Gemeine Kahnschnecke

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Gemeine Kahnschnecke

Taxonomie
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Unterklasse: Orthogastropoda
Überordnung: Neritaemorphi
Ordnung: Neritopsina
Überfamilie: Neritoidea
Familie: Kahnschnecken (Neritidae)
Unterfamilie: Neritininae
Tribus: Theodoxini
Gattung: Theodoxus
Art: Gemeine Kahnschnecke
Wissenschaftlicher Name
Theodoxus fluviatilis
(Linnaeus, 1758)

Die Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) zählt innerhalb der Familie der Kahnschnecken (Neritidae) zur Gattung Theodoxus. Im Englischen wird die Gemeine Kahnschnecke River Nerite genannt.

Der Arbeitskreis Mollusken NRW wählte in Kooperation mit dem NABU die Gemeine Kahnschnecke (Theodoxus fluviatilis) zum Weichtier des Jahres 2004. In den norddeutschen Tiefebenen ist die Kahnschnecke noch weit verbreitet. Im übrigen Deutschland sind die Bestände dramatisch zurückgegangen. Auf der Roten Liste nach Anhang II und IV ist die Gemeine Kahnschnecke als stark gefährdet eingestuft, da durch Gewässerregulierungen und Gewässerverschmutzungen dieser Art teilweise die Ernährungsgrundlage entzogen wird.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kahnschnecke besitzt ein einschaliges Gehäuse mit einer auffälligen Spirale. Das Gehäuse weist einen hornigen oder kalkigen Deckel auf sowie eine aufsteigende gewundene Spirale, typischerweise dextral (rechtsseitig). Das Gehäuse ist breiter als hoch, etwa (7,3-) 8 bis 11,6 Millimeter hoch und (8,25-) 9 bis 13 Millimeter breit. Das Gehäuse ist halbkugelig, unten flach, ungenabelt, mit wenig rasch zunehmenden Windungen. Ferner ist das Gehäuse um seine vertikale Achse sehr asymmetrisch, wobei die Spitze einseitig verschoben ist. Die Mündung ist halbkreisförmig. Die Spindel ist abgeplattet und der Rand ist ungezähnt.
Fluss Main - Habitat der Gemeinen Kahnschnecke
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Fluss Main - Habitat der Gemeinen Kahnschnecke
Der Deckel ist kalkig, eben, kahnförmig mit wenig schnell zunehmenden Windungen. Des Weiteren zeigen sich deutliche Zuwachsstreifen und an der geraden der Spindel zugekehrten Seite befindet sich ein spitzer, nach Innen über den Spindelrand greifender Zahn. Die Grundfärbung des Gehäuses ist weißlich oder gelb bis braun oder schwarz und ist auffallend farbig gemustert wie lila, rosa, weiß mit Querstreifen oder spiralartig gezeichnet mit drei dunklen Streifen. Der Körper der Gemeinen Kahnschnecke weist eine hellgelbe Färbung auf, während der Kopf schwärzlich getönt und der Fuß weißlich ist. Der verkehrt herzförmige Kopf ist breit und flach und auf der unteren Seite des Kopfes befindet sich der große gefaltete dicklippige Mund. Ferner zeigen sich zwei lange spitze graue Fühler, an deren Grund äußerlich auf einem kurzen Stiel die Augen sitzen. Der Fuß ist eiförmig, wenig länger als die Schale. Die Gemeine Kahnschnecke atmet über einen einzigen langen dreieckigen Kiemen, der sich in der Mantelhöhle befindet. <1>

Lebensweise

Die Gemeine Kahnschnecke lebt in sauerstoffreichen Gewässern, wie mäßig fließende Flüsse, Kanäle und Seen. In den großen Flüssen hält sich die Gemeine Kahnschnecke an der Unterseite der im Wasser liegenden Steine, besonders in der Mitte des Flußbettes, auf. <1>

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gemeinen Kahnschnecke erstreckt sich fast über ganz Europa, von Südschweden bis nach Finnland sowie von Spanien bis nach Italien. Des Weiteren kommt die Gemeine Kahnschnecke in Irland, Russland, Ungarn und im Westen der Türkei vor. Ferner ist die Gemeine Kahnschnecke im Irak und im Hochland von Iran zu finden. Die Gemeine Kahnschnecke hält sich hauptsächlich in sauerstoffreichen Gewässern wie mäßig fließende Flüsse zum Beispiel Rhein, Main, Mosel, Kanäle und Seen auf.

Fluss Main - Habitat der Gemeinen Kahnschnecke
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Fluss Main - Habitat der Gemeinen Kahnschnecke

Ernährung

Die Gemeine Kahnschnecke ernährt sich vorwiegend von Kieselalgen (Bacillariophyta). Um die Kieselalgen (Bacillariophyta) aufschließen zu können, bevorzugt die Gemeine Kahnschnecke ein steiniges Flussbett in ihrem Habitat. Mit dem Gehäuse zerreibt die Gemeine Kahnschnecke zur besseren Verdauung die Algen gegen die Steine. Gelegentlich nimmt die Gemeine Kahnschnecke auch Grünalgen sowie zerfallene organische Substanzen zu sich.

Fortpflanzung

Die Gemeine Kahnschnecke ist getrennt geschlechtlich. Die Geschlechtsreife erreicht die Gemeine Kahnschnecke mit etwa zwei Jahren. Mitte April bis Oktober legt das Weibchen in der Nacht eiförmige Kapseln in kleine Vertiefungen rauher Steine ab. In jeder Kapsel befinden sich etwa 50 bis 70 Eier. In der kalkigen Eikapsel entwickelt sich nur ein Jungtier. Die übrigen Eier der Kapsel dienen dem Jungtier dann als Nahrung. Nach etwa vier bis acht Wochen schlüpft ein 0,5 bis 1,0 Millimeter langes Jungier. Die Lebenserwartung der Gemeinen Kahnschnecke liegt bei etwa zwei bis drei Jahren.

Gefährdung und Schutz

Die Gemeine Kahnschnecke ist in Deutschland als stark gefährdet eingestuft. In der Schweiz ist sie sogar vom Aussterben bedroht. In Tschechien ist sie bereits ausgestorben. Auch die Kahnschnecken wie alle anderen Tierarten haben für uns eine große Bedeutung. Die Kahnschnecken eines Gewässers vernichten, heißt das biologische Gleichgewicht aufheben und den Lebensraum zerstören, die Lebensbedingungen für uns Menschen selbst werden mit beeinträchtigt, sind wir doch Jahr für Jahr mehr von der Sauberkeit und Güte unseres Wassers abhängig.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Fauna der Land- und Süsswasser-Mollusken Siebenbürgens. E. Albert Bielz, Mitglied des siebenbürg. Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt, des Vereins für siebenbürgische Landeskunde, des Museum-Vereins in Klausenburg, der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien, der königl. geographischen Gesellschaft in Berlin, der Wetterauer Gesellschaft für die gesamte Naturkunde in Hanau, der Senkenbergischen naturforsch. Gesellschaft zu Frankfurt am Main, Correspondent der kais. köngl. geologischen Reichsanstalt in Wien u.s.w. Zweite Auflage. Hermannstadt, 1867. Gedruckt in der Buchdruckerei der v. Closius'schen Erbin. Commissions-Verlag von S. Filtsch.
  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Rosina Fechter/Gerhard Falkner: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Herausgegeben von Gunter Steinbach, Illustriert von Fritz Wendler. 1990 Mosaik Verlag GmbH, München 54321, Gesamtherstellung Mohndruck Graphische Betriebe GmbH, Gütersloh. Printed in Germany. ISBN 3-570-03414-3
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