Ero furcata

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Ero furcata
Eikokon

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Mimetoidea
Familie: Spinnenfresser (Mimetidae)
Unterfamilie: Mimetinae
Gattung: Ero
Art: Ero furcata
Wissenschaftlicher Name
Ero furcata
(Villers, 1789)

Die Spinnenart Ero furcata gehört innerhalb der Familie der Spinnenfresser (Mimetidae) zur Gattung Ero.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der kleine und häufigste Spinnenfresser unserer Fauna erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 3 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4 Millimeter. Der Hinterleib ist meist höher als lang, ist kugelförmig und trägt vorn zwei stumpfe Höcker. Er ist vor den Höckern dunkel, dahinter gelblich bis hellbraun gefärbt und mit zahlreichen dunklen Flecken gezeichnet. Die anderen Arten besitzen vier Höcker. Der hell gelbbraune Vorderkörper trägt am Rand und in der Mitte schwarze Zeichnungen. Die gelblichen Beine sind kontrastreich schwarz geringelt. Ein sehr markantes Merkmal ist die Bestachelung von Tibia und Metatarsus der beiden vorderen Beinpaare. Diese Glieder tragen außen jeweils eine regelmäßige Reihe langer, gebogener Stacheln und zwischen diesen einige kürzere von gleicher Form. Das hell gefärbte Sternum ist mit nach innen zugespitzten, schwarzen Dreiecken gezeichnet. Die kleine, an einer Kugelspinne erinnernde Art ernährt sich, soweit man bisher weiß, ausschließlich von anderen Spinnen. Die adulten Tiere trifft man im Frühjahr und im Herbst.

Lebensweise

Die kleine Spinne baut keine Netze, sondern webt nur vereinzelte Fäden. Die Spinne ruht tagsüber mit angezogenen Beinen zum Beispiel auf trockenen Fichtenzweigen und ähnelt sehr einer abgestorbenen Fichtenknospe. Gegen Abend schleicht sich die Spinne an den Rand eines Spinnennetzes, meist an das einer Kugelspinne und rüttelt an den Fäden. Die Netzbewohnerin eilt in Erwartung eines Beutetieres herbei, wird aber von der Spinne blitzschnell in ein Bein gebissen. Das offenbar recht wirksame Gift macht sie in kürzester Zeit bewegungsunfähig, und der Angreifer kann seine Beute aussaugen.

Verbreitung

Diese Art ist in Mitteleuropa überall häufig anzutreffen. Ero furcata lebt in sehr unterschiedlichem Gelände. In monotonen Fichtenwäldern ist diese Art ebenso anzutreffen wie auf Ödland, an Waldrändern und auf Feuchtwiesen.

Ernährung

Ein ausgesprochener Spezialist unter den Spinnenfressern ist Ero furcata. Wegen ihrer Kleinheit und der heimlichen Lebensweise übersieht man die Spinne leicht, obwohl sie ziemlich auffällig bunt und häufig ist. Die Spinne fängt hauptsächlich Kugelspinnen (Theridiidae) wie zum Beispiel die beiden Arten Theridion sisyphium und die Braune Kugelspinne (Theridion impressum), seltener auch Baldachinspinnen (Linyphiidae) oder Herbstspinnen (Metellina). Der kleine Spinnenfresser postiert sich am Rand eines Kugelspinnennetzes, beißt alle störenden Fäden an seinem Sitzplatz heraus und wartet. Meist gegen Abend zupft die Spinne an einem verbliebenen Faden und lockt so die Netzbewohnerin herbei. Dabei werden langsam kreisende Bewegungen mit den weit vorgestreckten Vorderbeinen ausgeführt. Die näherkommende Kugelspinne streckt ein Vorderbein aus, um die Lage zu prüfen, doch in dem Augenblick packt die Spinne zu und beißt meist in den Schenkel des vorgestreckten Beines. Dieser Vorgang geht derart schnell vor sich. Augenblicklich wirkt auch das Gift der Spinne, und die Kugelspinne hängt leblos an einem Bein, das Ero furcata zwischen den Cheliceren hält. In dieser Stellung wird die Beute auch ausgesaugt, durch die winzige Öffnung, die die Chelicerenklaue geschlagen hat. Das kann Stunden, manchmal länger als einen Tag dauern. Auf diese Art und Weise überwältigt Ero furcata Netzspinnen, die oft drei- bis viermal so groß sind wie sie selbst. Um so erstaunlicher ist es, dass sich die Spinnen untereinander friedlich verhalten.

Fortpflanzung

Ero furcata ist im Herbst und im Frühjahr reif. Im Juni/Juli und September/Oktober findet man die sehr kennzeichnenden Eikokons. Nach der Paarung baut das Weibchen wenig später einen Eikokon. Er besteht aus einer braunen, eiförmigen Fadenkugel von etwa 4 Millimeter Länge und einem Durchmesser von etwa 3 Millimeter. Außen ist der Kokon von steifen, gekräuselten Fäden umhüllt und an einem 1 bis 2 Zentimeter langen Strang an Zweigen und anderen Pflanzenteilen herabhängend befestigt. Während man die Spinne selbst nur selten zu sehen bekommt, findet man den Kokon ausgesprochen häufig. Besonders in Fichtenkulturen ist er sehr leicht zu finden. Das Weibchen legt etwa sieben bis neun Eier in den kunstvoll angefertigten, tropfenförmigen oder eiförmigen Kokon. Im Hochsommer schlüpfen die Jungspinnen aus den Frühjahrskokons. Das Weibchen betreibt keine Brutpflege, sondern überläßt den Eikokon und die schlüpfenden Jungspinnen sich selbst. Die Art bildet offenbar zwei Generationen im Jahr aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
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