Europäischer Ziesel

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Europäischer Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Europäischer Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus citellus
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (VU)

Der Europäische Ziesel (Spermophilus citellus), der auch Schlichtziesel genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Im Englischen wird dieser Ziesel European Ground Squirrel oder European Souslik genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße und schlank gebaute Europäische Ziesel erreicht eine Körperlönge von etwa 20 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5 bis 7 Zentimeter sowie ein Gewicht von 200 bis 430 Gramm. Einen Dimorphismus weisen die Geschlechter nicht auf. Das Gewicht schwankt ja nach Jahreszeit sehr stark. Unmittelbar vor dem Winterschlaf erreichen die Tiere das höchste Gewicht, entsprechend das geringste Gewicht wird unmittelbar mit dem Erwachen aus dem Winterschlaf erreicht. Das kurze und glatte Fell weist eine gelblichgraue Färbung auf. Hier und da zeigen sich dorsal im Fell helle, meist weißliche bis gelbliche Sprenkel oder Flecken. Lateral nimmt die Fleckung oder Sprenkelung deutlich ab. Ventral ist das Fell leicht gelblich gefärbt, das Kinn und der Hals sind weiß. Das Winterfell ist deutlich dichter als das Sommerfell. Der Schwanz ist dicht behaart und wie der Körper gefärbt. Die Beine sind relativ kurz, jedoch kräftig gebaut. Vorder- und Hinterbeine weisen in etwa die gleiche Länge auf. Mit den Vorderfüßen kann der Europäische Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Die Ohren liegen flach am Kopf an und liegen seitlich, weit hinten am Schädel. Die Stirn ist breit und flach. Die ausgesprochen großen Augen stehen weit auseinander und sitzen leicht seitlich am Schädel. Im Bereich der Nase zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Anders als bei anderen Hörnchen sind die Backenbeutel der Europäischen Ziesel relativ klein.

Lebensweise

Europäische Ziesel sind reine Bodentiere, die in selbst gegrabenen Erdbauten leben. Männchen leben einzelgängerisch, Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs zusammen. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden. Europäische Ziesel sind tagaktiv. Vor allem in den Vormittags- und Nachmittagsstunden verlassen die Tiere ihre Erdbauten und gehen auf Nahrungssuche. Die Erdbauten dienen im Winter als Schlafquartier. Hier verbringen sie die gesamte Winterruhe bis zum Frühjahr. Beginnt die Winterruhe, so verschließen die Ziesel den Erdbau von innen mit Erdreich. Die Winterruhe beginnt je nach Vorkommen und klimatischen Bedingungen bereits Ende August oder Im Laufe des September. Selten sind die Tiere auch länger aktiv. Während der aktiven Zeit im Frühjahr und Sommer verbingen die Tiere Nahrungsvorräte in ihre Erdbauten. Diese dienen jedoch nur der direkten Ernährung, nicht jedoch als Vorrat für den Winter.

Verbreitung

Europäische Ziesel kommen ausschließlich im Mitteleuropa und im südöstlichen Europa vor. Nach Angaben der IUCN kommen die Tiere in Österreich, Bulgarien, in der Tschechischen Republik, in Griechenland, Ungarn, Mazedonien, Rumänien, Serbien, in der Slowakei, in der Türkei und in der Ukraine vor. In Kroatien und in Deutschland gilt die Art als Ausgestorben, in Polen waren sie verschwunden, sind jedoch in einigen Regionen wieder angesiedelt. Europäische Ziesel leben in Habitaten, die bestimmte Anforderungen stellen. Dies sind insbesondere Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Magerwiesen, Brachen, Fettwiesen und Weiden, Weingärten, Ackerraine, Wegraine und Böschungen sowie in der Nähe des Menschen auch Grünflächen in Parks, Golfplätze und ähnlich strukturierte Lebensräume. Wälder und Lebensräume mit einer dichten Bodenvegetation werden nicht besiedelt.

Ernährung

Europäische Ziesel ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Weit oben auf der Speisekarte stehen Blüten, Sämereien, Körner, grüne Pflanzenteile, Nüsse, Zwiebeln, Wurzeln und Knollen. Zu einem kleineren Teil werden auch Gliederfüßer (Arthropoda) wie Käfer (Coleoptera) oder die Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera). Nahrungsvorräte legt der Europäische Ziesel nicht an. Auch Vogeleier und kleine Wirbeltiere (Vertabrata) werden nicht verschmäht. In Spätsommer und Herbst legt er ein körpereigenes Fettdepot an, von dem er während der Winterruhe zehrt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Europäische Ziesel bereits nach der ersten Winterruhe. Dies entspricht einem Alter von gut 300 bis 310 Tagen. Europäische Ziesel leben wie bei den meisten Hörnchen polygam und die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe im Frühjahr. Dies ist in den meisten Verbreitungsgebieten ab April der Fall. Die Männchen erwachen aus dem Winterschlaf in der Regel 1 bis 2 Wochen vorher und begeben sich zugleich auf die Suche nach Weibchen. Die Reviere der Männchen decken sich mit den Revieren mehrerer Weibchen, die sie nach Möglichkeit alle begatten möchten. Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, folgt die Kopulation mit anschließender Trennung. Die Nester entstehen in unterirdischen Bauten und werden mit Gräsern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Nach einer Tragezeit von 25 bis 27 (26) Tagen bringt ein Weibchen im schützenden Nest zwischen 2 und 10 Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs ist bei der Geburt nackt und blind. Die Entwöhnung erfolgt im Alter von etwa 30 Tagen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ursprünglich war der Europäische Ziesel in weiten Teilen Europas anzutreffen. Das heutige Verbreitungsgebiet ist deutlich kleiner und zudem stark zersplittert. Ein Austausch zwischen den einzelnen Populationen ist daher nicht möglich. Lokal kam es bereits zu einem Aussterben der Art, was insbesondere in Deutschland und Kroatien der Fall ist. Mehr oder weniger stabile Populationen treten heute nur noch in Rumänien auf. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. Die Hauptgefahren gehen von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume, insbesondere von der Bewirtschaftung aus. Hier ist beispielsweise die Brachenbewirtschaftung, die Rainbewirtschaftung oder die Weingartenbewirtschaftung zu nennen. Ein weiteres Problem besteht in der Zunahme der Vegetationshöhe. Die Zunahme beruht meist auf intensive Bewirtschaftung, Beweidungsintensität oder zu geringe Mähfrequenz.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge