Gemeines Rothörnchen

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Gemeines Rothörnchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Gattung: Nordamerikanische Rothörnchen (Tamiasciurus)
Art: Gemeines Rothörnchen
Wissenschaftlicher Name
Tamiasciurus hudsonicus
Trouessart, 1880

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Gemeine Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Nordamerikanischen Rothörnchen (Tamiasciurus). Im Englischen wird das Gemeine Rothörnchen red squirrel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde des Tamiasciurus hudsonicus stammen aus dem späten Pleistozön. Die Funde stammen überwiegend aus den zentralen und östlichen Bundesstaaten der USA. Die ausgestorbene Unterart Tamiasciurus hudsonicus tenuidens wurde in fossiler Form in Whitesburg gefunden.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Gemeine Rothörnchen je nach Unterart erreicht eine Gesamtlänge von 27 bis 38 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2 bis 3 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 9 bis 16 Zentimeter sowie ein Gewicht von 200 bis 280 Gramm. Das Fell weist im Sommer eine bräunliche bis olivbraune oder olivrote bis olivgraue Grundfärbung auf. Die Färbung kann bei den zahlreichen Unterarten stark variieren. Es können auch rein melanistische Populationen auftreten. Eine solche Population ist in New Brunswick, Kanada, bekannt. Lateral zeigt sich ein dunkler, meist schwärzlicher Streifen. Ventral ist das Fell cremefarben bis weißlich gefärbt. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, kommt es zum Fellwechsel. Charakteristisch sind die weißlichen Augenringen, die durchaus üppig ausfallen und bereits von weitem zu sehen sind. Die Iris und die Pupille setzten sich kontrastreich dunkel gefärbt vom hellen Augenring ab. Die Geschlechter weisen im wesentlichen keinen Dimorphismus auf. Der Schwanz ist buschig und kräftig ausgeprägt. Er dient beim Klettern als Balancierorgan. Das Gebiss besteht aus 20, seltener aus 22 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1(2,1), 3/3. Die Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über acht Zitzen. Über den Augen, oberhalb der Nasenspitze an den Wangen und an den Unterschenkeln der Vorderbeine hat das Gemeine Rothörnchen Tasthaare, die auch der Orientierung dienen. Alle Sinne, insbesondere der Seh-, Hör- und Geruchssinn sind gut entwickelt.

Lebensweise

Gemeine Rothörnchen sind tagaktive und einzelgängerisch lebende Baumbewohner. Sie sind während des ganzen Jahres aktiv, halten also keine Winterruhe. Bei extremer Kälte oder auch bei stärkerem Regen halten sie sich jedoch überwiegend in ihren Behausungen auf. Ihre Nester entstehen für gewöhnlich in alten Behausungen von Spechten (Picidae) oder ähnlichen Baumhöhlen. Gemeine Rothörnchen sind im Grunde sesshaft. Nur bei Nahrungsmangel suchen sie sich ein anderes Revier. Ein Revier weist zumeist eine Größe von ein bis zwei Hektar auf. Aufgrund vieler Parasiten in ihrem Fell betreiben Gemeine Rothörnchen mehrmals am Tag eine ausgedehnte Fellpflege. Dazu gehören auch Staub- und Grasbäder. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens in den Baumwipfeln, wo sie auch ihre Nahrung finden. Den Waldboden betreten sie dabei nur selten. Gemeine Rothörnchen sind sehr gute Kletterer, die durchaus Sprünge von einigen Metern bewältigen können.

Unterarten

  • Tamiasciurus hudsonicus hudsonicus
  • Tamiasciurus hudsonicus grahamensis
  • Tamiasciurus hudsonicus tenuidens
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Verbreitung

Das Gemeine Rothörnchen ist im nördlichen Nordamerika weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Alaska über weite Teile Kanadas und Teile der USA. In den USA werden vor allem die nordöstlichen Bundesstaaten (hier insbesondere in den Appalachen) und die Regionen den mittleren Westens besiedelt. Die südlichsten Vorkommen findet man in Arizona und New Mexiko. Gemeine Rothörnchen besiedelt vorwiegend waldreiche Höhenlagen in Vorgebirgen bis in alpine Hochlagen. In der Ebene sind sie in waldreichen Regionen anzutreffen. Für gewöhnlich sind die Tiere jedoch oberhalb von 500 Metern anzutreffen. In subalpinen Bergregionen reicht ihr Lebensraum bis in Höhen von über 2.500 Metern über NN. Es werden sowohl Nadel- als auch Laub- und Mischwälder als Lebensraum angenommen. In der Nähe des Menschen sind sie auch in größeren Parks zu beobachten.

Prädatoren

Den Gemeinen Rothörnchen stellen in ihrem Lebensraum eine Reihe von natürlichen Fleischfressern nach. Zu den bekanntesten Fleischfressern gehören zweifelsohne Amerikanische Nerze (Mustela vison), Fichtenmarder (Martes americana), Kanadische Luchse (Lynx canadensis), Rotluchse (Lynx rufus) und Rotfüchse (Vulpes vulpes). Aber auch Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie Habichtartige (Accipitridae) stellen den Gemeinen Rothörnchen nach. Dazu gehören beispielsweise Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), Habichte (Accipiter gentilis), Buntfalken (Falco sparverius), Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), Rotschulterbussarde (Buteo lineatus), Kornweihen (Circus cyaneus), Bartkauze (Strix nebulosa) und Virginia-Uhus (Bubo virginianus). Um den Gefahren des Waldes zu entgehen, halten sich Gemeine Rothörnchen vorwiegend in den Bäumen auf. Hier sind sie vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit. Gemeine Rothörnchen werden auch von vielfältigen Parasiten befallen. Beispielsweise ernähren sich die Maden der Cuterebra emasculator vom Hoden ihrer Wirtstiere, in diesem Fall von den Hoden der Gemeinen Rothörnchen. Darüber hinaus werden die Tiere von Parasiten der Eimeria geplagt, die vor allem die Leberkokzidiose auslösen. Insgesamt hat man aufgrund von Langzeitstudien festgestellt, das Gemeine Rothörnchen von 9 verschiedenen Fadenwürmer (Nematoda), 4 Protozoen, 9 Bandwürmer (Cestoda), 31 Milben (Acari) und Zecken (Ixodida) und 33 Arten Läuse und Flöhe (Siphonaptera) heimgesucht werden.

Ernährung

Das Gemeine Rothörnchen gehört zu den Allesfressern, die sich sowohl von pflanzlicher und tierischer Nahrung als auch von Pilzen ernähren, jedoch entfällt der Großteil der Nahrung auf Pflanzliches. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Jahreszeit zum Teil stark. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören Körner aller Art, Früchte und Beeren, Blätter und Knospen, Nüsse und andere Waldfrüchte und Sämereien wie Kiefernsamen, die Eier und die Brut von Vögeln, kleine Reptilien (Reptilia), kleine Säugetiere (Mammalia) wie junge Mäuse (Mus) sowie kleine Gliederfüßer, Insekten (Insecta) und deren Larven.
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Im Herbst legen Gemeine Rothörnchen Nahrungsvorräte für die kalte Jahreszeit an. Als Nahrungsspeicher dienen feuchte Baumhöhlen, Astlöcher, Erdhöhlen oder die Rinde von größeren Bäumen. Aufgrund dieser Tatsache gehören Gemeine Rothörnchen zu den eifrigen Verbreitern von Baumsamen.

Fortpflanzung

Gemeine Rothörnchen erreichen die Geschlechtsreife mit gut neun bis zwölf Monaten. Mit Beendigung des Winters wird die Paarungszeit eingeläutet und erstreckt sich in der Regel von Ende Februar bis in den Juli oder August hinein. In nördlichen Regionen endet die Fortpflanzungszeit meist schon im Juni. Während der Fortpflanzungszeit kommt es zu einem Wurf, nur in südlichen Verbreitungsgebieten kann es auch zu einem zweiten Wurf kommen. Zum Paarungsritual gehören Verfolgungsrennen zwischen Männchen und Weibchen, an denen durchaus mehrere Männchen teilnehmen können. Gemeine Rothörnchen führen eine monogame Saisonehe, die jedoch unmittelbar nach der Paarung wieder gelöst wird. Nach einer Tragezeit von 38 bis 40 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Kobel zwischen vier und sechs, selten auch bis acht Jungtiere zur Welt. Die Nester befinden sich in Baumhöhlen oder auch in Erdhöhlen. Gemeine Rothörnchen errichten mehrere Nester, die zum einen als Brutnest und zum anderen als Schlafstätte sowie als Vorratslager dienen. Das Brutnest wird mit Moosen und Gräsern ausgepolstert.

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Zum ersten Wurf kommt es im zeitigen Frühjahr, meist im zeitigen April, in südlichen Verbreitungsgebieten kann es zu einem zweiten Wurf zwischen Juli und August kommen. Nach einer Tragezeit von 33 bis 35 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und fünf, selten bis acht Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, blind und weisen ein Gewicht von 10 bis 15 Gramm auf. Der erste spärliche Flaum wächst ihnen nach zwei Wochen. Ihre Augen öffnen sie das erste Mal nach etwa vier bis fünf Wochen. Ab diesem Zeitpunkt brechen auch ihre Schneidezähne durch. Erst ab der neunten oder zehnten Woche verlassen sie erstmals ihr schützendes Nest. Die Entwöhnung erfolgt ab der siebten Woche und endet meist in der achten Woche. Befinden sich die Jungtiere außerhalb des Nestes und droht Gefahr, so ist zu beobachten, dass das Weibchen die Jungen im Maul tragend in eines der Kobel bringt. Im Alter von rund sechs Monaten haben die Jungtiere die Selbständigkeit erreicht. Um die Aufzucht des Nachwuchses hat sich ausschließlich das Weibchen gekümmert. Ausgewachsen ist ein Gemeines Rothörnchen nach gut neun Monaten. Ein Großteil der Jungtiere erreicht nicht das erste Lebensjahr. In Freiheit können Gemeine Rothörnchen unter günstigen Umständen 7 bis 10 Jahre alt werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Gemeine Rothörnchen gelten in ihrem Ökosystem als Samenverbreiter. Sie tragen somit zum gesunden Wachstum des Waldes bei. Auf der anderen Seite bilden sie die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Fleischfressern. In der Nähe des Menschen sind Gemeine Rothörnchen nicht gerne gesehen, da sie auf landwirtschaftlichen Flächen durchaus Schäden anrichten können. In Kanada werden die Tiere wegen ihres Pelzes gejagt. Pro Jahr werden rund drei Millionen Tiere getötet. Dennoch gehören Gemeine Rothörnchen noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie kommen in allen Verbreitungsgebieten noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

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Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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