Zwergmaus

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Zwergmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Zwergmäuse (Micromys)
Art: Zwergmaus
Wissenschaftlicher Name
Micromys minutus
Pallas, 1771

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Zwergmaus (Micromys minutus), oder auch Eurasische Zwergmaus, zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung der Zwergmäuse (Micromys) . Im Englischen wird die Zwergmaus Harvest mouse oder Eurasian harvest mouse genannt. Die Zwergmaus gehört zu den kleinsten europäischen Säugetierarten. Eine ähnliche gringe Größe und Gewicht weisen nur die Waldbirkenmaus (Sicista betulina) aus der Gattung Birkenmäuse (Sicista) auf.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zwergmaus erreicht eine Körperlänge von 5,4 bis 6,8 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5,1 bis 6,9 Zentimeter sowie ein Gewicht von 5 bis 11 Gramm. Männchen sind in der Regel ein wenig leichter als Weibchen. Das dichte und ausgesprochen weiche Fell weist dorsal und lateral eine bräunliche, rotbraune oder auch gelblichbraune Färbung auf. Ventral zeigt sich eine cremefarbene bis lederfarbene Färbung. Der nackte Schwanz weist eine bräunliche bis rotbraune Färbung auf und ist ventral meist heller gefärbt. Markantes Merkmal sind die großen dunkel gefärbten Knopfaugen, die leicht seitlich am Kopf liegen und ein Indiz für die Nachtaktivität sind. Die ebenso großen und rundlich geformten Ohren liegen weit hinten, leicht seitlich am Schädel. Auch das Gehör ist hervorragend entwickelt. Der Kopf endet zur Schnauze hin spitz zulaufend, im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Extremitäten sind kräftig ausgeprägt. Die Füße weisen jeweils 5 Zehen auf und sind exzellent zum Klettern geeignet. Beim Klettern dient der Schwanz als Greif- und Kletterhilfe. Viele Körpermerkmale sind in morphologischer und ethologischer Hinsicht an das Leben oberhalb des Erdbodens in dichter Vegetation angepasst. Zu diesen Anpassungen gehören insbesondere der Greifschwanz, die opponierbaren Innenzehen an den relativ kurzen Hinterfüßen, ein relativ zum Körpergewicht leichtes Skelett sowie sehr gut ausgeprägte Sinnesfunktionen. <1>

Lebensweise

Zwermaus
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Zwermaus
Zwergmäuse sind hervorragende Kletterer
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Zwergmäuse sind hervorragende Kletterer
Zwergmäuse sind nur wenig gesellig. Sie leben meist einzelgängerisch und bewohnen Reviere, die einige dutzend Quadratmeter aufweisen. Ein durchschnittliches Revier weist eine Größe von rund 90 bis 100 Quadratmeter auf.
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Die Reviere überschneiden sich in der Regel mit denen von Artgenossen. Die Siedlungsdichte schwankt saisonal zwischen wenigen Dutzend und einigen Hundert Individuen pro Hektar. In guten Jahren, vor allem in der Nähe des Menschen kann es zu einer Siedlungsdichte von einigen Tausend Tieren pro Hektar kommen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Grenze zur Plage überschritten. Die Geschlechter treffen nur zur Kopulation aufeinander. Ansonsten gehen sich Männchen und Weibchen aus dem Weg. Unter den Männchen kommt es vor allemn bei massenhaftem Auftreten zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Die Kämpfe werden äußerst erbittert geführt. Unmittelbar nach der Paarung verjagt ein Weibchen ihren Partner. Mit der Aufzucht des Nachwuchses haben die Männchen demnach nichts zu tun. Nicht nur trächtige Weibchen bauen Nester, sondern auch nicht brütende Individuen. Jedoch fallen die Nester der Nichtbrüter kleiner und weniger stabil aus. Die Nester entstehen in der Regel in luftiger Höhe zwischen Halmen oder Stängeln und bestehen im Wesentlichen aus Gräsern und ähnlich weichen Pflanzenteilen. Eine Winterruhe halten Zwergmäuse nicht ab. Während der kalten Jahreszeit sind sie jedoch weniger aktiv als beispielsweise im Sommer. Im Winter werden die Nester in Bodennähe errichtet, im Sommer eher in höheren Regionen der Vegetation. Für den Nestbau benötigt eine Zwergmaus für gewöhnlich eine Nacht. Auch wenn Zwergmäuse überwiegend nachtaktiv sind, so kann man sie durchaus häufig auch am Tage bei allerlei Aktivitäten beobachten. Mitunter sind Zwergmäuse auch rund um die Uhr aktiv, wobei sie alle 3 Stunden kurze Ruhepausen einlegen. Eine Ruhepause erstreckt sich meist über einen Zeitraum von 30 bis 45 Minuten. <2>

Verbreitung

Zwergmäuse sind in weiten Teilen des gemäßigten und subtropischen Eurasiens verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Südwesten vom nördlichen Spanien, nordwestlich bis in den Süden Englands, östlich über Mittel- und Osteuropa und im Osten von Nahen Osten bis ins östliche Asien und Japan. Beliebte Lebensräume sind feuchte Wiesenhabitate und Auengebiete sowie Verlandungszonen von Teichen und Seen mit Riedgras- und Seggenbewuchs. Gelegentlich sind Zwergmäuse aber auch auf landwirtschaftlichen Flächen wie Getreidefeldern anzutreffen. Selbst lichte Waldbiotope werden in einigen Regionen nicht gemieden. Als Kulturfolger kann man die Zwergmaus mitunter auch in der Nähe des Menschen antreffen. Die Populationsdichte ist regional ausgesprochen variabel und unterliegt durchaus häufig nichtzyklischen Massenwechseln.

Prädatoren

Prädator: Wildkatze (Felis silvestris)
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Prädator: Wildkatze (Felis silvestris)

Die Zwergmaus steht auf der Speisekarte vieler räuberisch lebender Säugetiere und Vögel. Zu den wichtigsten Fleischfressern zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Wildkatzen (Felis silvestris), Wiesel (Mustela) und andere Marder (Mustelidae). Aber auch Schlangen (Serpentes) gehören durchaus zu den potentiell gefährlichen Fleischfressern. In der Nähe des Menschen stellt die Hauskatze (Felis catus) die größte Gefahr dar. Einem Fleischfresser hat die Zwergmaus nur wenig entgegenzusetzen. In der Regel verhält sie sich äußerst still und bewegungslos. Erst im letzten Moment lässt sich eine Zwergmaus zu Boden fallen und ergreift die Flucht.

Ernährung

Zwergmäuse ernähren sich hauptsächlich von Sämereien, Gräsern und Kräutern. Zu einem kleinen Teil nehmen sie auch tierische Kost in Form von Insekten (Insecta) und Insektenlarven wie beispielsweise Schmetterlinge (Lepidoptera), deren Raupen oder auch Geradflügler (Orthoptera) zu sich. Saisonal schwankt die Art der aufgenommenen Nahrung. So ernähren sich die Zwergmäuse im Sommer deutlich häufiger von Insekten, im Winter fast ausschließlich von Sämereien. Um die zellulosehaltige Nahrung aufzuspalten, sind vor allem im Blinddarm (Caecum) Bakterien bei der Aufspaltung der Nahrung behilflich. So kann der Nahrung bis zu 80 Prozent der Nährstoffe entzogen werden. <3>

Fortpflanzung

Ein Beispiel für die gute Tarnung: Hier sind 3 Zwergmäuse zu sehen, wenn man genau hinschaut
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Ein Beispiel für die gute Tarnung: Hier sind 3 Zwergmäuse zu sehen, wenn man genau hinschaut

Bereits im Alter von 40 bis 50 Tagen erreichen frei lebende Zwergmäuse die Geschlechtsreife. In Gefangenschaft sogar noch einige Tage früher als in Freiheit. Die Paarungszeit erstreckt sich von Frühjahr bis in den Spätsommer (April bis September) hinein. Die Weibchen errichten ihre Hochnester in dichter Vegetation meist an vertikalen Halmen, mitunter auch an Ästen hängend. Die Nester entstehen in einer Höhe von durchschnittlich 100 Zentimeter über dem Boden. Vor jedem Wurf wird ein neues Nest errichtet. Zwergmäuse leben in einer polygamen Beziehung. Unmittelbar nach der Kopulation mit einem Männchen wird es vom Weibchen verjagt. In einer Saison kann es in Freiheit zu 3 bis 6 (4) Würfen kommen. Nach einer Tragezeit von 17 bis 22 (21) Tagen bringt ein Weibchen im ihrem Nest meist 3 bis 6 (5) Jungtiere zur Welt. Die kugelförmigen Wurfnester weisen einen Durchmesser von bis zu 10 Zentimeter auf, ein "normales" Nest lediglich einen Durchmesser von 5 bis 7 Zentimeter. Ein Wurfnest verfügt über einen seitlichen Eingang, ansonsten über 2 seitliche Eingänge. Der Nachwuchs wiegt durchschnittlich 1,2 Gramm und weist eine Körperlänge von 2,4 Zentimeter auf. Sie sind sowohl nackt als auch blind, entwickeln sich jedoch rasch. Die Augen öffnen sich nach 8 bis 10 Tagen. Gegen Ende der Säugezeit, die sich über 14 bis 16 Tage erstreckt, weisen die Jungtiere ein Gewicht von rund 3,9 Gramm auf. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 18 bis 24 Monaten, in Gefangenschaft durchaus bei 3 bis 5 (4) Jahren. Die Jungensterblichkeit ist in den ersten Lebenswochen mit rund 60 Prozent extrem hoch. <4>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Bei massenhaftem Auftreten können Zwergmäuse durchaus erheblich Schäden auf Getreidefeldern oder Getreidespeichern verursachen. Zudem können sie das Getreide durch Urin und Kot verunreinigen. Außerhalb von Agrarflächen und Siedlungsraum gehören die Tiere jedoch zu den Nützlingen, da sie die Populationen von Schadinsekten und Insektenlarven kontrollieren. In weiten Teilen des großen Verbreitungsgebietes gehören Zwergmäuse noch nicht zu den bedrohten Arten. In Ballungsräumen und auf stark genutzten Agrarflächen sind die Tiere mittlerweile selten geworden. Dies trifft insbesondere auf Mitteleuropa zu. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gering gefährdet (NT, Near Threatened) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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