Göttinger Minischwein

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Göttinger Minischwein
Aufgenommen im Opel-Zoo
Wichtige Daten
Herkunft: Niedersachsen
Verbreitung: Bundesrepublik Deutschland, später in einigen Mitteleuropäischen Staaten sowie Israel, Japan, ehemalige Sowjetunion
Hauptzuchtgebiet: Deutschland, Universität Göttingen
Verbreitung: beliebtes Haus- und Kuscheltier
Schulterhöhe: rein weiße Linie 35,0 cm
bunte Linie 38,0 cm
Gewicht: rein weiße Linie 34,0 Kg
bunte Linie 45,0 Kg
Farben: reinweiß, schwarz, braun, gescheckt
Haupteinsatzgebiet: Basiszucht-Population Universität Göttingen
Hobbyhaltung, Forschung

Das Göttinger Minischwein entstand in den 1960er Jahren an der Universität Göttingen aus der Kombinationszüchtung von Amerikanischen Minischweinen, den Minnesota Minipigs und den Vietnamesischen Hängebauchschweinen. Das Göttinger Minischwein ist die am häufigsten genutzte Minischweinrasse in der medizinischen, tiermedizinischen und biologischen Forschung. Im Englischen wird das Göttinger Minischwein Göttingen Minipig genannt.

Inhaltsverzeichnis

Zuchtgeschichte

Das Göttinger Minischwein ist ein Versuchstier von weltweiter Bedeutung. Die Rasse wurde in den 1960er Jahren an der Universität Göttingen, Deutschland, entwickelt mit den Gründer-Rassen: Minnesota Minipigs, vietnamesisches Hängebauchschwein und Deutsche Landrasse. Nach der ersten Periode in der Freilandhaltung wurde die Population unter hohen hygienischen Standards aufgestockt. Im Jahr 1992 wurde ein exklusiver Lizenz-Vertrag zwischen Ellegaard Göttingen Minipigs A/S in Dänemark und der Universität Göttingen unterzeichnet. Seit 2002 werden die Produktion und die Vermarktung von Göttinger Minischweinen in den USA von Marshall Farms Inc. unter der Lizenz von Ellegaard Göttingen Minipigs A/S verwaltet. Heute gibt es drei dänische, eine amerikanische und eine deutsche Population. Das genetische Management für alle Populations-Gruppen wird von der Universität Göttingen zur Verfügung gestellt. Schwerpunkte sind die Pflege und die Reduzierung der Inzucht und die genetische Abweichung sowie die Aufrechterhaltung der Einheitlichkeit und des genetischen Fortschritts sowie die wichtigsten Auswahl-Kriterien. Das wichtigste Auswahl-Kriterium in der Vergangenheit war die Anzahl der lebendgeborenen Ferkel. Durch die Produktion vieler Ferkel pro Sau und Jahr konnte ein schneller genetischer Austausch von Zuchttieren erreicht werden, was zu einer minimierten Inzucht in den Populationen führte. Um die Anforderungen des Marktes mit einem kleinen und leicht zu handhabenden Minischwein zu befriedigen und um das Problem zu einer antagonistischen Beziehung zwischen Wurfgröße und Körpergewicht zu überwinden, wurden die Merkmale zur Reduzierung des Körpergewichts bei dem Auswahl-Schema im Index aufgenommen. Für die Zukunft wird zu den schon existierenden Merkmalen auch das Temperament mit in das Züchtungsprogramm aufgenommen. Aufgrund der schnellen Entwicklung in der Genom-basierten Anwendung können diese neuen Zucht-Methoden rasch für eine effiziente Steuerung der genetischen Abweichungen und der Inzucht oder sogar für die Genom-basierte Auswahl implementiert werden.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Durch eine Kombinationskreuzung mit dem Minnesota Minischwein und mit dem vietnamesischen Hängebauchschwein entstanden zwei Zuchtlinien, und zwar die rein weiße Linie (unpigmentiert) und die bunte Linie (pigmentiert). Das Göttinger Minischwein hat durchaus die Kontur eines verkleinerten Wildschweines (Sus scrofa). Besondere Merkmale sind der große Kopf, die hohe Stirn und die starke Schulterpartie, die zum Teil voluminös wirkt. Ferner weist das Göttinger Minischwein eine Sattelnase, einen kurzen Rüssel und kleine Stehohren auf. Die rein weiße Linie weist nur die weiße Färbung auf, während die bunte Linie alle möglichen Farben aufweisen kann, und zwar schwarz, grau, braun, rötlich und weiß. Die zwei Farbenschläge unterscheiden sich auch in ihrer Größe. Das bunte Göttinger Minischwein ist größer als das rein weiße Göttinger Minischwein. Die Schulterhöhe liegt bei den adulten Tieren der rein weißen Linie bei etwa 35,0 Zentimeter und der bunten Linie bei etwa 38,0 Zentimeter. Das Gewicht der rein weißen Linie beträgt 34,0 Kilogramm und das Gewicht der bunten Linie beträgt etwa 45,0 Kilogramm. Mit sechs Monaten erreicht das Göttinger Minischwein der bunten Linie etwa 17,0 Kilogramm und das Göttinger Minischwein der rein weißen Linie etwa 13,9 Kilogramm. Die Wurfgröße der weißen Linie beträgt bis zu sieben Ferkel und die Wurfgröße der bunten Linie beträgt bis zu sechs Ferkel.

Göttiger Minischwein - Fotografiert im Opel-Zoo
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Göttiger Minischwein - Fotografiert im Opel-Zoo

Nutzung

Das Göttinger Minischwein wird in Bereichen der biomedizinischen Forschung, die von regulatorischen Studien zur Toxizität für die Zulassung von neuen Medikamenten und für die Grundlagenforschung in der Biologie, Anatomie und Physiologie verwendet. Schweine (Suidae) und Minischweine haben in der biomedizinischen Forschung seit vielen Jahren eine große Bedeutung, weil sie gute Tiermodelle für verschiedene Erkrankungen des Menschen sind und weil eine Reihe spezifischer Organsysteme bei Schweinen (Suidae) und Minischweinen sehr dem menschlichen Organsystem ähneln. Der mikrobiologisch definierte Gesundheitszustand und die vielen Ähnlichkeiten zum Menschen machen das Göttinger Minischwein zu einem idealen Tiermodell für alle Sparten der medizinischen Studien. Am Anfang wurde das Göttinger Minischwein in erster Linie für die dermale Forschung verwendet, jetzt wird das Göttinger Minischwein in allen Bereichen der biomedizinischen Forschung, einschließlich Grundlagenforschung, Toxikologie, Pharmakologie und Bewertung der Sicherheit neuer Arzneimittel, Medizinprodukte, Lebensmittelzusatzstoffe und Agrochemikalien eingesetzt. Beim Göttinger Minischwein sind die Haut, der Magen, der Darm, das Herz-Kreislauf-System, die Nieren und die Blase dem Menschen sehr ähnlich in Bezug auf die Anatomie und Funktion und verleiht sich selbst zu pharmakologischen und toxikologischen Untersuchungen gleichermaßen. Der Leberstoffwechsel vom Göttinger Minischwein ist ähnlich wie beim Menschen für die meisten Cytochrome P450(CYP)-Isoenzyme (Hämproteine mit enzymatischer Aktivität). Jedoch wird das Göttinger Minischwein nicht nur für Forschungszwecke eingesetzt, sondern das Göttinger Minischwein erfreut sich auch als Haustier immer größerer Beliebtheit. Auch wenn das Göttinger Minischwein als Haus- und Kuscheltier von Züchtern und vor allem von Verkäufern angepriesen wird, so handelt es sich doch immerhin um ein Schwein (Suidae), deren Bedürfnisse und Haltungsansprüche von seinen großen Verwandten sich kaum unterscheiden. Vor allem ist eine artgerechte Haltung unbedingt erforderlich. Ein vorbildliches Beispiel dafür ist der sehr schön gestaltete Opel-Zoo mit seinen weitläufigen Anlagen, wo das Göttinger Minischwein noch ein glückliches Schwein (Suidae) sein darf.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge