Flachland-Taschenratte

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Flachland-Taschenratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Geomyinae
Tribus: Geomyini
Gattung: Flachland-Taschenratten (Geomys)
Art: Flachland-Taschenratte
Wissenschaftlicher Name
Geomys bursarius
Shaw, 1800

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Flachland-Taschenratte (Geomys bursarius) zählt innerhalb der Familie der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung der Flachland-Taschenratten (Geomys). Im Englischen wird die Flachland-Taschenratte Plains Pocket Gopher genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Flachland-Taschenratte erreicht eine Körperlänge von 23 bis 32 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6 bis 10 Zentimeter sowie ein Gewicht von durchschnittlich 350 Gramm. Das kurze aber dichte Fell weist eine bräunliche bis schwarzbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell deutlich heller gefärbt. Der eher kurze Schwanz ist nur spärlich behaart. Der Körper ist an das Leben unter der Erde optimal angepasst. Er hat eine gedrungene und walzenartige Form, der Kopf scheint gleich auf dem Körper aufzusitzen. Die Extremitäten sind kurz aber kräftig ausgeprägt. Die Zehen enden in jeweils kräftige Krallen. Mit den Krallen graben sich die Tiere mühelos ihre Erdbauten. Seitlich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Im Wangenbereich befinden sich große Backenbeutel, die dem Zwischenspeichern von Nahrung dienen. Markant sind dabei die kräftigen Schneidezähne, die sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer liegen. Mit ihnen können Flachland-Taschenratten mühelos auch harte Wurzeln zerschneiden. Das kräftige Gebiss besteht aus 20 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3.

Lebensweise

Flachland-Taschenratten halten sich wie alle Taschenratten überwiegend unter der Erde auf. Sie bewohnen hier selbst gegrabene Erdbauten. An die Erdoberfläche kommen sie nur gelegentlich zur Nahrungssuche. Die Gänge, die zu den Wohnkammern führen, weisen einen Durchmesser von rund 4 Zentimeter auf. Die Gänge und Tunnels verlaufen meist in niedriger Tiefe, knapp unterhalb der Grasnabe. Die Wohnkammer erreicht einen Durchmesser von gut 20 bis 30 Zentimeter und eine Höhe von etwa 15 Zentimeter. Eine solche Wohnkammer befindet sich in einer Tiefe von 48 bis 150 Zentimeter. Die durchschnittliche Tiefe beträgt rund 90 Zentimeter. Kleinere Kammern dienen als Kotplatz oder als Vorratslager. Die Wohnkammern, die sich in Tiefen von 30 bis 50 Zentimeter befinden, sind mit weichen Pflanzenteilen und trocknen Gräsern ausgepolstert. Die Tiere halten während der kalten Jahreszeit keine Winterruhe, jedoch legen sie für Mangelzeiten Nahrungsvorräte an. Flachland-Taschenratten leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich im Grunde nur kurz während der Paarungszeit. Sie sind durchaus als territorial zu bezeichnen, die beanspruchten Reviere weisen je nach Lebensraumqualität eine Größe von 100 bis 200 Quadratmeter auf. Die Gänge zur Oberfläche weisen in der Regel einen Winkel von 45 Grad auf. Die Reviere der Männchen sind etwas größer und überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Taschenratten sind überwiegend in der Nacht aktiv, dies gilt vor allem für die Nahrungssuche, die in der Nacht in den Gängen und an der Erdoberfläche stattfindet. Wurzeln und Knollen werden ausschließlich unterirdisch gefunden.

Verbreitung

Flachland-Taschenratten sind in den USA westlich des Mississippi bis zu den Rocky Mountains, südwestlich bis nach Texas und ins nordöstliche Mexiko verbreitet. Im Nordosten ist die Art über die Great Plains bis ins südöstliche Kanada anzutreffen. Im Einzelnen sind die Tiere in den USA in den Bundesstaaten Colorado, Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Minnesota, Missouri, Nebraska, New Mexico, North Dakota, Oklahoma, South Dakota, Texas, Wisconsin und Wyoming verbreitet. Lichte Wälder der Ebene, Savannen und offenes Grünland gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Sandige und lockere Böden werden dabei bevorzugt. Harte Lehmböden und ähnliche Bodenarten werden als Lebensraum nicht angenommen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Flachland-Taschenratten gehören insbesondere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), die Schleiereule (Tyto alba), die Waldohreule (Asio otus) oder der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Aber auch Säugetiere wie Raubtiere (Carnivora) stellen den Tieren nach. Nicht selten graben Räuber die Tiere aus ihren Bauten heraus. Unter den Säugern treten insbesondere Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Kitfüchse (Vulpes velox), Fichtenmarder (Martes americana), Silberdachse (Taxidea taxus) und Kojoten (Canis latrans) als Fleischfresser in Erscheinung.

Ernährung

Flachland-Taschenratten ernähren sich wie alle Taschenratten rein vegetarisch. Auf ihrer Speisekarte stehen Knollen und Wurzeln, Sämereien, Eicheln und andere Waldfrüchte. Lokal und saisonal kann sich das Nahrungsangebot deutlich unterscheiden. So werden je nach Verbreitungsgebiet unter anderem Beifußgewächse (Artemisia), Bartfaden (Penstemon), verschiedene Süßgräser (Poaceae), Raublattgewächse (Boraginaceae), Opuntien (Opuntia), Trespen (Bromus) und Kreuzdorn (Rhamnus) gefressen. Trinkwasser nehmen Flachland-Taschenratten nicht zu sich, der Wasserbedarf wird ausschließlich über die Nahrung gedeckt. Nahrung wird sowohl auf der Erdoberfläche als auch unter der Erde in Form von Wurzeln und Knollen gesucht. In Zeiten reichhaltiger Nahrung legen die Tiere in ihren Erdbauten Vorräte an.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Flachland-Taschenratten im Alter von gut 3 bis 4 Monaten. Zur ersten Paarung kommt es vor allem bei den Weibchen jedoch erst im ersten Frühjahr nach der Geburt, also im Alter von knapp einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das Frühjahr und den Sommer. In den meisten Regionen konzentriert sich die Paarungszeit jedoch über das Frühjahr und den Frühsommer, dies trifft vor allem auf die nördlichen Populationen zu. Je nach Verbreitungsgebiet kann es in einer Saison zu 2 bis 3 Würfen kommen. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 18 bis 20 Tagen 1 bis 3, selten bis 4 Jungtiere zur Welt. Zur Geburt kommt es in den unterirdischen Bauten der Weibchen. Die Jungtiere sind nur wenig entwickelt. Sie sind nackt, blind, wiegen bei der Geburt zwischen kaum 5 Gramm und weisen eine Körperlänge von etwa 87 Millimeter auf. Die Augen und Ohren öffnen sie zu Beginn der vierten Lebenswoche. Im Alter von rund 50 Tagen werden die Jungtiere von der Muttermilch abgesetzt und ernähren sich ab diesem Zeitpunkt von fester Nahrung. Die Selbständigkeit wird nach zwei Monaten erreicht. Ausgewachsen sind die Jungtiere im Alter von gut drei Monaten. Die Lebenserwartung einer Flachland-Taschenratte liegt bei ein bis zwei Jahren. Ein Alter von drei oder gar vier Jahren wird aufgrund der vielen Fleischfresser nur selten erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Flachland-Taschenratten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least concern) geführt. In der Nähe des Menschen, insbesondere auf landwirtschaftliche Flächen, ist die Flachland-Taschenratte nicht gern gesehen, da sie als Schädling angesehen wird. Auch in den Vorstädten empfindet man die Tiere als lästig. Dabei sind Flachland-Taschenratten durchaus nützliche Tiere, die vor allem für die Belüftung des Bodens sorgen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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