Europäischer Braunbär

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Europäischer Braunbär

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Großbären (Ursidae)
Gattung: Ursus
Art: Braunbär (Ursus arctos)
Unterart: Europäischer Braunbär
Wissenschaftlicher Name
Ursus arctos arctos
Linnaeus, 1758

Der Europäische Braunbär (Ursus arctos arctos) ist eine Unterart des Braunbären (Ursus arctos) und zählt innerhalb der Familie der Großbären (Ursidae) zur Gattung Ursus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Europäische Braunbären erreichen eine Körperlänge von 150 bis 260 cm, eine Schulterhöhe von bis zu 140 cm sowie ein Gewicht von bis zu 500 Kg. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Fell weist eine braune bis dunkelbraune Färbung auf. Europäische Braunbären verfügen über sehr feine Sinne. Vor allem der Geruchssinn ist sehr weit entwickelt. Über mehrere Kilometer können sie ihre Nahrung wittern. Auch das Sehvermögen und das Gehör sind außerordentlich gut entwickelt. Die Tiere leben, abgesehen vom Weibchen mit ihren Jungen, als Einzelgänger in ihren zum Teil riesigen Territorien. Ihre Reviere können bis zu 1.000 Quadratkilometer groß sein. In den kalten Wintermonaten halten Europäische Braunbären eine Winterruhe. Für diese Ruhephase fressen sie sich im Sommer und Herbst eine dicke Speckschicht an. In vielen Verbreitungsgebieten sind Europäische Braunbären vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben.

Verbreitung

Der Europäische Braunbär ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Die größte europäische Population außerhalb Russlands lebt in Rumänien, in den Kaparten. Darüber hinaus sind sie auch in Nordeuropa, insbesondere in Skandinavien sowie im Epirus-Gebirge in Griechenland und in den westlichen Pyrenäen anzutreffen. Kleinere Populationen leben in Spanien, Frankreich, auf dem Balkan und in Italien. Sie bewohnen vorzugsweise baumarme Bergregionen und andere baumlose Landschaften, sind aber auch in lichten Wäldern und Galeriewäldern zu finden.

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Nahrung

Europäische Braunbären sind Allesfresser. Sie fressen neben Beeren, Pflanzen und deren Wurzeln auch Fleisch und Fisch. Auch Aas verschmähen sie nicht. Sie haben auch eine Vorliebe für Süsses und plündern gerne Bienenstöcke. Sie benötigen pro Tag zwischen zehn und fünfzehn Kilogramm an Nahrung. In der Nähe menschlicher Siedlungen kommt es gelegentlich auch zu Übergriffen auf Viehbestände wie Hühnervögel und Schafe.

Fortpflanzung

Europäische Braunbären erreichen die Geschlechtsreife mit rund 4 Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Sommermonate. Das befruchtete Ei fängt allerdings nicht sofort an zu wachsen, sondern erst mit Beginn des Winters. Nach einer Tragezeit von zwei Monaten bringt das Weibchen während der Winterruhe zwischen einem und drei Jungtiere zur Welt. Die kleinen Bären haben ein Geburtsgewicht von 300 bis 400 Gramm sowie eine Länge von dreißig cm.
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Sie sind anfangs noch nackt und blind. Das Weibchen wärmt die Jungen zwischen Bauch und Arme. Im Alter von etwa dreißig Tagen öffnen die Jungbären ihre Augen. Aufgrund der fettreichen Milch wachsen die Tiere sehr schnell heran. Mit Verlassen der Geburtshöhle im Frühjahr sind die Jungtiere vollständig entwickelt und können der Mutter folgen. Sie werden insgesamt für vier Monate gesäugt, bleiben aber noch zwei bis drei Jahre bei der Mutter, die ihnen alles Wissenswerte beibringt. Das Muttertier verteidigt ihre Sprößlinge energisch - auch gegenüber männlichen Artgenossen. Braunbären erreichen in Freiheit ein Alter von etwa 30 Jahren. In Gefangenschaft auch deutlich mehr.

"Bruno" der Bär

Schlagzeilen macht der Europäische Braunbär Bruno, der über Monate die Bevölkerung in Atem hielt, als er zwischen Österreich und Süddeutschland hin und her pendelte. Am 26.06.2006 wurde der Bär von Jägern mit mehreren Gewehrschüssen erschossen. Eine Betäubung mit einhergehender Umsiedlung wurde aus unerfindlichen Gründen nicht bzw. nur halbherzig unternommen. Politiker in Österreich und Bayern hatten den Bären zum Abschuss freigegeben.

Seit dem 27.03.2008 steht "Bruno" als Präparat im Rahmen einer Dauerausstellung im Museum für Mensch und Natur in München.

Ein kurzes Zitat dazu aus dem Tierdoku-Ticker:
Der Einwanderer kam von Süden und überquerte die Grenze nach Deutschland auf unwegsamen Bergpfaden in der Nacht zum 20. Mai 2006. Gut einen Monat später, am 26. Juni, lag er tot auf der Kümpflalm in den bayerischen Alpen. Erschossen von einer dreiköpfigen Eingreiftruppe des zuständigen Landratsamtes. Weil der jugendliche Braunbär Bruno (amtlich: „JJ1“) Schafe, Ziegen und Hühner getötet sowie mehrere Bienenstöcke aufgebrochen hatte, war er vom bayerischen Umweltminister Dr. Werner Schnappauf (* 1953) zum „Problembären“ erklärt worden – das Todesurteil.
Mit Bruno wurde 140 Jahre nach dem Abschuss des letzten Braunbären auf deutschem Gebiet erstmals wieder ein großes Raubtier getötet. JJ1 hatte sich in Italien auf den Weg gemacht und wollte in Bayern auf eigene Faust eine neue Bärenpopulation gründen. Aber selbst wenn er dem Tötungskommando hätte entwischen können, wäre sein Wunsch nach einer zotteligen Partnerin zum Scheitern verurteilt gewesen: Es gibt keine Bärin in Bayern.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Bären (Ursidae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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