Europäischer Riesenläufer

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Europäischer Riesenläufer

Systematik
Klasse: Hundertfüßer (Chilopoda)
Ordnung: Riesenläufer (Scolopendromorpha)
Familie: Skolopender (Scolopendridae)
Unterfamilie: Scolopendrinae
Gattung: Scolopendra
Art: Europäischer Riesenläufer
Wissenschaftlicher Name
Scolopendra cingulata
Latreille, 1829

Der Europäische Riesenläufer (Scolopendra cingulata), auch unter der Bezeichnung Mittelmeerskolopender bekannt, zählt innerhalb der Familie der Skolopender (Scolopendridae) zur Gattung Scolopendra. Im Englischen wird der Europäische Riesenläufer megarian banded centipede oder mediterranean banded centipede genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Europäische Riesenläufer kann eine Körperlänge von etwa 10,0 bis 14,0 Zentimeter erreichen. Bräunlich ockergelb, vorn mit olivengrünem Anstrich. Die vierzehn hinteren Rückenschilde mit Seitenrandfurchen. Die zwei Hinterbeine dickgliedrig, die zwei vorderen oben flach, oben einwärts vier Zähnchen, an der Unterseite zwei. Durchaus glänzend, etwas flach. Der Kopf so breit als lang, flach, am Hinterrand fast gerade, doch mit gerundeten Hinterrandwinkeln. Ferner etwas spitz herzförmig, mit zerstreuten, eingestochenen, seichten Pünktchen, an der Spitze deutlicher als hinten, zwischen den Fühlern befinden sich Furchenstrichelchen. Die drei vorderen Augen ziemlich groß, genähert, ein fast gleichseitiges Dreieck bildend, das hintere eben so groß, länglich, abwärts mondförmig spitz verlängert.
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Die Fühler ziemlich lang, mit 19 Gliedern. Die Kehle flach, sehr fein leicht eingestochen punktiert, an der Spitze gerundet und von dieser aus am Rand der Freßzangen ein wenig ausgeschweift. Die geteilte Lefze flach, am Außenrand gerundet, mit fünf zahnartigen Höckern. Die Freßzangen stark, von gewöhnlicher Gestalt, das größere dicke Glied unten mit leichten, kaum sichtbaren Pünktchen besetzt. Die Giftritze oval, deutlich, ziemlich weit von der Spitze der Fangkralle liegend. Der Hals und die Körperringe von nicht ungewöhnlicher Gestalt, letztere an den Seiten ziemlich gerade, nur die hinteren stufenweise etwas mehr gerundet. An den 14 hinteren Rückenschilden eine Seitenrandfurche, davon die zwei oder drei vorderen schwach und unbeständig. <1>


Die Rückenstriche der Hauptschilde sind ziemlich gleichlaufend, die der Zwischenschilde sich hinten voneinander seitwärts biegend. Die Bauchschilde ohne besonderes Merkmal. Der Afterschild flach, breit, gegen die Spitze allmählich schmäler, die Spitze breit, stumpf, mit gerundeten Seitenwinkeln. Die Beine mit Ausnahme des Hinterpaares von ganz gewöhnlicher Gestalt. Das Hinterpaar dick, das erste Glied, oben flach, mit tiefer Kerbe, an der Spitze in eine runde Grube mündend, an dem Innenwinkel ein ziemlich langer, daumenartiger Fortsatz mit vier Zähnchen, oben an der Innenseite vier Zähnchen, zwei oben, zwei nahe unter diesen, schief abwechselnd stehend, zuweilen vor den oberen noch ein fünftes. Das zweite Glied oben ebenfalls flach, doch weniger als das erste, mit einem leichten Eindruck und einer runden Grube an der Einlenkung in Verbindung mit der Kerbe des ersten Gliedes. An der Spitze des zweiten befindet sich eine leichte Einkerbung. Das dritte Glied noch ziemlich dick und etwas walzenförmig,
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aber vorn und hinten rund verengt. Die zwei Endglieder wie gewöhnlich. Das ganze Thier bräunlich ockergelb, an dem Kopf und auf den vorderen Ringen mit olivegrünem Anstrich und zwischen den Rückenstrichen der Körperschilde zeigt sich ebenfalls ein olivegrüner Anstrich. Der Kopf an der Spitze erschein dunkel olive-grünlich. Die Freßzangen sind gelb gefärbt und mit einer schwarzen Fangkralle versehen. Die Fühler an der Wurzel ins Olive-grünliche übergehend, in der Mitte ockergelb und an der Spitze wieder grünlich. Die Beine gelb und das Endpaar ist dunkler als die anderen. <2>

Lebensweise

Der Europäische Riesenläufer ist eine nachtaktive Art. Er jagt nicht nur Insekten, sondern gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen. Tagsüber hält sich der Europäische Riesenläufer unter Steinen und in Bodenspalten auf, wo er vor Hitze und Austrocknung geschützt ist. Im Gegensatz zu anderen Arten ist sein Gift für den Menschen ungefährlich. Bei einem Biss gegen einen Menschen können die Giftklauen die Haut gegebenenfalls durchschlagen und mehr oder weniger schmerzhaft zubeißen.

Verbreitung

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Der Europäische Riesenläufer ist eine der wenigen Arten der Hundertfüßer, der in Südeuropa im Bereich der Hügel und Berge von Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland und Nordafrika, praktisch im gesamten Mittelmeerraum, lebt. Auch in Zentralafrika ist der Europäische Riesenläufer zu finden.

Ernährung

Der Europäische Riesenläufer jagt nicht nur Insekten (Insecta), sondern gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen (Lacertidae). Mit einem Biss gibt er ein Gift in die Wunde ab, das die Opfer lähmt. Mit den kräftigen Kieferklauen wird das Beutetier dann zerteilt und aufgefressen. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere nur in der Nacht. Beim ersten Kontakt mit der Beute geben sie ein für die Beute hochwirksames, lähmendes Gift über ihre Giftdrüsen ab.

Fortpflanzung

Beim Europäischen Riesenläufer erfolgt die Fortpflanzung meist im Frühjahr oder im Frühsommer. Wie bei den Spinnentieren (Arachnida) erfolgt auch bei den Hundertfüßern (Chilopoda) eine indirekte Befruchtung. Das Männchen formt dabei aus seinem Sperma kleine Spermapakete, die sogenannten Spermatophoren. Diese legt er an einer geeigneten Stelle ab. Die Befruchtung erfolgt, indem sich ein Weibchen über eines der Spermatophoren bewegt und die Spermien aufnimmt. Das Weibchen legt ihre Eier einzeln in kleine Löcher. Dies geschieht meist in feuchter Erde, moderndes Holz oder in Komposthaufen. Die geschlüpften Jungtiere weisen sieben Beinpaare auf, von denen das hinterste stark verlängert ist und zum Ergreifen von Beute verwendet wird. Mit jeder Häutung verlängert sich der Körper um ein Sepment und somit auch um ein Beinpaar. Mit 15 Beinpaaren sind sie dann ausgewachsen.

Weitere Synonyme

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  • Rhombocephalus parvus - (Newport, 1845)
  • Rhombocephalus viridifrons - (Newport, 1844)
  • Scolopendra banatica - (C.L. Koch, 1847)
  • Scolopendra cingulatoides - (Newport, 1844)
  • Scolopendra doriae - (Pirotta, 1878)
  • Scolopendra fulva - (Gervais, 1847)
  • Scolopendra graeca - (C.L. Koch, 1847)
  • Scolopendra hispanica - (Newport, 1845)
  • Scolopendra italica - (C.L. Koch, 1837)
  • Scolopendra nigrifrons - (C.L. Koch, 1847)
  • Scolopendra obscura - (C.L. Koch, 1863)
  • Scolopendra penetrans - (C.L. Koch, 1847)
  • Scolopendra pulchra - (C.L. Koch, 1847)
  • Scolopendra savignyii - (Newport, 1845)
  • Scolopendra venefica - (L. Koch, 1856)
  • Scolopendra violantis - (Pirotta, 1878)
  • Scolopendra zonata - (C.L. Koch, 1847)
  • Scolopendra zwickiana - (C.L. Koch, 1863)
  • Scolopendra cingulata caeruleolimbata - (Verhoeff, 1901)
  • Scolopendra cingulata krüperi - (Verhoeff, 1901)
  • Scolopendra cingulata thracia - (Verhoeff, 1928)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] [2] Die Myriapoden von Carl Ludwig C. Koch. Halle, Druck und Verlag von H. W. Schmidt. 1863
  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
  • Eisenreich, Handel und Zimmer: Tiere und Pflanzen; BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
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