Geomys attwateri

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Geomys attwateri
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Geomyinae
Tribus: Geomyini
Gattung: Flachland-Taschenratten (Geomys)
Art: Geomys attwateri
Wissenschaftlicher Name
Geomys attwateri
Merriam, 1895

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Geomys attwateri zählt innerhalb der Familie der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung der Flachland-Taschenratten (Geomys). Im Englischen wird die Art auch Attwater's Pocket Gopher genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Ursprünglich wurde Geomys attwateri als Unterart der Flachland-Taschenratte (Geomys bursarius) angesehen. Heute wird die Art als eigenständige Art geführt (Schmidly (1981); Cameron (1991) in Wilson und Reeder, 2005). Der Gattungsname Geomys kommt aus dem griechischem und setzt sich aus den Begriffen Geo = '"Erde" und Mys = "Maus" zusammen.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem späten Miozän bis frühen Pliozän und weisen ein Alter von 5,5 bis 4,6 Millionen Jahren auf. Die Funde stammen im Wesentlichen aus Kansas, USA. Die Great Plains östlich der Rocky Mountains weisen dabei die meisten fossilen Funde auf. Gefunden wurden zahlreichen Arten der Gattung der Flachland-Taschenratten wie beispielsweise Geomys arenarius, Geomys personatus, Geomys bursarius und Geomys tropicalis (Williams & Cameron, 1991).

Erkennung und Unterschiede

Die Arten Geomys attwateri, Geomys breviceps und die Flachland-Taschenratte (Geomys bursarius) ähneln sich sehr und sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Unterschieden werden können die Arten anhand der Größe sowie anhand der Anzahl der Chromosomen. Zudem ist das Jochbein bei Geomys bursarius kleiner als bei den anderen beiden Arten (Williams & Cameron, 1991).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Körper von Geomys attwateri ist zylindrisch geformt. Der Kopf geht ohne Übergang vom Hals in den Körper über. Das weiche und kurze Fell ist bräunlich bis schwarzbraun gefärbt. Ventral zeigt sich eine hellbraune Färbung. Zwischen März und dem frühen Juli sowie im Oktober kommt es zum Fellwechsel. Geomys attwateri erreicht je nach Geschlecht, Alter und Population eine Gesamttlänge von 192 bis 235 (216,5) mm, eine Schwanzlänge von 51 bis 70 (62,5) mm, eine HInterfußlänge von 25 bis 28 (26,5) mm, eine Schädellänge von 37,1 bis 44,6 (40,6) mm, eine Rostrumlänge von 15,1 bis 19,1 (16,9) mm, eine Jochbeinbreite von 23,6 bis 30,4 mm, eine Hirnschädelbreite von 16,7 bis 20,6 mm sowie ein Gewicht von 102 bis 163 g. Der Penisknochen (Baculum) erreicht eine Länge von 9,86 mm und an der Basis eine Breite von 1,7 mm. Die Augen sind klein und die Ohrmuscheln sind reduziert. Die Zehen der Vorderfüße weisen kräftige Krallen auf. Der Schwanz ist nahezu nackt. Die Backentaschen sind wie bei allen Taschenratten gut entwickelt. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3 (Williams & Cameron, 1991).

Lebensweise

Geomys attwateri hält sich wie alle Taschenratten überwiegend unter der Erde auf. Die Tiere bewohnen hier selbst gegrabene Erdbauten. An die Erdoberfläche kommen sie nur gelegentlich zur Nahrungssuche. Die Gänge, die zu den Wohnkammern führen, weisen einen Durchmesser von rund 4 bis 4,5 cm auf. Die Gänge und Tunnels verlaufen meist in niedriger Tiefe, knapp unterhalb der Grasnabe. In der Regel sind dies weniger als 20 cm. Die Wohnkammer ist mit weichen Pflanzenteilen und trocknen Gräsern ausgepolstert. Die Tiere halten während der kalten Jahreszeit keine Winterruhe, jedoch legen sie für Mangelzeiten Nahrungsvorräte an. Im Schnitt halten sich die Tiere zu rund 60% im Nest auf. Geomys attwateri lebt einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich im Grunde nur kurz während der Paarungszeit. Sie sind durchaus als territorial zu bezeichnen, die beanspruchten Reviere weisen je nach Lebensraumqualität eine Größe von 100 oder mehr qm auf. Die Reviere der Männchen sind etwas größer und überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Taschenratten sind überwiegend in der Nacht aktiv, dies gilt vor allem für die Nahrungssuche, die in der Nacht in den Gängen und an der Erdoberfläche stattfindet (Williams & Cameron, 1991).

Verbreitung und Lebensraum

Geomys attwateri im im US-Bundesstaat Texas endemisch. Die Vorkommen erstrecken sich im südlichen und zentralen Texas vom Brazos River, südlich bis zur Golfküste. Die Populationsdichte liegt je nach Vorkommen und Lebensraum zwischen 11 und 43 Individuen je Hektar. Besiedelt werden hauptsächlich trockene und sandige Böden, aber auch zum Ärgernis der Menschen landwirtschaftliche Flächen. Feuchte Lebensräume werden gemieden (IUCN, 2012). Zu den typischen Pflanzen im Lebensraum der Tiere gehören beispielsweise Tagblumen (Commelina) und Hundszahngräser (Cynodon) (Williams & Cameron, 1991).

Biozönose

Geomys attwateri teilt sich seinen Lebensraum mit der nah verwandten Art Geomys breviceps. Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere Kojoten (Canis latrans), der Streifenskunk (Mephitis mephitis), der Westliche Fleckenskunk (Spilogale gracilis), der Rotluchs (Lynx rufus), die Texas-Klapperschlange (Crotalus atrox), die Kiefernatter (Pituophis melanoleucus), die Gewöhnliche Königsnatter (Lampropeltis getula), die Prärie-Königsnatter (Lampropeltis calligaster) sowie Eulen (Strigiformes) wie der Streifenkauz (Strix varia) und die Schleiereule (Tyto alba) (Williams & Cameron, 1991).

Ernährung

Wie alle Flachland-Taschenratten, so ernährt sich auch Geomys attwateri rein vegetarisch hauptsächlich von Knollen, Wurzeln, Stauden, Gräsern und anderen grünen Pflanzenteilen. Lokal und saisonal kann sich das Nahrungsangebot deutlich unterscheiden. Trinkwasser nehmen die Tiere nicht zu sich, der Wasserbedarf wird ausschließlich über die Nahrung gedeckt. Nahrung wird sowohl auf der Erdoberfläche als auch unter der Erde in Form von Wurzeln und Knollen gesucht. Der Hauptanteil der Nahrung stammt unter der Erde. Für die kalte Jahreszeit legen die Tiere in Vorratskammern umfangreiche Nahrungsvorräte an (Novak, 1999; IUCN, 2012).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten von Geomys attwateri ist nicht viel bekannt. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden. Die Paarungszeit erstreckt sich über das Frühjahr und den Frühsommer. In einer Saison bringt ein Weibchen nur einen Wurf zur Welt. Man geht davon aus, dass sich die Tragezeit über gut 3 Wochen erstreckt. Ein Wurf besteht aus 2 bis 3 (2,5) Jungtieren, die im Bau der Mutter zur Welt kommen. Der Nachwuchs ist bei der Geburt nackt, blind und taub und wird im Alter von 5 bis 6 Wochen von der Muttermilch abgesetzt. Im Alter von 2 bis 3 Monaten sind die Jugen selbständig. Die Geschlechtsreife wird gegen Ende des ersten Lebensjahres erreicht (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Geomys attwateri gehört heute noch nicht zu den stärker bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als wenig gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In der Nähe des Menschen, insbesondere auf landwirtschaftliche Flächen, ist Geomys attwateri nicht gern gesehen, da die Art als Schädling angesehen wird. Dabei sind die Tiere durchaus nützliche Tiere, die vor allem für die Belüftung des Bodens sorgen. Dadurch steigt die Fruchtbarkeit der Böden deutlich an. Insbesondere wird auch durch den Wurzelfrass das Pflanzenwachstum angeregt. Die größte Gefahr geht heute von der exzessiven Landwirtschaft aus. Ein weiteres großes Problem stellt die Ausbringung von Rodentiziden dar. Rodentizide sind chemische Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren (IUCN, 2012).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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