Euophrys lanigera

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Euophrys lanigera
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung: Euophrys
Art: Euophrys lanigera
Wissenschaftlicher Name
Euophrys lanigera
(Simon, 1871)

Die Spinnenart Euophrys lanigera, auch unter dem Synonym Pseudeuophrys lanigera bekannt, zählt innerhalb der Familie der Springspinnen (Salticidae) zur Gattung Euophrys. Weitere Synonyme: Pseudeuophrys bimaculata, Pseudeuophrys tristis, Pseudeuophrys variegata. Diese Art gleicht sehr der Springspinne Euophrys erratica, ist jedoch mehr grau-rötlich im Erscheinungsbild.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die kleine Springspinne Euophrys lanigera erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 4 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 5 Millimeter. Das Weibchen und das Männchen unterscheiden sich lediglich durch die Haarfarbe. Der Rückenschild zeigt ein klar erkennbares Muster der hellbraunen Behaarung auf schwarzem Grund. Das Männchen ist an den Prosomaseiten schwarz gefärbt und oberseits in einem Dreieck hell, allerdings einheitlich weißgrau behaart. Diese Behaarung endet hinten mit einem weißen Haarschopf. Im Unterschied zu den Arten der Gattung Neon liegen die Augen der dritten Reihe vor der Mitte des Vorderkörpers. Die Frontalaugen sind rot umrandet. Die darunter liegende Stirnfläche trägt eine weiße Querbinde. Die Pedipalpen sind weiß behaart. Patella und Tibia der Hinterbeine sind deutlich länger als beim dritten Beinpaar, jedoch nicht so lang wie bei den Arten der Gattung Sitticus. Die Vorderbeine sind bis auf die hellen Tarsen schwarz gefärbt, die übrigen Beine hell-dunkel geringelt. Das heller grau gefärbte Weibchen zeigt auf dem Vorderkörper ebenfalls eine grau behaarte, dreieckige Fläche. Der Hinterkörper trägt eine hellgraue Längsbinde, in der helle und dunkle Winkelflecke angeordnet sind. Das Weibchen ist das ganze Jahr über anzutreffen, das Männchen hauptsächlich im Sommer zur Paarungszeit. <2>

Lebensweise

Die kleine Art ist vor allem an Zimmerwänden und -decken eine durchaus auffällige Erscheinung. Sie scheint besser als die Zebraspringspinne mit dem trockenen Klima moderner Betonbauten zurechtzukommen, denn inzwischen trifft man sie durchaus häufiger als diese im Inneren von Gebäuden an. Selbst mitten im Winter sieht man auch adulte Exemplare. Im Sommerhalbjahr trift man sie regelmäßig auch an den Hausfassaden. Die Springspinne Euophrys lanigera reagiert deutlich auf optische Reize wie zum Beispiel auf eine vorbeilaufende Fliege. Meistens wendet sie sich dem Objekt frontal zu, danach erst läuft sie näher heran. Unter einer Distanz von 10 Zentimetern kann die Spinne Formen erkennen. Dies zeigt sich sowohl beim Fangverhalten als auch bei der Balz. An die Beute schleicht sich die Springspinne katzenartig an und verfolgt sie auch, um sie dann aus kurzer Entfernung anzuspringen. Größere Sprünge (bis 16 Zentimeter) kommen vor, wenn die Spinne flüchtet. Stets wird vor dem Sprung ein Sicherheitsfaden am Untergrund befestigt. Falls ein Sprung ins Leere führt, kann die Spinne nach wenigen Zentimetern Fallhöhe sofort zum Absprungsort zurückklettern. Die Springspinne ist nicht nur tagaktiv, sondern auch ausgesprochen sonneliebend. Bei ungünstiger Witterung zieht sie sich in das kleine, sackartige Wohngespinst zurück. Dort finden auch die Häutung, die Eiablage und die Überwinterung statt.

Verbreitung

Euophrys lanigera lebt nur im Siedlungsbereich an und in Gebäuden sowie in deren unmittelbarer Nähe. Die ursprünglich in Südwesteuropa heimische Art wurde Ende der fünfziger Jahre erstmals in Deutschland entdeckt und hat sich seit dieser Zeit überall in Süddeutschland ausgebreitet. Inzwischen gehört sie hier zu den allgemein verbreiteten, häufigen Hausspinnen und wurde in Aschaffenburg, Geisenheim, Frankfurt am Main, Lohr, Mainz, Stuttgart, Nürnberg, Bad Windsheim, Ulm, Köln, Erlangen sowie in Karlsruhe gesichtet. Ferner kommt diese Art noch in folgenden Ländern vor: Österreich, Aserbaidschan, Belgien, Korsika, Tschechien, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Irland, Italien, Niederlande, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz sowie Türkei. <3>

Ernährung

Wie alle Springspinnen, so ernährt sich auch diese Spinnenart von Insekten (Insecta). Sie lauert an exponierten Stellen auf ihre Beute und springt sie meist aus dem Hinterhalt an. Dabei spielt der Sehsinn eine außerordentliche Rolle. Die Spinne kann die Beute von weitem schon anvisieren und springt gezielt mehrere Zentimeter weit, um sie zu fangen. Überwiegend werden dabei Fliegen (Brachycera) erbeutet.

Fortpflanzung

Bei der Springspinne sind visuelle Reize die primären Balzauslöser. Daneben spielen aber auch taktile und chemische Stimuli eine Rolle. Das Männchen vollführt vor dem Weibchen vor der Kopulation spezifische Balzbewegungen. Diese reichen vom einfachen Beinheben bis zu komplizierten Bewegungsfolgen mehrerer Extremitäten, und zumeist sind gerade über diese Extremitäten besonders auffällig gefärbt. Wenn das Männchen ein Weibchen wahrgenommen hat, nähert sich das Männchen in einem Zickzacktanz und zeigt gleichzeitig arttypische Balzbewegungen, etwa Hochreißen der Vorderbeine, Palpenvibrieren und Abdomenzucken. Das Weibchen bleibt eher passiv, beobachtet aber das Männchen. Eventuell zieht sich das Weibchen etwas zurück, aber nur selten greift das Weibchen an. Wenn das Weibchen das Männchen akzeptiert, nimmt das Weibchen eine ruhige Kauerstellung ein. Daran schließt sich nun die kürzere zweite Balzphase an, die direkt zur Kopulation führt. Das Männchen streckt die Vorderbeine parallel nach vorn und berührt das Weibchen erstmals. Nach einigem Betasten klettert das Männchen auf den Rücken des Weibchens und kopuliert. Bei der Kopulation führt das Männchen seine Bulben in die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) des Weibchens ein und injiziert so das Sperma. Danach verläßt das Männchen seine Partnerin und kümmert sich auch nicht um die Aufzucht. In einem Gespinst legt das Weibchen ihren Kokon ab und betreut ihn bis zum Schlüpfen der Jungspinnen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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