Festland-Bürstenkänguru

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Festland-Bürstenkänguru

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Überordnung Australidelphia
Ordnung: Diprotodontia
Familie: Rattenkängurus (Potoroidae)
Gattung: Bürstenkängurus (Bettongia)
Art: Festland-Bürstenkänguru
Wissenschaftlicher Name
Bettongia gaimardi
(Desmarest, 1822)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Das Festland-Bürstenkänguru (Bettongia gaimardi) zählt innerhalb der Familie der Rattenkängurus (Potoroidae) zur Gattung der Bürstenkängurus (Bettongia). Im Englischen wird die Art Eastern Bettong oder Tasmanian Bettong genannt. Der Namensbestandteil "Festland" irritiert ein wenig, denn auf dem australischen Festland ist die Art bereits seit 100 Jahren ausgestorben. Eine Unterart hat jedoch auf Tasmanien überlebt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Bürstenkängurus (Bettongia) konnten auf das frühe Pleistozän (1,8 bis 1,5 Millionen Jahren) datiert werden. Sie stammen aus Fishermans Cliff in New South Wales. Fossile Funde vom Festland-Bürstenkänguru stammen aus dem späten Pleistozän und weisen demnach ein Alter von rund 50.000 Jahren auf. Sie stammen aus dem Victoria Cave in South Australia. Die ältesten auf Tasmanien gefundenen Fossilien stammen aus der Zeit von 30.840 bis 2.500 Jahren vor heute.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das schlank gebaute Festland-Bürstenkänguru weist eine Gesamtlänge von 65 Zentimeter, eine Körperlänge von 33 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 32 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 11,65 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2,14 Zentimeter, eine Schädellänge von 9 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.200 bis 2.300 Gramm auf. Das Fell ist überwiegend graubraun gefärbt, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Das Fell der Jungtiere ist deutlich dunkler gefärbt. Markante Merkmale sind die relativ langen, känguruartigen Hinterfüße und der lange Schwanz. Die Schwanzlänge übertrifft dabei die Kopf-Rumpf-Länge. Bettongia gaimardi gaimardi ist insgesamt etwas größer als Bettongia gaimardi cuniculus, die basale Schädellänge ist etwa 10 Prozent größer. Das Festland-Bürstenkänguru weist innerhalb der Gattung der Bürstenkängurus (Bettongia) den größten Schädel auf. Der Schädel weist ein Volumen von 66 ml auf. Er ist zwar recht kurz, jedoch relativ breit. Die Augen sind rundlich geformt, die Vorderarme sind zwar recht kurz, jedoch ausgesprochen muskulös. Die Vorderfüße sind schlank gebaut und enden in 5 Zehen, die Hinterfüße enden in 4 Zehen.

Festland-Bürstenkängurus verfügen über 50 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 6 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 2 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 22 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Die Anzahl der Rippen liegt bei 13 Paar. Das Gebiss verfügt in der Regel über 34 Zähne. Die zahnmedizinische Formel schwankt je nach Alter, sie lautet i1-3/1, c1/0, p2-3/2-3, m1-4(5)/1-4(5). Die Stoffwechselrate (Grundumsatz) liegt im Ruhezustand außerhalb der Paarungszeit bei 229 kJ kg-0,75 O2 g-1 h-1. Bei Weibchen mit zu säugendem Nachwuchs steigt die metabolische Rate um gut 24 Prozent auf 287 kJ. Die Körpertemperatur schwankt im Verlaufe eines Tages zwischen 36,2 und 37,5 Grad Celsius. Im Analbereich verfügen Festland-Bürstenkängurus über Drüsen, über die ein Sekret abgegeben wird, das im Wesentlichen der Markierung und der Kommunikation dient. Im Beutel der Weibchen sind 4 Zitzen zum Säugen des Nachwuchses vorhanden. Die Muttermilch weist zwischen 1 und 10 Gramm Kohlenhydrate/100 ml auf. Der Anteil an Fett liegt bei 14 Gramm/100 ml, Proteine liegen bei 10 bis 13 Gramm/100 ml.

Lebensweise

Festland-Bürstenkängurus leben einzelgängerisch und sind ausschließlich in der Nacht aktiv. Die Siedlungsdichte auf Tasmanien liegt bei etwa 19 Tiere je km². Die Reviere der Festland-Bürstenkängurus liegen, trotz ihrer geringen Größe, je nach Geschlecht bei erstaunlichen 35 bis 55 Hektar. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer als die der Weibchen. Während ihrer aktiven Zeit sind sie unermüdlich auf der Suche nach Nahrung. Sie legen in 30 Minuten bis zu 600 Meter zurück. Innerhalb ihrer Reviere nutzen Festland-Bürstenkängurus zwischen 5 und 10 Nester. Nicht selten werden diese täglich gewechselt, gelegentlich verbringen die Tiere aber auch einige Tage in einem Nest.

Unterarten

Prädator: der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)
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Prädator: der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)

Verbreitung

Die Unterart Bettongia gaimardi gaimardi war im südlichen Australien, insbesondere in den Küstenregionen von Victoria sowie im östlichen New South Wales und im südöstlichen South Australia verbreitet. Sie starb jedoch vor rund 100 Jahren aus. Bettongia gaimardi cuniculus ist auf Tasmanien weit verbreitet und ist hier noch häufig anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet des Festland-Bürstenkängurus überschneidet sich mit Bettongia lesueur und Bettongia penicillata.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Festland-Bürstenkängurus gehören insbesondere der Keilschwanzadler (Aquila audax), der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus), verwilderte Hauskatzen (Felis catus), eingeschleppte Rotfuchses (Vulpes vulpes) und der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii). In früheren Zeiten gehörte auch der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) zu den bekannten Prädatoren.

Ernährung

Nahrungskonkurrent: das Langschnauzen-Kaninchenkänguru (Potorous tridactylus).
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Nahrungskonkurrent: das Langschnauzen-Kaninchenkänguru (Potorous tridactylus).

Festland-Bürstenkängurus sind in erster Linie eifrige Pilzfresser. Dies trifft insbesondere auf Mykorrhizapilze zu, die eine Symbiose mit Pflanzen eingehen. Die sporenbildende Fruchtkörper, die sogenannten Sporokarps, stellen den Hauptteil von rund 80 Prozent an Nahrung dar. Neben Pilzen ernähren sich Festland-Bürstenkängurus jedoch auch von Sämereien, Früchten, grünen Pflanzenteilen, Blättern, Wurzeln und von Knollen sowie von kleinen wirbellosen Tieren. Das Verdauungssystem ist perfekt an die Verdauung dieser Nahrung angepasst. Die Verdauung erfolgt durch Fermentation. Auf Tasmanien leben Festland-Bürstenkängurus in Nahrungskonkurrenz zu den Langschnauzen-Kaninchenkängurus (Potorous tridactylus).

Fortpflanzung

Die Weibchen der Festland-Bürstenkängurus erreichen die Geschlechtsreife mit 8 bis 11 Monaten, also gegen Ende des ersten Lebensjahres, Männchen meist erst im Laufe des zweiten Lebensjahres. Da die Tiere einzelgängerisch leben, treffen die Geschlechter für gewöhnlich nur zur Paarung aufeinander. Die Paarungszeit kann sich über das ganze Jahr erstrecken. Ein Männchen paart sich in der Regel mit mehreren Weibchen. Es ist also von einer polygamen Lebensweise auszugehen. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich über 22,6 Tage. Das Hodengewicht geschlechtsreifer Männchen liegt bei 5,74 Gramm. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 21,6 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 2 (1) Jungtiere zur Welt. Zwischen den einzelnen Würfen liegen durchschnittlich 106 Tage. Pro Jahr bringt ein Weibchen rund 3 bis 3,5 Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere kriechen unmittelbar nach der Geburt selbständig in den Beutel und saugen sich hier an einer der 4 Zitzen fest. Aufgrund der nährstoffreichen Milch wachsen die Jungtiere rasch heran. Nach 7 Tagen im Beutel weisen sie ein Gewicht von 1 Gramm auf, nach 14 Tagen 2 Gramm und nach 21 Tagen 4 Gramm. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt spätestens nach 15 Wochen. Im Alter von 12 Wochen weisen die Jungtiere ein Gewicht von 250 Gramm auf. Zu diesem Zeitpunkt öffnen die Jungtiere erstmals ihre Augen. Die adulte Größe wird mit einem Gewicht von 1.400 Gramm erreicht. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei etwa 6 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Auch wenn die Nominatform des Festland-Bürstenkänguru als ausgestorben gilt, so ist die Art an sich noch nicht vom Aussterben bedroht. Seit 2008 steht die Art jedoch auf der Vorwarnstufe und wird in der Kategorie NT, Near Threatened geführt. Der letzte Rückzugspunkt liegt auf Tasmanien, wo die Tiere auch heute noch mehr oder weniger ungestört leben können. Aber auch auf Tasmanien ist eine Bedrohung durch die schleichende Urbanisierung und Vernichtung der natürlichen Lebensräume nicht von der Hand zu weisen, denn nur etwa 5 Prozent der Lebensräume liegen in geschützten Nationalparks.

Anhang

Literatur und Quellen

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