Eresus sandaliatus

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Eresus sandaliatus
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Röhrenspinnen (Erisidae)
Gattung: Eresus
Art: Eresus sandaliatus
Wissenschaftlicher Name
Eresus sandaliatus
(Martini & Goeze, 1778)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:005849]

Die Spinnenart Eresus sandaliatus zählt innerhalb der Familie der Röhrenspinnen (Erisidae) zur Gattung Eresus. Im Englischen wird Eresus sandaliatus Ladybird spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Eresus sandaliatus sieht der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari) ähnlich, durchschnittlich ist Eresus sandaliatus aber etwas kleiner. Im Allgemeinen sind Röhrenspinnen mittelgroße bis große, cribellate Spinnen mit auffallend kompakter, kurzbeiniger Körperform. Hierdurch erinnern sie an Springspinnen (Salticidae), von denen sie sich aber deutlich durch ihre Augenstellung unterscheiden. Von den acht relativ kleinen Augen bilden vier an den Eckpunkten des Kopfbereichs ein etwa gleichseitiges Viereck, die restlichen sind zu einem deutlich kleinerem Viereck in der Stirnmitte angeordnet. Eresus sandaliatus erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 9 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 10 bis 16 Millimeter. Der Hinterleib des Männchens ist ohne weiße Haare, hinter dem zweiten schwarzen Punktpaar ist oft ein deutlich sichtbares drittes Punktpaar (dieses manchmal fast so groß wie die übrigen vier Punktpaare). Die Beine bei dem Männchen sind niemals mit roten Haaren bedeckt. Alle vier Paare sind schwarz-weiß geringelt. Das Weibchen ist wie bei der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari) samtschwarz mit einzelnen, weißen Haaren. Die Stirn ist aber stets ohne gelbe Haarflecken. Die Männchen werden meist Anfang September adult. Im Winter bleiben die Männchen aber in ihrem Netz und erst im Mai oder Juni des nächsten Jahres suchen sie nach den Weibchen.

Lebensweise

Außer den deutlich verschiedenen Aktivitätsphasen der Männchen wurden bisher keine markanten Unterschiede in der Lebensweise zwischen der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari) und Eresus sandaliatus festgestellt. Die Netze von Eresus sandaliatus gleichen denen der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari) und werden ebenfalls oft im Saumbereich zwischen niedriger und höherer Vegetation, doch auch inmitten weitgehend gleichförmiger Rasen gebaut. In den Hochlagen der Alpen findet man die Netze zum Teil sogar an ziemlich windoffenen Bergkuppen. Beim Paarungsverhalten scheinen, abgesehen von der abweichenden Jahreszeit, keine Unterschiede gegenüber der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari) zu bestehen. Einige Wochen später verschließt das Weibchen sein Gespinst und beginnt es zu einer geräumigen Kammer auszuspinnen. In dieser Kammer erfolgt im Juli oder August die Eiablage. Der linsenförmige Kokon enthält etwa 35 bis 80 Eier und wird von dem Weibchen je nach Witterung zum Sonnen unter der Gespinstdecke deponiert oder in die schützende Röhre gebracht. Nach dem Schlüpfen versammeln sich die Jungspinnen vor der Mundregion der Mutter und nehmen von dieser einen hervorgewürgten Flüssigkeitstropfen entgegen, offenbar vorverdaute Nahrung für die Nachkommen. Durch in großer Menge produzierte Verdauungsfermente scheint sich das Spinnenweibchen dabei innerlich nach und nach selbst in Nahrungsbrei zu verwandeln. Nach wenigen Tagen stirbt die Mutter. Ihre Jungen besteigen den toten Körper, schlagen ihre Chelicerenklauen bevorzugt in die Gelenkhäute, zum Beispiel an den Beinen und am Ansatz der Spinnwarzen, und saugen die Mutter aus. Die Jungspinnen bleiben anschließend noch den Winter hindurch im mütterlichen Gespinst. Danach zerstreuen sich die Jungspinnen und bauen in unmittelbarer Nähe ihre eigenen Netze. Hierdurch erklärt sich das eng benachbarte Auftreten von zahlreichen Netzen der gleichen Altersstufe.

Verbreitung

Eresus sandaliatus hält sich an ähnlichen Orten wie die Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) auf. Sowohl auf steinigen oder felsigen Hängen als auch in sandigen Heide- und Dünengebieten kommt Eresus sandaliatus vor. Außer in den Alpen (wo die Art bisher bis in Höhen von etwa 2.300 Meter gefunden wurde) auf der Schwäbischen Alb, im Altmühltal, in Schleswig-Holstein, Dänemark sowie in Südengland ist Eresus sandaliatus verbreitet. Allerdings ist die Verbreitung ungenügend bekannt (bisher an keinem Fundort, an dem auch die Rote Röhrenspinne (Eresus kollari) vorkommt). Nach der Roten Liste in Deutschland ist Eresus sandaliatus stark gefährdet. In der Liste der geschützten Arten ist die Spinne nicht besonders erwähnt, da bisher nicht von der Roten Röhrenspinne (Eresus kollari) unterschieden.

Ernährung

Eresus sandaliatus ernährt sich hauptsächlich von Käfern (Coleoptera) und von Tausendfüßern (Myriapoda). Zur Hauptbeute zählen je nach Verbreitungsgebiet unter anderem Mistkäfer (Geotrupidae) wie Frühlingsmistkäfer (Geotrupes vernalis) oder Gemeiner Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) sowie Sandlaufkäfer (Cicindelidae) wie der Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris).

Fortpflanzung

Eresus sandaliatus erreicht die Geschlechtsreife mit etwa drei bis vier Jahren. Die Paarbildung erfolgt im Sommer oder im Herbst. Dabei geht das Männchen auf der Suche nach einer potentiellen Partnerin auf Wanderschaft. Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, so begibt es sich in die Erdröhre des Weibchens und lebt fortan in dieser. Die eigentliche Paarung erfolgt jedoch erst mit Beginn der warmen Jahreszeit im kommenden Frühjahr. Das Männchen hat den Winter über also in der Erdröhre des Weibchens verbracht. Zur eigentlichen Verpaarung kriecht das Männchen unter den Bauch des Weibchens. Das Männchen führt dabei seine Begattungsorgane in die Epigyne (Geschlechtsöffnung) des Weibchens. Einige Wochen später verschließt das Weibchen sein Gespinst und beginnt es zu einer geräumigen Kammer auszuspinnen. In dieser Kammer erfolgt im Juli oder August die Eiablage. Der linsenförmige Kokon enthält etwa 35 bis 80 Eier und wird von dem Weibchen je nach Witterung zum Sonnen unter der Gespinstdecke deponiert oder in die schützende Röhre gebracht. Dabei presst sie den bis zu 10 Millimeter großen linsenförmigen Kokon regelrecht gegen ihr Sternum (Brustbein). Auch nach dem Schlupf zeigt sich das Weibchen als aufopfernde Mutter und betreut ihren Nachwuchs bis zur Selbständigkeit. Sie sorgt dabei für Schutz und Nahrung. Durch in großer Menge produzierte Verdauungsfermente scheint sich das Spinnenweibchen dabei innerlich nach und nach selbst in Nahrungsbrei zu verwandeln. Nach wenigen Tagen stirbt die Mutter. Ihre Jungen besteigen den toten Körper, schlagen ihre Chelicerenklauen bevorzugt in die Gelenkhäute, zum Beispiel an den Beinen und am Ansatz der Spinnwarzen, und saugen die Mutter aus.

Gefährdung und Schutz

Eresus sandaliatus gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Spinnenarten und wird als solche in der Roten Liste von Deutschland geführt. In der Liste der geschützten Arten wird Eresus sandaliatus nicht besonders erwähnt. In weiten Teilen von Mitteleuropa sieht die Gefährdung ähnlich aus. Allenfalls im westlichen Osteuropa sind noch gesicherte Bestände zu verzeichnen. In der Internationalen Roten Liste der IUCN wird die Art nicht geführt.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 3. Mai 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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