Falkennachtschwalbe

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Falkennachtschwalbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Schwalmartige (Caprimulgiformes)
Familie: Nachtschwalben (Caprimulgidae)
Unterfamilie: Chordeilinae
Gattung: Chordeiles
Art: Falkennachtschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Chordeiles minor
Forster, 1771

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Falkennachtschwalbe (Chordeiles minor) zählt innerhalb der Familie der Nachtschwalben (Caprimulgidae) zur Gattung der Chordeiles.

Die Falkennachtschwalbe ist leicht mit der Carolinanachtschwalbe (Caprimulgus carolinensis), Winternachtschwalbe (Phalaenoptilus nuttallii) und der Schwarzkehl-Nachtschwalbe (Caprimulgus vociferus) zu verwechseln. Jedoch weist die Winternachtschwalbe (Phalaenoptilus nuttallii) weißliche Markierungen auf den Flügeln und auf dem Rücken auf. Auch der Gesang unterscheidet sich deutlich.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Falkennachtschwalbe erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 23 bis 24 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 58 bis 65 Zentimeter sowie ein Gewicht von 70 bis 80 Gramm. In der Größe weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. In der Gefiederfärbung zeigen sich kleine Unterschiede. So weist die Schwanzspitze des Männchens ein weißliches Querband auf. Auch der deutlich sichtbare weiße Kehlfleck ist nur bei den Männchen vorhanden. Das Gefieder ist oberseits bräunlich bis graubraun gefärbt. Facettenreiche dunkle und helle Muster ziehen sich vom Kopf über den gesamten Rücken und die Flügel bis zum Schwanz. Die Bauchseite ist insgesamt etwas heller gefärbt und weist ebenfalls wellenartige Muster auf. Die Flügel sind lang und spitz zulaufend, der Schwanz ist ähnlich wie bei den Schwalben (Hirundinidae) gut sichtbar gegabelt. Der Schnabel ist kräftig und ausgesprochen breit. Die Extremitäten sind sehr kurz geraten, im Sitzen sind sie kaum zu sehen. Die einzelnen Unterarten unterscheiden sich geringfügig in der Gefiederfärbung.

Lebensweise

Falkennachtschwalben gehören zu den extremen Langstreckenziehern. Ihre Überwinterungsquartiere liegen in Südamerika und erstrecken sich hier von Kolumbien bis ins südöstliche Brasilien und ins nördliche Argentinien. Je nach Brutgebiet legen Falkennachtschwalben eine Zugstrecke von bis zu 11.000 Kilometern zurück. Der Zug erfolgt in der Regel in größeren Schwärmen von teilweise einigen Tausend Individuen. In den Brutgebieten treffen die Vögel erst sehr spät, meist im Mai, ein und ziehen bereits im Spätsommer wieder ab. Falkennachtschwalben benötigen relativ hohe Temperaturen. Dies dürfte der Grund für den kurzen Aufenthalt in den Brutgebieten sein. In kühlen Nächten oder auch an kühlen Tagen verharren Falkennachtschwalben an einem Ruheplatz regungslos, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Sie sind nur wenig gesellig und legen ein stark territoriales Verhalten an den Tag. Vor allem die Männchen reagieren auf Eindringlinge aggressiv und verteidigen ihr Revier, dass eine Größe von einigen Quadratkilometern aufweisen kann, vehement. Falkennachtschwalben sind überwiegend in der Dämmerung aktiv. Während dieser Zeit gehen sie auch auf Nahrungssuche. Die Ruhephasen verbringen die Vögel entweder in ihrem Nest oder an geschützten Plätzen in Bäumen. Am Tage kann man Falkennachtschwalben oft auf exponierten Ansitzwarten beobachten. Hier scheinen sie das Sonnenbaden zu genießen.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Chordeiles minor minor Forster, 1771 LC Kanada: Neufundland, Nova Scotia, Ontario,
Prince Edward Island, Québec;
Nordosten der USA
Chordeiles minor aserriensis Cherrie, 1896 LC Texas, USA und Mexiko
Chordeiles minor chapmani Coues, 1888 LC USA
Chordeiles minor henryi Cassin, 1855 LC USA
Chordeiles minor hesperis Grinnell, 1905 LC British Columbia, Kanada; Nordwesten der USA
Chordeiles minor howelli Oberholser, 1914 LC USA
Chordeiles minor neotropicalis Selander & Alvarez del Toro, 1955 LC Mexiko
Chordeiles minor panamensis Eisenmann, 1962 LC Mittelamerika
Chordeiles minor sennetti Coues, 1888 LC USA

Verbreitung

Die Brutgebiete der Falkennachtschwalben liegen je nach Unterarten in Mittel- und Nordamerika. Sie erstrecken sich von Kanada bis nach Panama in Mittelamerika. Die Winterquartiere liegen im nördlichen und zentralen Südamerika östlich der Anden. In den Brutgebieten sind Falkennachtschwalben in Bezug auf ihren Lebensraum nur wenig wählerisch. Sie sind sowohl sandigen Küstenstreifen als auch in Savannen, der offenen Prärie, lichte Wälder und deren Ränder anzutreffen. Höhenlagen werden aufgrund der Temperaturen strikt gemieden. Die Nähe zum Menschen wird keineswegs gemieden. So sind sie auch auf landwirtschaftlichen Flächen und in der Nähe von Siedlungsräumen anzutreffen. Die Nistplätze liegen zumeist in dichter Vegetation auf dem Boden und an ähnlich geschützten Stellen. Eine flache Erdmulde, die nur wenig ausgepolstert wird reicht ihnen bereits aus. Aufwändige Nester werden nicht errichtet.

Prädatoren

Falkennachtschwalben gehören zu den Bodenbrütern. Daher sind vor allem die Nester anfällig und werden oft von Raubvögeln und räuberisch lebenden Säugetieren heimgesucht. Zu den natürlichen Fleischfressern zählen in den Brutgebieten vor allem Streifenskunks (Mephitis mephitis), verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus), Kojoten (Canis latrans), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Raben und Krähen (Corvus) wie die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos), Greifvögel (Falconiformes) wie der Buntfalke (Falco sparverius) und Eulen (Strigiformes). Aber auch einigen Schlangenarten (Serpentes) haben es auf die Brut und die Eier der Falkennachtschwalben abgesehen. Trotz der guten Tarnung gehen viele Gelege verloren. Bei der Verteidigung von Revier und Brut weisen die Geschlechter unterschiedliche Aktivitäten auf. Während Männchen ihr Revier aktiv verteidigen und einen Angreifer durchaus heftig attackieren, legen Weibchen ein eher defensives Verhalten an den Tag. Weibchen versuchen einen Angreifer grundsätzlich vom Nest wegzulocken, ohne jedoch einen Angreifer anzugehen. Dabei sind sie in der Lage, Verletzungen vorzutäuschen, um so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Ernährung

Die Falkennachtschwalbe ernährt sich ausschließlich von Insekten (Insecta). Auf Nahrungssuche gehen die Vögel in der Dämmerung, gelegentlich auch in der Nacht. Insekten werden zumeist in der Luft erbeutet. Ihr breiter, schaufelartiger Schnabel ist für diese Art der Jagd wie geschaffen. Die großen Augen lassen auf einen hoch entwickelten Sehsinn schließen. Zur bevorzugten Nahrung gehören Käfer (Coleoptera), fliegende Ameisen (Formicoidea), Geradflügler (Orthoptera), Schmetterlinge (Lepidoptera), Wanzen (Heteroptera), Fliegen (Brachycera) und Mücken (Nematocera) sowie Hautflügler (Hymenoptera). Rund 50 Prozent der Nahrung entfallen dabei auf Käfer. Wasser nehmen Falkennachtschwalbe im niedrigen Flug direkt aus einem Gewässer auf.

Fortpflanzung

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Die Geschlechtsreife wird mit einem Jahr erreicht. Die Paarungszeit beginnt sehr spät, Falkennachtschwalben treffen im Mai, in nördlichen Regionen erst Anfang Juni in den Brutgebieten ein. Weibchen treffen ein bis zwei Wochen vor den Männchen ein. Sie wählt einen adäquaten Nistplatz aus und wartet auf die Ankunft der Männchen. Die Balz ist durch Balzflüge geprägt, die vom Männchen vorgetragen werden und mit Sturzflügen einhergehen. Bei den Sturzflügen werden durch die Flügel streifende Luft laute Geräusche erzeugt. Unmittelbar nach der Landung in unmittelbarer Nähe zu einem Weibchen präsentiert ein Männchen seine weiße Kehle und seinen Schwanz, der stark vibrierend präsentiert wird. Die Annäherung geht seitens des Männchens mit krächzenden Lauten einher, die über die Kehlmembrane produziert werden. Falkennachtschwalben leben in einer monogamen Einehe. Die Nester entstehen an geschützter Stelle zumeist in dichter Bodenvegetation. Den Vögeln reicht dabei eine einfache Mulde, in die ein Weibchen ein bis zwei, selten auch bis drei Eier legt. Die Eier weisen eine cremefarbene bis olivgraue Färbung und eine Größe von 3 mal 2,1 Zentimeter auf. Das Weibchen wärmt die Eier überwiegend alleine über einen Zeitraum von 18 bis 20 Tagen. Das Männchen wärmt die Eier meist nur in den Brutpausen des Weibchens, seine Hauptaufgabe ist die Revierverteidigung. In den frühen Abendstunden verlässt sie kurz das Nest um auf Nahrungssuche zu gehen. Die geschlüpften Küken sind beim Schlupf bereits weit entwickelt, auch ihre Augen sind bereits geöffnet. Das Dunengefieder dient vor allem der Tarnung. Die Küken werden von den Eltern ausschließlich mit Insekten gefüttert. Bereits im Alter von knapp drei Wochen erreichen die Jungvögel die Flugfähigkeit. Selbständig sind sie jedoch erst im Laufe der fünften Woche. Die Lebenserwartung liegt bei fünf bis sechs Jahren, selten wird ein Alter von acht oder gar neun Jahren erreicht.

Ökologie

Auf der Speisekarte der Falkennachtschwalben steht eine breite Palette an Insekten. Daher kommt ihnen eine ausgesprochen große Rolle im Ökosystem zu. Davon profitiert auch der Mensch, der auf diese ökologische Schädlingsbekämpfung gerne zurückgreift. Die Bestände der Falkennachtschwalben sinken seit Jahrzehnten. Vor allem der massive Einsatz von Pestiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln dürfte am Rückgang der Populationen die Hauptschuld tragen. Dennoch gilt die Art heute noch nicht als akut gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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