Gebirgs-Taschenratte

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Gebirgs-Taschenratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Geomyinae
Tribus: Thomomyini
Gattung: Gebirgs-Taschenratten (Thomomys)
Art: Gebirgs-Taschenratte
Wissenschaftlicher Name
Thomomys bottae
Eydoux & Gervais, 1836

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Gebirgs-Taschenratte (Thomomys bottae) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung der Gebirgs-Taschenratten (Thomomys).

Inhaltsverzeichnis

Evolution, fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem frühen Holozän und aus dem oberen Pleistozän. Die Funde belegen bereits eine Verbreitung vor rund 15.000 über die Gebiete von Kalifornien, Nevada, New Mexico, Texas und Mexico. Der äleste Fund weist ein Alter von etwa 103.000 Jahren auf und stammt aus der Region um Newport Bay Mesa, das im westlichen Kalifornien liegt. Im Laufe der Zeit breitete sich die Gebirgs-Taschenratte vor allem östlich und südlich aus. Auch in Oregon wurde 31.000 Jahre alte Fossilien endeckt, jedoch ist die Art hier heute nicht mehr vertreten. Mit der Zeit bildete die Gebirgs-Taschenratte zahlreiche Unterarten aus. <2>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Gebirgs-Taschenratte erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Kopfrumpflänge von 13 bis 22 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5,0 bis 8,5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,5 bis 3,6 Zentimeter sowie ein Gewicht von 90 bis 140 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Der Körper wirkt bei beiden Geschlechtern sehr kräftig. Diesen Eindruck verstärken die kurzen und kräftigen Beine, die mit scharfen Krallen versehen sind. Mit den Krallen graben sich die Tiere mühelos ihre Erdbauten. Das ausgesprochen weiche und dichte Fell weist je nach Verbreitungsgebiet und Unterart eine graubraune, hellbraune oder auch fast schwarze Färbung auf. Seitlich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Im Wangenbereich befinden sich große Backenbeutel, die dem Zwischenspeichern von Nahrung dienen. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3. Markant sind dabei die kräftigen Schneidezähne, die sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer liegen. Mit ihnen können Gebirgs-Taschenratten mühelos auch harte Wurzeln zerschneiden.

Lebensweise

Gebirgs-Taschenratten leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich im Grunde nur kurz während der Paarungszeit. Sie sind durchaus als territorial zu bezeichnen, die beanspruchten Reviere weisen zumeist eine Größe von 140 bis 200 Quadratmeter auf. Die Tiere sind überwiegend in der Nacht aktiv, dies gilt vor allem für die Nahrungssuche, die in der Nacht hauptsächlich an der Erdoberfläche stattfindet. Am Tage graben sie gelegentlich unterirdisch nach Wurzeln. Gebirgs-Taschenratten gelten als ausgezeichnete Gräber. Ihr Tunnelsystem reicht dabei über Strecken von einigen Dutzend Metern, Rekordlängen von über 100 Metern sind dabei in Feldstudien dokumentiert worden. Die Tunnels, die einen Durchmesser von etwa fünf Zentimeter aufweisen, liegen meist dicht unter der Erdoberfläche (15 bis 45 Zentimeter), die Wohnkammern liegen in Tiefen von 100 bis 300 Zentimeter und weisen meist einen Durchmesser von bis zu 25 Zentimeter auf. Die Kammern dienen als Wohnraum oder Vorratskammer. Die Wohnkammern sind mit weichen Pflanzenteilen und getrockneten Gräsern ausgepolstert. Die Tiere halten während der kalten Jahreszeit keine Winterruhe, jedoch legen sie für Mangelzeiten Nahrungsvorräte an.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gebirgs-Taschenratte erstreckt sich über die westlichen US-Bundesstaaten und Teilen des nördlichen und zentralen Mexikos. Es reicht vom südlichen Oregon bis ins südliche Sinaloa, Mexiko. In den USA werden die Bundesstaaten Oregon, Nevada, Utah, Kalifornien, Arizona und New Mexico besiedelt. In Mexiko kommt die Gebirgs-Taschenratte in den Bundesstaaten Sinaloa, Coahuila, Chihuahua, Nuevo Leon, Sonora und Baja California vor. Gebirgs-Taschenratten leben bevorzugt in Höhenlagen von bis zu 4.200 Metern über NN. Gebirgstäler, Hochebenen, die Ränder von Wüsten und Halbwüsten sowie in der Nähe des Menschen auch landwirtschaftliche Flächen zählen zu den natürlichen Lebensräumen.

Die Gebirgs-Taschenratte kommt in ihrem Verbreitungsgebiet in 195 Unterarten vor. Alle Unterarten aufzuzählen würde den Rahmen sprengen Die Unterarten können im Aufsatz von Jones & Baxter <1> nachgelesen werden (Siehe Anhang, Literatur und Quellen).

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Gebirgs-Taschenratten gehören insbesondere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), die Schleiereule (Tyto alba), die Waldohreule (Asio otus) oder der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Aber auch größere Säugetiere (Mammalia) stellen den Tieren nach. Nicht selten graben Räuber die Gebirgs-Taschenratten aus ihren Bauten heraus. Unter den Säugern treten insbesondere Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Kitfüchse (Vulpes velox), Fichtenmarder (Martes americana), Silberdachse (Taxidea taxus) und Kojoten (Canis latrans) als Fleischfresser in Erscheinung. Unter den Reptilien gelten Schlangen wie die Gophernatter (Pituophis catenifer) oder die Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) als natürliche Fleischfresser. Darüber hinaus sind über 100 Ekto- und Endoparasiten bekannt, die den Gebirgs-Taschenratten das Leben schwer machen. Bei derart vielen Feinden ist es nicht verwunderlich, dass die durchschnittliche Lebenserwartung kaum ein Jahr beträgt.

Ernährung

Gebirgs-Taschenratten ernähren sich rein vegetarisch. Auf ihrer Speisekarte stehen Knollen und Wurzeln, Sämereien, Eicheln und ähnliches. Lokal und saisonal kann sich das Nahrungsangebot deutlich unterscheiden. So werden je nach Verbreitungsgebiet unter anderem Beifußgewächse (Artemisia), Bartfaden (Penstemon), verschiedene Süßgräser (Poaceae), Raublattgewächse (Boraginaceae), Opuntien (Opuntia), Trespen (Bromus), Kreuzdorn (Rhamnus), Blätter der Pappeln (Populus), Reiherschnabel (Erodium) und Lupinen (Lupinus) gefressen. Trinkwasser nehmen Gebirgs-Taschenratten nicht zu sich, der Wasserbedarf wird ausschließlich über die Nahrung gedeckt. Nahrung wird sowohl auf der Erdoberfläche als auch unter der Erde in Form von Wurzeln und Knollen gesucht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Gebirgs-Taschenratten im Alter von gut sechs Monaten. Zur ersten Paarung kommt es jedoch erst im ersten Frühjahr nach der Geburt, also im Alter von knapp einem Jahr.
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Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr. In den meisten Regionen konzentriert sich die Paarungszeit jedoch über das Frühjahr und den Frühsommer, dies trifft vor allem auf die nördlichen Populationen zu. Je nach Verbreitungsgebiet kann es in einem Jahr zu zwei bis vier Würfen kommen. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 18 bis 22 Tagen drei bis sechs, selten bis sieben Jungtiere zur Welt. Zur Geburt kommt es in den unterirdischen Bauten der Weibchen. Die Jungtiere sind nur wenig entwickelt. Sie sind nackt, blind, wiegen bei der Geburt zwischen drei und vier Gramm und weisen eine Körperlänge von etwa 87 Millimeter auf. Die Augen und Ohren öffnen sie im Alter von 25 bis 26 Tagen. Im Alter von sechs Wochen werden die Jungtiere von der Muttermilch abgesetzt und ernähren sich ab diesem Zeitpunkt von fester Nahrung. Die Selbständigkeit wird nach zwei Monaten erreicht. Ausgewachsen sind die Jungtiere im Alter von gut drei Monaten. Die Lebenserwartung einer Gebirgs-Taschenratte liegt bei ein bis zwei Jahren. Ein Alter von drei oder gar vier Jahren wird aufgrund der vielen Fleischfresser nur selten erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen gelten die Gebirgs-Taschenratten als Schädlinge. Man sagt ihnen nach, sie würden die Flora nachhaltig schädigen. Dabei gilt es als erwiesen, dass das Vieh der Farmer deutlich größeren Schaden an der Vegetation anrichtet. Fakt ist zudem, dass Gebirgs-Taschenratten durch ihren Frass an Wurzeln und Pflanzenteilen den Pflanzenwuchs eher antreiben als unterbinden oder schädigen. Auf Getreidefeldern bedienen sich die Tiere nicht selten am Getreide. Auch dies macht sie in den Augen der Former zu einem Schädling. Gebirgs-Taschenratten bilden für viele räuberisch lebende Tiere die Nahrungsgrundlagen. Sie sind daher ein wichtiger Teil in der Nahrungskette ihrer Habitate. Gebirgs-Taschenratten gelten heute als noch nicht gefährdet. Sie werden daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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