Der Schwanz erscheint in der gleichen Färbung wie das Fell. In der Morphologie und in der Fellfärbung ähnelt die Erdmaus stark der Feldmaus (Microtus arvalis), jedoch ist die Erdmaus insgesamt größer und schwerer, dunkler gefärbt und hält sich in relativ feuchten und kalten Regionen auf. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3.

Lebensweise

Erdmäuse sind hauptsächlich am Tage aktiv, gelegentlich auch in der Nacht. Dies unterscheidet sie auch von den Feldmäusen, die mehr nachtaktiv sind. Auch sind sie deutlich geselliger und untereinander verträglicher als Feldmäuse. Sie sind zwar gute Schwimmer, als ausgezeichnete Kletterer kann man Erdmäuse hingegen nicht bezeichnen. Ihre Ausrufe reichen von einem dunklen Quieken bis hin zu knurrenden Lauten. Während der Ruhephasen halten sich Erdmäuse in ihren kugeligen Nestern auf. Diese liegen üblicherweise in selbstgegrabenen Erdröhren dicht unterhalb der Erdoberfläche oder liegen auf feuchtem Untergrund unter Grasbüscheln verborgen. Zuweilen leben sie auch in rein oberirdisch angelegten Grasnestern, die jedoch immer von schützenden Pflanzenteilen überdacht sind. Erdmäuse halten keinen Winterschlaf. Für die kalte Jahreszeit legen sie Vorräte an, von denen sie zehren. Im Winter gehen Erdmäuse nicht selten unter dem Schnee in gegrabenen Röhren auf Nahrungssuche.

Unterarten

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Verbreitung

Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich über das nördliche und zentrale Europa. Im südlichen Europa ist die Art jedoch auch nachgewiesen, jedoch nur in den nördlichen Regionen. Im südwestlichen Europa ist die Erdmaus im nördlichen Portugal und im nördlichen Spanien anzutreffen. Östlich erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis ins westliche China. Nach Angaben der IUCN ist die Art in Andorra, Österreich, Weißrussland, Belgien, Bosnien-Herzegowina, China, Kroatien, in der Tschechischen Republik, in Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, in der Mongolei, in den Niederlanden, in Norwegen, Polen , Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, in der Slowakei, in Slowenien, Spanien, Schweden, Schweiz und in Großbritanien verbreitet.

Erdmäuse kommen in Höhenlagen der Alpen bis in Höhen von gut 1.800 Metern vor. Waldränder, Waldlichtungen, Heckenlandschaften sowie Feldgehölze und Gebüsche dienen den Tieren als natürlichen Lebensraum. Selbst Sumpfgebiete, Moore und Kahlschläge mit dichten und entsprechend hohem Grasbewuchs werden durchaus häufig besiedelt.

Prädatoren

Der Erdmaus stellen in den natürlichen Lebensräumen zahlreiche Fressfeinde nach. Dazu gehören insbesondere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie die Waldohreule (Asio otus), der Mäusebussard (Buteo buteo) und der Turmfalke (Falco tinnunculus) sowie räuberisch lebende Säugetiere wie der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Hermelin (Mustela erminea), der Europäische Iltis (Mustela putorius) und andere Räuber der Marderartigen (Mustelidae).

Ernährung

Zur bevorzugten Nahrung der Erdmäuse zählen insbesondere Gräser, Kräuter, Wurzeln, Rinde und Früchte. Auch tierische Nahrung in Form von Insekten (Insecta), deren Larven und kleinere Gliederfüßer (Arthropoda). An Früchten stehen vor allem Eicheln und Bucheckern weit oben auf der Speisekarte.

Fortpflanzung

Mit bereits im Alter von 3 bis 4 Wochen kann die Erdmaus die Geschlechtsreife erreichen. Dies ist allerdings nur unter günstigen Umständen gegeben. In der Regel ist die Erdmaus im Frühjahr nach der Geburt geschlechtsreif. Hier unterscheidet sie sich nicht von der Feldmaus. Die Paarungszeit erstreckt sich vom Frühjahr bis in den frühen Herbst hinein. Dies ist zumindest für Mitteleuropa der Fall, in nördlichen Regionen ist die Brutzeit entsprechend kürzer. In Südeuropa ist eine Fortpflanzung unter günstigen Umständen ganzjährig möglich. Die Geburt erfolgt im schützenden Kugelnest unter der Erde oder in oberirdischen, geschützten Nestern. Die kugeligen Nester sind mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von etwa 20 bis 22 (21) Tagen 4 bis 7 Jungtiere zur Welt. In einer Saison kommt es regelmäßig zu 3 bis 4 Würfen. Die Jungtiere sind anfangs noch nackt und blind. Die Augen öffnen sich nach bereits 10 Tagen, die Säugezeit endet zu Beginn der dritten Lebenswoche. Die Lebenserwartung liegt unter natürlichen Bedingungen zwischen 2 und 3 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In landwirtschaftlichen Regionen ist die Erdmaus bei einer vorkommenden Massenvermehrung kein gern gesehener Gast. Sie gilt als einer der Hauptschadverursacher durch oberirdisches Benagen der Rinde in Forstkulturen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt.

Synonyme

Zu den bekannten Synonymen gehören: agrestoides (Hinton, 1910), angustifrons (Fatio, 1905), arcturus (Thomas, 1912), argyropoli (Ognev, 1944), argyropuli (Ognev, 1950), argyropuloi (Ognev, 1952), armoricanus (Heim de Balsac & Beaufort, 1966), bailloni (de Sélys Longchamps, 1841), britannicus (de Sélys Longchamps, 1847), bucklandii (Giebel, 1847), carinthiacus (Kretzoi, 1958), enez-groezi (Heim de Balsac & Beaufort, 1966), estiae (Reinwaldt, 1927), exsul (Miller, 1908), fiona (Montagu, 1922), gregarius (Linneaus, 1766), hirta (Bellamy, 1839), insul (Lydekker, 1909), insularis (Nilsson, 1844), intermedia (Bonaparte, 1845), latifrons (Fatio, 1905), levernedii (Crespon, 1844), luch (Barrett-Hamilton & Hinton, 1913), macgillivrayi (Barrett-Hamilton & Hinton, 1913), mial (Barrett-Hamilton & Hinton, 1913), mongol (Thomas, 1911), neglectus (Jenyns, 1841), nigra (Fatio, 1869), nigricans (Kerr, 1792), ognevi (Scalon, 1935), orioecus (Cabrera, 1924), pannonicus (Ehik, 1924), pallida (Melander, 1938), punctus (Montagu, 1923), rozianus (Bocage, 1865), rufa (Fatio, 1900), scaloni (Heptner, 1948), tridentinus (Dal Piaz, 1924) und wettsteini (Ehik, 1928). Alle aufgeführten Synonyme sind ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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