Fleckenkauz

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Fleckenkauz

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Überordnung: Strigimorphae
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Unterordnung: Strigi
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Käuze (Strix)
Art: Fleckenkauz
Wissenschaftlicher Name
Strix occidentalis
Xantus de Vesey, 1860

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Der Fleckenkauz (Strix occidentalis), auch unter dem Synonym Syrnium occidentale bekannt, zählt innerhalb der Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) zur Gattung der Käuze (Strix). Die englische Bezeichnung des Fleckenkauzes lautet Spotted Owl.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Fleckenkauz ist ein mittelgroßer Vogel. Das Weibchen ist in der Regel größer als das Männchen. Das Weibchen erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von etwa 48 Zentimeter und eine Flügelspannweite von 109 Zentimeter. Das Männchen erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von etwa 46 Zentimeter und eine Flügelspannweite von 106 Zentimeter. Die durchschnittliche Länge der linken und rechten Ohröffnung beträgt 17,5 Millimeter und 22 Millimeter. Das Gewicht beträgt etwa 518 bis 750 Gramm. Der Fleckenkauz weist einen rundlichen Kopf und große dunkelbraune Augen auf. Sein weiches, flauschiges, braunes Gefieder zeigt insbesondere auf der Brust und auf dem Bauch kräftige weiße Tupfer. Die Flügel, der Rücken, der Kopf sowie der Hinterkopf sind weniger weißlich gefleckt. Je nachdem, wie dick das Gefieder ist, variieren die Intensität der Färbung und die weißliche Fleckenbildung. Populationen, die an der Küste in einem feuchteren Klima leben weisen im allgemeinen ein dunkleres Gefieder auf, während die Populationen, die in bergigen Regionen in Arizona und in Mexiko vorkommen, ein helleres Gefieder und mehr weißliche Flecken aufweisen. Dieses unterschiedliche Aussehen ist eine evolutionäre Anpassung an die klimatischen Schwankungen. Die hellbraunen Gesichtsscheiben sind konzentrisch dunkelbraun beringt. Die Augenbrauen, die Zügel sowie der Schnabel weisen eine graue Färbung auf. Der Fleckenkauz bringt unterschiedliche Rufe hervor. Der typische Ruf des Fleckenkauzes besteht aus mehreren drei oder vier beachtlichen Anmerkungen etwa wie "Whoop wu-hu hoo". Das Männchen und das Weibchen verständigen sich untereinander in ihrem Territorium mit diesem Ruf. Während territoriale Streitigkeiten meist mit aufgeregten Rufen begleitet werden. Andere Laute sind eine Serie von sieben bis fünfzehn heulenden oder buhenden Rufen, die während der Streitigkeiten oder zwischen paarenden Vögeln geäußert werden. Eine Reihe von drei bis sieben schnellen bellenden Rufen hört man in der Regel von dem Weibchen, wenn es sich um territoriale Streitigkeiten handelt. Und dann gibt es noch einen Nestruf, der während der Brutzeit geäußert wird. Wenn der Fleckenkauz beunruhigt ist, dann hört man von ihm ein Grunzen, ein Stöhnen und ein Schnattern. Der Kontaktruf des Weibchens ist ein lautes "co-weeep", der dann vom Männchen erwidert wird.

Lebensweise

Der Fleckenkauz ist ein nächtlicher Vogel, außer wenn das Weibchen den Nachwuchs mit Nahrung versorgen muß, dann wird auch am Tage gejagt. Während des Tages versteckt sich der Fleckenkauz im Schatten eines Baumes, wo sich die Färbung seines Gefieders der Umgebung sehr gut anpasst. Hohe Lufttemperaturen über 27 Grad Celsius sind für den Fleckenkauz sehr unangenehm. Um die Hitze besser überstehen zu können, hat der Fleckenkauz bestimmte thermoregulatorische Strategien entwickelt. In der Bergregion sucht er nach einem kühleren Komfort, indem er sich auf die Nordseite der Berghänge und den Canyonwänden zurückzieht. Des Weiteren positioniert er sich am Tage im tiefen Schatten der Bäume und hebt in der Ruhephase abwechselnd seine Füße und Zehen an, um so die Wärmeverdunstung zu maximieren. Zusätzlich flattert der Fleckenkauz bei teilweise offenem Schnabel mit den Flügeln, um so eine rasche Verdunstung zu ermöglichen. Der Fleckenkauz ist ein reiner Prädator und ein qualifizierte Jäger, der sich mehr über den Hörsinn als über den Sehsinn nach Beute orientiert. Die Jagd erfolgt häufig durch dichten Baumbewuchs als auf dem Waldboden oder in einem offenen Bereich. Die Fänge erfolgen in der Regel durch einen Sturzflug und das Ergreifen der Beute mit den scharfen Klauen. Gelegentlich werden auch kleinere Vögel im Flug erbeutet.

Unterarten

Verbreitung

Der Fleckenkauz lebt im westlichen Nordamerika, in den Bergen und in den feuchten Wäldern im südwestlichen Festland von British Columbia, südlich und westlich in den Bergregionen von Washington, im Westen von Oregon und im westlichen und südlichen Teil von Kalifornien. Außerdem kommt er in den westlichen und südlichen Bergregionen der Sierra Nevada vor. Des Weiteren hält sich der Fleckenkauz in der Rocky Mountain Region südlich von Utah und im Südwesten und im Süden von Colorado, südlich zentral in den Bergketten von Arizona, New Mexico sowie im extremen nordwestlichen Texas und im zentralen Mexiko auf. Der Fleckenkauz ist in der Regel ein Standvogel, außer im Winter, wenn die Fallwinde in den Bergen zu extrem sind, dann zieht er in niedrig gelegene Regionen. Der Fleckenkauz ist ein Vogel, der in dichten und dunklen Wäldern mit altem Baumbewuchs lebt. Aber es können auch gemischte feuchte Nadelwälder mit altem Baumbewuchs oder Laubwälder mit Kanadischen Pappeln, Erlen, Eichen sowie Bergahorn sein. In der Regel bezieht der Fleckenkauz Wälder mit Tannen oder Douglas-Tannen. Auch entlang steiler Berghänge in Flusstälern trifft man den Fleckenkauz an. Des Weiteren werden schattige Berghänge mit unterschiedlichen Bodenschichten und bewaldete Schluchten flacher Hochebenen bevorzugt.

Ernährung

Die Jagd erfolgt hauptsächlich in der Nacht, in der Regel nur nach Sonnenuntergang und endet eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Der Fleckenkauz sitzt und wartet auf einem Ast bis er ein Beutetier erspäht hat und ergreift die Beute in einem Sturzflug mit seinen spitzen Klauen. Gelegentlich wird auch ein Tier im Flug erbeutet. Manchmal wird die Beute für eine spätere Mahlzeit zwischengespeichert. Der Fleckenkauz wendet eine gewisse Technik beim Verzehr der Beute an, indem er dem Opfer ein Ohr abreißt und die Wirbelsäule durch eine Drehung mit dem Schnabel bricht. Das Beutetier wird immer mit dem Kopf voran verspeist. Nach dem Verzehr des Beutetieres fliegt der Fleckenkauz dann zu einem nahe gelegenen Fluss, um zu trinken. Der Fleckenkauz ernährt sich hauptsächlich von Gleithörnchen (Pteromyini) und von Baumratten (Capromyidae) sowie von Taschenratten (Geomyidae), Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) und Hasen (Lepus). Im Sommer ist die Nahrung vielfältiger, so verspeist er eine Vielzahl von Hirschmäusen (Peromyscus maniculatus) und von Wühlmäusen (Arvicolinae). Das Nahrungsspektrum des Fleckenkauzes umfaßt etwa 30 Säugetierarten, unter anderem auch Fledermäuse (Microchiroptera) und 23 Vogelarten. Des Weiteren verspeist der Fleckenkauz auch Schlangen (Serpentes), Grillen (Gryllidae), Käfer (Coleoptera) sowie Motten (Tineidae). Gelegentlich sucht der Fleckenkauz in der Nacht auch Campingplätze auf, um die Essensreste zu verzehren. Das Gewölle ist sehr groß und kompakt und mißt über 5,1 bis 7,6 Zentimeter und enthält zahlreiche Knochen, Schädel, Zähne und wird in der Regel mit Fell und Schleim zusammengehalten.

Fortpflanzung

Der Fleckenkauz erreicht die Geschlechtsreife mit gut zwei oder drei Jahren. Die Brutzeit findet in den Monaten von März bis September statt. Das Timing und der Erfolg in der Reproduktion hängen stark vom Beutevorkommen ab und nicht alle Paare brüten jedes Jahr. Der Fleckenkauz führt eine monogame Einehe und die Paarbindung hält ein Leben lang. Außer wenn ein Partner stirbt, dann bildet er eine neue Paarbindung. Der Fleckenkauz bezieht manchmal die verlassenen Nester von Habichten (Accipiter gentilis), Falken (Falco) oder von Rabenvögeln (Corvidae). Das Nest befindet sich meistens hoch oben in den Bäumen mit dichtem Kronendach, so dass das Nest vor der direkten Sonneneinstrahlung abgeschirmt ist. Der Nistplatz kann sich in einer Vielzahl von Orten befinden wie zum Beispiel in Felshöhlen, in Baumhöhlen, zwischen Felswänden, auf großen starken Ästen oder in hohen Baumwipfeln. Alte Nester werden nicht repariert und werden von Jahr zu Jahr wieder verwendet.

Das Gelege besteht aus etwa zwei bis vier Eier, aber in der Regel zwei bis drei Eier. Die eigentliche Brutzeit beginnt im April. Die Eier sind oval, weiß und leicht gekörnt. Die Inkubationszeit beträgt etwa 28 bis 32 Tage. Während dieser Zeit wird das Weibchen von dem Männchen mit Nahrung versorgt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Eulen werden das Gelege und die Küken gegenüber Prädatoren nicht verteidigt. Das Weibchen hudert die Küken etwa zwei Wochen lang, dann beginnt auch sie wieder zu jagen. Während dieser Zeit bringt das Männchen die Nahrung und übergibt sie dem Weibchen, die die Nahrung häppchenweise den Küken reicht. Nach etwa fünf Wochen verlassen die Jungvögel flatternd das Nest und landen dann meistens auf den Boden und klettern an den Bäumen wieder zum Nest hoch. Innerhalb von sechs Wochen können sie einigermaßen fliegen. Nach etwa neun bis zehn Wochen jagen sie schon ihre eigene Beute wie zum Beispiel Insekten (Insecta). Im Sommer verweilen die Jungvögel noch bei den Altvögeln bis sie im Herbst sich dann weitgehend in einem Umkreis von 60 bis 125 Kilometer oder 100 bis 200 Kilometer zerstreuen. Die Altvögel bleiben meistens in der Nähe ihres traditionellen Brutgebietes.

Der Fleckenkauz kann ein hohes Alter erreichen. In Gefangenschaft wurde ein Alter von etwa 21 Jahren dokumentiert. Die Sterblichkeit der Jungvögel in der Natur wird als sehr hoch, etwa 60 bis 95 Prozent, eingeschätzt. Die Sterblichkeit der Altvögel liegt etwa bei 5 bis 20 Prozent pro Jahr. Zu den Prädatoren des Fleckenkauzes gehören unter anderem der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) sowie der Kolkrabe (Corvus corax). Viele Jungvögel verhungern auch. Es wird vermutet, dass der Streifenkauz (Strix varia) in Nahrungskonkurrenz zum Fleckenkauz steht.

Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete ist der Fleckenkauz mittlerweile wegen der großflächigen Habitatzerstörung durch anhaltende Abholzung selten geworden. Selbst in den unzugänglichen Regionen der Nadelwälder schreitet die Vernichtung der natürlichen Lebensräume in großen Schritten voran. Auch der verstärkt einsetzende Tourismus, egal ob mit oder ohne Ökotouch, hat eine nachteilige Auswirkung, da der Fleckenkauz durch den Tourismus vor allem an den Brutplätzen massiv gestört wird. In der Roten Liste der IUCN wird der Fleckenkauz als near threatened (gering gefährdet) geführt.

Der Status dieser Art variiert von Region zu Region. In Washington wird der Fleckenkauz als gefährdet eingestuft, in Oregon gilt der Fleckenkauz als bedroht, und in Kalifornien steht der Fleckenkauz auf der Liste unter Besonderes Anliegen. Diese Art erhielt nach dem Migratory Bird Treaty Act of 1918 und nach dem Endangered Species Act of 1973 (in geänderter Fassung) den Status Bedrohte Art. Der Lebensraum wird durch die uneingeschränkte Nutzung wie die Abholzung für Schnittholz und Holzprodukte rasant zerstört. Seit 1800 ist der Lebensraum um 60 Prozent geschrumpft. Der Fortbestand des Fleckenkauzes in seinem Habitat ist somit stark bedroht. Des Weiteren hat auch die Hybridisierung mit dem Streifenkauz (Strix varia) zum Rückgang des Fleckenkauzes beigetragen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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