Gerandete Wasserspinne

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Gerandete Wasserspinne
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Raubspinnen (Pisauridae)
Gattung: Dolomedes
Art: Gerandete Wasserspinne
Wissenschaftlicher Name
Dolomedes plantarius
(Clerck, 1757)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:019643]

Die Gerandete Wasserspinne (Dolomedes plantarius), auch als Moorjagdspinne bekannt, gehört innerhalb der Familie der Raubspinnen (Pisauridae) zur Gattung Dolomedes. Im Englischen wird die Gerandete Wasserspinne great raft spider genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese interessante Spinne ähnelt sehr der Gerandeten Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus). Die Gerandete Wasserspinne wird manchmal sogar noch etwas größer (das Weibchen bis 25 Millimeter). Sie gleicht ihr weitgehend in der Färbung. Die hellen Längsbänder sind aber in den meisten Fällen nur undeutlich entwickelt. Da dies bei der Gerandeten Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) ebenfalls vorkommen kann und andererseits auch bei der Gerandeten Wasserspinne deutlich gebänderte Exemplare beobachtet wurden, ist eine sichere Unterscheidung nur nach den Genitalien möglich. Die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) ist bei der Gerandeten Wasserspinne in der Mitte unbehaart und im vorderen Teil hell, bei der Gerandeten Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) dagegen gleichmäßig dunkel und behaart. Der männliche Taster hat bei der Gerandeten Wasserspinne eine stumpfe, unterseits eingekerbte, bei der Gerandeten Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) eine spitze, nicht eingekerbte Apophyse (Fortsatz an einem Glied). Die vier größeren Augen der hinteren Reihe bilden ein Trapez, die vier kleinen vorderen eine Querreihe. Das hintere Augentrapez ist aber etwas breiter als lang und der Größenunterschied zwischen den vorderen und hinteren Augen weniger deutlich.

Lebensweise

Die Art ist noch mehr an Gewässer gebunden als bei der Gerandeten Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus). Sie hält sich stets im unmittelbaren Uferbereich, teils auf der Land-, teil auf der Wasserseite (zum Beispiel auf Schwimmblättern von Wasserpflanzen) auf. Sie ist ausgesprochen scheu und taucht bei Störungen sofort ins Wasser hinab, wo sie sich an Pflanzenstängeln u. ä. festklammert. Dabei wird sie von einer silbrig glänzenden Luftschicht umhüllt, die ihr auch hier das Atmen ermöglicht. Auf diese Weise entgeht sie sehr leicht der Beobachtung, zumal sie mindestens eine Stunde lang untergetaucht bleiben kann. Für einen Nachweis dieser Art ist daher eine sehr vorsichtige Annäherung an das betreffende Gewässer notwendig. An bekannten Fundorten ist sie im Allgemeinen leichter mit einem Wasserkescher als durch direkte Beobachtung ausfindig zu machen.

Verbreitung

Die Gerandete Wasserspinne lebt im Uferbereich stehender und langsam fließender Gewässer. Sie ist überall selten anzutreffen. Sie wird aber vermutlich an vielen Orten bisher mit der Gerandeten Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) verwechselt. Die Anzahl der bisher bekannten Fundorte (hierzu zählen zum Beispiel die Uferbereiche von zwei größeren Seen im oberschwäbischen Alpenvorland) ließe sich durch gezielte Nachsuche sicher deutlich vermehren. Des Weiteren kommt die Gerandete Wasserspinne in Österreich, Weißrussland, Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Georgien, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, in den Niederlanden, Polen, Rumänien, Russland, der Slowakei und in Schweden vor.

Ernährung

Die Gerandete Wasserspinne macht als Anschleich- oder Lauerjäger von der Wasseroberfläche aus oder auch an Land Jagd auf Insekten (Insecta), Spinnentieren (Arachnida), Kaulquappen und sogar kleinen Fischen (Pisces) oder Lurchen (Amphibia), indem sie das Beutetier mit ihren kräftigen Cheliceren blitzschnell ergreift und mittels einem Giftbiss binnen weniger Sekunden tötet. Man findet die Spinne auch häufig in der Ufervegetation der Gewässer, wo sie auf Beute lauert. Dort erfühlt sie mit ihren Beinen nach Wellen im Gewässer, wobei sie die von Wind und die von Beutetieren sehr fein unterscheiden kann. Bevor das Weibchen in der Fortpflanzungsphase ihre Eier in den Kokon legt, macht es extra große Beute, um während des Reifeprozesses davon zu zehren. Vor dem Verzehr zieht die Gerandete Wasserspinne die Beute an Land, denn sie frißt nicht auf dem Wasser. Meistens braucht sie mehrere Stunden, um die Beute während des Zerkauens mit dem Verdauungssekret vorzuverdauen und diesen Brei mithilfe ihres Saugmagens einzusaugen.

Fortpflanzung

Beide Geschlechter erreichen die Reife erst nach dem zweiten Winter. Die Paarung der Gerandeten Wasserspinne wird im Mai und Juni vollzogen. Das Männchen wartet darauf, bis das Weibchen Beute macht. Während das Weibchen die Beute frisst, kann sich das Männchen ihm nähern. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, dass das Männchen nicht selbst als Beute endet. Das Weibchen kann zweimal im Jahr ab Ende Juni bis zu 1000 Eier in den von ihr vorher gesponnenen Kokon legen. Dieser ist kugelförmig, hellgrau bis hellbraun und von etwa 10 mm Durchmesser. Das Weibchen trägt ihn in den Cheliceren immer mit sich und bewacht ihn. Kurz vor dem Schlüpfen der Jungspinnen fertigt das Weibchen ein Glockengespinst dicht am Gewässerufer in niedriger Vegetation, hängt den Kokon darin auf und bewacht ihn weiter. Die Jungspinnen entwickeln sich innerhalb zwei Jahre. Nach der ersten Überwinterung im noch subadulten Stadium häuten sie sich im Mai zur adulten Spinne. Jetzt sind sie meist noch hell gefärbt mit einem grünlich-gelben Grundton. Sie halten sich jetzt noch weit vom Ufer entfernt auf und heften sich meist an Pflanzenteilen fest. Ab dem zweiten Mai ist die Gerandete Wasserspinne ausgewachsen, sie stirbt dann etwa drei Monate später zumeist im August.

Gefährdung und Schutz

Da Gewässer und Feuchtgebiete vor allem durch den Verbau, die Zerstörung und die Verschmutzung immer mehr zurückgehen, ist folglich auch die Gerandete Wasserspinne seltener geworden. Nach der Roten Liste in Deutschland ist die Gerandete Wasserspinne vom Aussterben bedroht und daher gesetzlich geschützt.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 7. Mai 2008 <1>

  • Dolomedes plantarius - (Clerck, 1757)
  • Araneus plantarius - Clerck, 1757
  • Aranea viridata - Müller, 1776
  • Aranea plantarius - Olivier, 1789
  • Dolomedes riparius - Hahn, 1835
  • Dolomedes plantarius - Hahn, 1835
  • Dolomedes plantarius - Bösenberg, 1903
  • Dolomedes plantarius - Holm, 1947
  • Dolomedes plantarius - Chrysanthus, 1949
  • Dolomedes plantarius - Duffey, 1958
  • Dolomedes plantarius - Wiebes, 1959
  • Dolomedes plantarius - Duffey, 1960
  • Dolomedes plantarius - Beer, 1964
  • Dolomedes plantarius - Loksa, 1969
  • Dolomedes plantarius - Miller, 1971
  • Dolomedes plantarius - Locket, Millidge & Merrett, 1974
  • Dolomedes plantarius - Roberts, 1985
  • Dolomedes plantarius - Steinberger, 1985
  • Dolomedes plantarius - Renner, 1987
  • Dolomedes plantarius - Renner, 1988
  • Dolomedes plantarius - Heimer & Nentwig, 1991
  • Dolomedes plantarius - Terhivuo, 1993
  • Dolomedes plantarius - Roberts, 1995
  • Dolomedes plantarius - Bellmann, 1997
  • Dolomedes plantarius - Roberts, 1998
  • Dolomedes plantarius - Almquist, 2005

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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