Eumops bonariensis

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Eumops bonariensis
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Bulldoggfledermäuse (Molossidae)
Gattung: Eumops
Art: Eumops bonariensis
Wissenschaftlicher Name
Eumops bonariensis
(Peters, 1874)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Eumops bonariensis zählt innerhalb der Familie der Bulldoggfledermäuse (Molossidae) zur Gattung Eumops. Im Englischen wird die Art Dwarf Bonneted Bat oder Peters' Mastiff Bat genannt. Das Artepitheton bonariensis bezieht sich auf Buenos Aires, der sogenannten Typlokalität.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Im Vergleich zu Eumops glaucinus ist der Schädel von Eumops bonariensis breiter und die sagittalen Kämme (knochige Wülste auf dem Schädel) sind kräftiger entwickelt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Arten ist der dritte Molar (M3), der bei Eumops bonariensis gut entwickelt ist (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Eumops bonariensis ist innerhalb der Gattung Eumops die kleinste Art. Männchen erreichen je nach Unterart eine Gesamtlänge von 117,0 bis 128,0 (121,0) mm, eine Schwanzlänge von 38,0 bis 43,0 (41,0) mm, eine Hinterfußlänge von 8,3 bis 10,3 (9,6) mm, eine Ohrlänge von 21,4 bis 23,0 (22,0) mm, eine Unterarmlänge von 47,3 bis 48,7 (47,9) mm, eine Schädellänge von 19,1 bis 19,5 (19,3) mm, eine Condylobasallänge von 18,1 bis 18,6 (18,3) mm, eine Jochbeinbreite von 11,5 bis 12,0 (11,8) mm, eine Hirnschädelbreite von 9,5 bis 9,7 (9,6) mm, eine Unterkieferlänge von 13,8 bis 14,1 (14,0) mm und ein Gewicht von 17,5 bis 19,0 (18,2) g. Weibchenerreichen je nach Unterart eine Gesamtlänge von 105,0 bis 129,0 (115,0) mm, eine Schwanzlänge von 33,0 bis 41,0 (38,0) mm, eine Hinterfußlänge von 7,0 bis 10,2 (8,4) mm, eine Ohrlänge von 21,9 bis 24,0 (22,7) mm, eine Unterarmlänge von 44,8 bis 49,0 (48,0) mm, eine Schädellänge von 18,3 bis 19,2 (18,9) mm, eine Condylobasallänge von 17,2 bis 18,4 (18,0) mm, eine Jochbeinbreite von 11,1 bis 11,7 (11,5) mm, eine Hirnschädelbreite von 8,8 bis 9,7 (9,3) mm, eine Unterkieferlänge von 13,6 bis 14,0 (13,8) mm und ein Gewicht von 15,5 bis 20,0 (17,4) g. Die Gewichte beziehen sich auf Wildfänge in Argentinien (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003; Novak 1999).

Das dichte und seidige Fell weist je nach Verbreitungsgebiet und Unterart dorsal eine dunkel-braune bis zimtbraune Grundfärbung auf. Die Haare an der Basis sind weißlich. Ventral zeigt sich im Gegensatz zum Rücken eine etwas hellere Färbung mit weißlichen bis gräulichen Haarspitzen. Das Fell des Rückens erreicht eine Länge von bis zu 5,5 mm, ventral ist das Fell kürzer. Die Ohren sind breit und mit einer kleinen Membran verbunden. Der innere Kiel der Ohren reicht bis zum hinteren Rand des halbrunden Antitragus. Die Lippen erscheinen glatt, auf der Oberlippe zeigen sich zahlreiche steife, kurze Haare. Die Schnauze ist insgesamt recht breit. Die spärlich behaarte Flügelmembran erstreckt sich bis zum Knöchel. Das Propatagium (Membranen zwischen Handgelenken und Schultern) ist praktisch haarlos. Die Membranen und die Ohrmuscheln sind schwarz und wirken ledrig. Eumops bonariensis verfügt über 30 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c1/1, p2/2, m3/3. Der oval geformte Glans penis (Eichel) weist eine Länge von 1,5 bis 2,5 mm auf. Distal zeigen sich bei der Eichel 2 seitliche und 1 dorsaler Lappen. Epitheliale Stacheln zeigen sich nicht (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003; Novak 1999).

Lebensweise

Eumops bonariensis ist nachtaktiv, am Tage ruhen die Tiere an Schlafplätzen in Bäumen, Gebäuden und ähnlichen Plätzen. Der Flug der Art ist durchaus schnell und hoch. Sowohl an den Schlafplätzen als auch während des Fluges emitiert Eumops bonariensis besonders laute und unverwechselbar schrille Töne, die auch vom Menschen hörbar sind (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003).

Unterarten

Verbreitung

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet von Eumops bonariensis erstreckt sich vom südlichen Mexiko bis ins zentrale Argentinien. Nach Angaben der IUCN ist die Art in Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay und Venezuela nachgewiesen. Eumops bonariensis besiedelt Höhenlagen von 80 m bis git 1.000 m über NN (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003; IUCN 2009; Novak 1999).

Lebensraum

Eumops bonariensis fühlt sich in der Nähe des Menschen durchaus heimisch. Daher sind die Schlafplätze nicht selten unter den Dächern von Gebäuden zu finden. Ansonsten werden hohle Bäume und ähnliche Plätze als Schlafplatz angenommen. Die Tiere sind sesshaft und es ist eine große Schlafplatztreue zu beobachten. An den Schlafplätzen ist Eumops bonariensis zumeist in kleinen Gruppen anzutreffen. Eumops bonariensis besiedelt insbesondere in Südamerika höchst unterschiedliche Biome wie das das brasilianischen Hochland, offenes Waldland, lichte Trockenwälder, Dornbuschsavannen, das Amazon Basin und zahlreiche Küstenregionen sowie der Küste vorgelagerten Inseln. In Kolumbien wird der Regenwald entlang des Rio Orteguaza besiedelt (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003; IUCN 2009; Novak 1999).

Biozönose

Sympatrie

In dem großen Verbreitungsgebiet lebt Eumops bonariensis sympatrisch mit zahlreichen anderen Fledermausarten. Hier sind sind insbesondere Bulldoggfledermäuse (Molossidae) wie Nyctinomops aurispinosus, Nyctinomops laticaudatus, Nyctinomops macrotis, Phyllostomus discolor, Molossops temminckii, Molossus ater, Kleine Bulldoggfledermäuse (Molossus molossus) und Molossus sinaloae, Gemeine Vampire (Desmodus rotundus), Eumops auripendulus, Eumops glaucinus, Glattnasen (Vespertilionidae) wie Myotis albescens, Myotis riparius, Myotis nigricans und Eptesicus furinalis sowie Blattnasen (Phyllostomidae) wie Kleine Lanzennasen (Phyllostomus discolor), Artibeus lituratus, Pygoderma bilobiatum und Sturnira lilium (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003).

Krankheiten und Parasiten

Untersuchungen haben ergeben, dass zahlreiche Individuen mit Trypanosomen (Trypanosoma) infiziert sind. In der Regel waren dies Vertreter der Untergattung Schizotrypanum wie Trypanosoma cruzi. Bei den Trypanosomen handelt es sich um einzellige, geißeltragende Flagellaten. Weitere Endoparasiten sind Saugwürmer (Trematoda) wie Czosnowia paraguayensis. Krankheiten wie die Tollwut gelten ebenfalls als nachgewiesen (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003).

Ernährung

Eumops bonariensis ist hauptsächlich ein Insektenfresser. Zur bevorzugten Nahrung gehören Schmetterlinge (Lepidoptera), Schnabelkerfe (Hemiptera) wie Langwanzen (Lygaeidae) und Käfer (Coleoptera) wie Laufkäfer (Carabidae) und Blatthornkäfer (Scarabaeidae) (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003).

Fortpflanzung

Je nach Verbreitungsgebiet beginnt die Paarungszeit zwischen März bis Juli. Trächtige Weibchen wurden zwischen Ende März bis Ende Juni beobachtet. Die Säugezeit erstreckt sich nach einhelliger Meinung über gut 6 bis 8 (7) Wochen. Ein Wurf besteht aus einem Jungtier, das Geburtsgewicht liegt bei etwa 3 Gramm (Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Eumops bonariensis zählt heute noch nicht zu den bedrohten Fledermausarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In einigen Regionen ist jedoch ein Rückgang der Populationen zu beobachten. Der Hauptgrund für den Rückgang liegt wahrscheinlich in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume ((Hunt, McWilliams, Best & Smith, 2003); IUCN, 2009).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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