Felsen-Chipmunk

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Felsen-Chipmunk

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Streifenhörnchen (Tamiini)
Gattung: Chipmunks (Tamias)
Species: Felsen-Chipmunk
Wissenschaftlicher Name
Tamias dorsalis
Baird, 1855

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Felsen-Chipmunk (Tamias dorsalis) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Chipmunks (Tamias). Im Englischen wird dieses Hörnchen Cliff Chipmunk genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde eines Felsen-Chipmunks stammen aus dem späten Pleistozän und dem frühen Holozän. Sie stammen aus dem Crystal Ball Cave (Utah) und wurden in einer Höhe von 1.760 m über NN gefunden. Weitere Funde stammen aus dem Mormon Mountain Cave, Nevada, (Seehöhe 1.370 m) sowie aus dem Papago Springs Cave, Arizona, (Seehöhe 3.060 m). Im Laufe der letzten 20.000 Jahren hat sich das Verbreitungsgebiet kaum verändert.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße Felsen-Chipmunk erreicht eine Körperlänge von 21,7 bis 24,9 (23) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 8,5 bis 11,5 (10) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 3,4 bis 3,7 (3,5) Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,8 bis 2,3 (2,1) Zentimeter sowie ein Gewicht von 61 bis 74 Gramm. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Das Fell weist dorsal eine überwiegend gräuliche Färbung und eine leichte hellgraue bis cremefarbene Streifung auf. Lateral zeigt sich eine bräunliche Färbung, wobei die Schulter gräulich gefärbt sind. Der lange und buschige Schwanz ist bräunlich bis zimtbraun. Ventral ist das Fell cremefarben bis weißlich gefärbt. Markantes Merkmal sind die weißen Streifen, die sich über und unter den Augen befinden. Der obere weiße Streifen zieht sich von der Schnauzenspitze bis zum Ansatz der Ohren. Der untere Streifen erstreckt sich vom Auge bis in den Nacken. Begrenzt sind die hellen Streifen durch dunkle Streifen. Mit dieser Streifung ähnelt der Felsen-Chipmunk dem Graufuß-Chipmunk (Tamias canipes), dem Grauhals-Chipmunk (Tamias cinereicollis), dem Colorado-Chipmunk (Tamias quadrivittatus), dem Kleinen Chipmunk (Tamias minimus) und Tamias umbrinus. Der Schädel gleicht dem des Grauhals-Chipmunk, wobei der Hirnschädel des Felsen-Chipmunk ein wenig flacher und länger ausfällt. Auch die Schneidezähne sind ein wenig breiter als beim Grauhals-Chipmunk. Der Penisknochen (Baculum) erreicht eine Länge von 3,95 bis 4,89 Millimeter, der Durchmesser beträgt an der Basis 0,74 Millimeter. Die Weibchen verfügen über 4 Paare Zitzen zum Säugen des Nachwuchses. Zwei Paar Zitzen liegen abdominal, ein Paar inguinal (in der Leistengegend) und ein paar Zitzen pectoral (im Brustbereich). Felsen-Chipmunks wechseln 2 mal im Jahr ihr Fell. Dies ist im Frühjahr und Herbst der Fall.

Lebensweise

Felsen-Chipmunks führen eine sehr zurückgezogene und schüchtere Lebensweise. Sie sind daher nur selten zu beobachten. In unmittelbarer Nähe zum Menschen halten sie sich in der Regel nicht auf. Offene Landschaften werden meist gemieden. Büsche, Bäume und andere Vegetationsteile dienen den Tieren aus Schutz vor Fleischfressern und bei zu starker Sonneneinstrahlung. Felsen-Chipmunks sind ausgesprochen territorial und beanspruchen je nach Geschlecht und Habitatqualität ein Revier in einer Größe von durchschnittlich 0,9 Hektar. Vom Kernrevier erstreckt sich der Aktionsradius meist nur um die 100 Meter. Nahrungsbedingt kann es jahreszeitlich zu kleineren Migrationen kommen. Felsen-Chipmunks können durchaus gut klettern. So ist bereits beobachtet worden, dass sie Kakteen hinaufklettern. Nester werden in Kakteen jedoch nicht errichtet. Die Tiere sind das ganze Jahr über aktiv. Im Winter halten sie sich jedoch in ihren Bauten auf und zehren von den Nahrungsvorräten. Die aktivste Zeit liegt zwischen Februar und November, in nördlichen Regionen wie Utah von März bis in den Spätherbst hinein. Felsen-Chipmunks sind tagaktiv und verbringen die Nachtruhe in ihren Bauten. Die Hauptaktivität entfalten sie dabei in den frühen Morgen- und Abendstunden. Im Sommer wird die Mittagszeit wegen der hohen Sonneneinstrahlung gemieden. Untersuchungen in Utah haben ergeben, dass Felsen-Chipmunks 57 Prozent des Tages für die Nahrungssuche aufwenden, 12 Prozent für die Schlaf- und Ruhephasen, 13 Prozent für die Bewegung (Locomotion), 8 Prozent Wachsamkeit (bezogen auf Prädatoren), 7 Prozent Sozialverhalten und 6 Prozent Fellpflege. Weibchen wenden deutlich mehr Zeit für die Nahrungssuche und -aufnahme auf als Männchen.

An Nahrungsplätzen kann es zu Ansammlungen von Felsen-Chipmunks kommen. Zu einem direkten Kontakt kommt es jedoch nicht. Es wird meist ein Abstand von 3 bis 10 Metern eingehalten. Auf dieser Entfernung verständigen sich die Tiere gelegentlich mit zwitschernden Lauten. Innerhalb einer solchen lockeren Gruppe dienen die Zwitscherlaute zur Identifizierung und zur Positionsbestimmung. Abgesehen von derartigen Nahrungsgründen dulden Felsen-Chipmunks keine Artgenossen in ihrer Nähe. Dringt jedoch ein Artgenosse in das eigene Revier ein, so kann es durchaus zu Verfolgungsjagden und in letzter Konsequenz auch zu Kommentkämpfen kommen. Die Erdbauten und die Nester der Felsen-Chipmunks befinden sich in felsigen Habitaten. Als Unterschlupf dienen Felsspalten, unterirdische Höhlen, unterhöhlte Steine sowie Baumhöhlen und umgestürzte oder abgestorbene Bäume.

Der Kommunikation untereinander dienen 3 verschiedene Laute. Dies sind hauptsächlich ein bellender Laut (normale Kommunikation), zischende Laute (bei Gefahr und Anspannung) sowie hohe, schrillende Töne bei direkter Bedrohung. Die typische Pose ist eine aufrechte Alarmposition. Die bellenden Laute werden auch in stehender, liegender und in hockender Position ausgestoßen. Das lautstarke Zwitschern geht mit zuckenden Schwanzbewegungen einher. Die zirpenden und zwitschernden Lauten weisen eine Frequenzzahl von 146 bis 172/min auf. Teil der Körperpflege ist das Staubbaden, wobei sie sich seitwärts und gekrümmt synchron mit den Vorder- und Hinterbeinen einzelne Körperteile mit feinem Staub bestäuben. Diese Prozedur dauert zwischen 3 und 5 Sekunden und wird mehrmals wiederholt.

Unterarten

Verbreitung

Felsen-Chipmunk sind in Mexiko und in den südwestlichen US-Bundesstaaten verbreitet. Im Mexico werden die Bundesstaaten Coahuila, Durango und Sonora besiedelt, in den USA die Bundesstaaten Arizona, Colorado, Idaho, Nevada, New Mexico, Utah und Wyoming. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich dabei von den Rocky Mountains bis ins zentrale Mexiko. Die Tiere sind üblicherweise in Höhen von 1.500 bis 3.700 Metern in felsigen und steinigen Habitaten anzutreffen. In der Sonora und den Lavafeldern im südlichen Arizona leben die Tiere auch auf Seehöhe. Der Lebensraum der Felsen-Chipmunks ist geprägt durch Einblättrigen Kiefern (Pinus monophylla), Wacholder (Juniperus), Ahorne (Acer), Eichen (Quercus), Melden (Atriplex), Dach-Trespen (Bromus tectorum) und Gelb-Kiefern (Pinus ponderosa). Dies trifft vor allem auf die nördlichen Verbreitungsgebiete zu. In südlichen Regionen wie in Mexiko oder den südlichen US-Bundesstaaten treten auch Pappeln (Populus), Douglasien (Pseudotsuga), Alligator-Wacholder (Juniperus deppeana), Mexikanische Weymouths-Kiefern (Pinus ayacahuite), Erdbeerbäume (Arbutus), Bärentrauben (Arctostaphylos) und unterschiedliche Arten von niedriger Buschvegetation in Erscheinung.

Biozönose

Prädator: der Buntfalke (Falco sparverius)
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Prädator: der Buntfalke (Falco sparverius)

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören insbesondere Greifvögel (Falconiformes) wie der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Buntfalke (Falco sparverius). Unter den Säugetieren (Mammalia) stellen den Chipmunks auch Silberdachse (Taxidea taxus), Kojoten (Canis latrans), Langschwanzwiesel (Mustela frenata) und verwilderte Hauskatzen (Felis catus) nach. Aber auch die Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) gilt als ein gefährlicher Fleischfresser. Sie kann einen Felsen-Chipmunk durchaus auch in ihren Unterschlupf folgen.

Parasiten

Der Felsen-Chipmunks dient zahlreichen Ekto- und Endoparasiten als Wirt. Hier sind vor allem Dasselfliegen (Oestridae) zu nennen. Sie nisten sich im Bereich der Hoden, im Nacken und auf der Bauchseite ein und können zahlreiche Infektionen auslösen. Weitere Parasiten konnten den Flöhen (Siphonaptera) und Tierläusen (Phthiraptera) zugeordnet werden.

Konkurrenz

In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes leben Felsen-Chipmunks in Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz mit anderen Tiere. Hier sind je nach Region und Habitat insbesondere die nah verwandte Art Tamias umbrinus sowie das Felsenhörnchen (Spermophilus variegatus) zu nennen.

Ernährung

Felsen-Chipmunks sind opportunistische Pflanzenfresser. Sie ernähren sich von Sämereien, Beeren und grünen Pflanzenteilen. Besonders beliebt sind zum Beispiel Eicheln und Wacholderbeeren. Weit oben auf der Speisekarte stehen je nach Verbreitungsgebiet Salzkräuter (Salsola), Felsenbirnen (Amelanchier), Großer Bocksbart (Tragopogon dubius), Rispengräser (Poa), verschiedene Doldengewächse (Apiaceae), Kratzdisteln (Cirsium), Rosen (Rosa), Opuntien (Opuntia), Dreilappiger Sumach (Rhus trilobata), die Sämereien verschiedener Korbblütler (Asteraceae), Lupinen (Lupinus) und Nesselbäume (Celtis). Lokal kann die aufgenommene Art der Nahrung stark schwanken. Nur selten nehmen sie auch tierische Kost in Form von Insekten (Insecta), deren Larven, Vogeleier, Lurche (Amphibia) und ähnliches zu sich.

In Zeiten reichlich vorhandener Nahrung legen die Tiere Nahrungsvorräte an. Die Vorräte dienen vor allem im Winter der Ernährung. Besonders gerne werden die Sämereien von Kiefern (Pinus) und Nüsse sowie andere fettreiche Sämereien gehortet. Die Nahrung wird in der Regel in geringer Tiefe im Boden vergraben. Auf das Vorhandensein von Wasser sind Felsen-Chipmunks nicht angewiesen. Sie decken ihren Wasserbedarf über Tau und ihre Nahrung. Ist Trinkwasser vorhanden, so nehmen die Tiere dieses durchaus zu sich. Dies können beispielsweise temporäre Pfützen sein.

Fortpflanzung

Der Felsen-Chipmunk erreicht die Geschlechtsreife mit ein bis zwei Jahren. Eher selten pflanzen sich die Tiere schon Anfang des zweiten Lebensjahres fort. Die Paarungszeit beginnt in den nördlichen Regionen wie Arizona oder Utah nach der Ruhephase im Winter. Dies ist in der Regel ab dem späten Frühjahr, also zwischen April und Mai der Fall. In südlichen Regionen wie etwa der Sonorawüste kommt es durchaus auch schon ab März zu den ersten Paarungen. Während dieser Zeit kommt es in der Regel zu einem Wurf. In Arizona sind jedoch auch Weibchen mit mehreren Würfen in einer Saison beobachtet worden. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander, ansonsten leben sie einzelgängerisch. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Männchen mit mehreren Weibchen paart und mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun hat. Dieses obliegt einzig dem Weibchen. Um ein Weibchen bemühen sich zumeist mehrere Männchen. Sie paart sich dabei in der Regel der Reihe nach mit mehreren Männchen. Während der Balz kommt es ähnlich wie bei den Eichhörnchen (Sciurus) zu regelrechten Verfolgungsrennen zwischen einem Weibchen und mehreren Männchen, an deren Ende die Kopulation steht.

Nach einer Tragezeit von gut 28 bis 30 (29) Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau zwischen 5 und 6, selten auch bis 7 Jungtiere zur Welt. Ein durchschnittlicher Wurf umfasst in der Regel 5 Jungtiere. Bei einjährigen Weibchen ist ein Wurf immer kleiner als bei älteren Weibchen. Der Nachwuchs ist bei der Geburt noch nackt und blind. Im Laufe der nächsten sechs Wochen entwickeln sich die Jungtiere jedoch rasch. Das erste Fell stellt sich nach 10 Tagen ein, mit 20 Tagen öffnen sich die Ohren, mit 28 bis 30 Tagen die Augen. Die Säugezeit erstreckt sich über 6 bis 7 Wochen. Ab diesem Zeitpunkt lassen sich die Jungtiere erstmals vor dem Bau sehen. Im Alter von etwa 3 Monaten haben die Jungtiere ihre Selbständigkeit erreicht und verlassen die Mutter. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei 3 bis 4, selten bei 5 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Felsen-Chipmunks gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In der Nähe des Menschen, vor allem in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen sind Felsen-Chipmunks nicht gerne gesehen, da sie durchaus Schäden an Pflanzungen anrichten können. Aufgrund der geringen Siedlungsdichte können diese Schäden jedoch nur gering sein.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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