Graubrusthäher

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Graubrusthäher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Aphelocoma
Art: Graubrusthäher
Wissenschaftlicher Name
Aphelocoma ultramarina
Bonaparte, 1825

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Graubrusthäher (Aphelocoma ultramarina), der auch Mexikanischer Blauhäher genannt wird, gehört innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung Aphelocoma. Im Englischen wird der Graubrusthäher Mexican Jay, Arizona Jay oder Grey-breasted Jay genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Graubrusthäher ist ein recht großer Singvogel und erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 29 bis 31 Zentimeter, eine Flügelspannweite von durchschnittlich 40 bis 42 Zentimeter, eine Flügellänge von 16 bis 17,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 90 bis 140 Gramm. Das Gewicht variiert je nach Jahreszeit zum Teil sehr stark. Die Geschlechter weisen in der Gefiederfärbung keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Jedoch kann das Männchen ein wenig größer werden. Der Oberkopf, der Nacken, der untere Teil des Rückens sowie die Flügel und die Oberseite des Schwanzes sind überwiegend blaugrau bis ultramarinblau gefärbt. Der obere Bereich des Rückens weist eine graue bis graublaue Färbung auf. Die Kehle, die Brust sowie die gesamte Bauchseite und die Unterseite des Schwanzes sind gräulich gefärbt. Die Augen weisen eine dunkle, meist schwarze Färbung auf. Der kräftige Schnabel und die Extremitäten sind schwarz gefärbt.

Lebensweise

Die geselligen Graubrusthäher gehören zu den tagaktiven und räuberisch lebenden Vögel. Die Hauptaktivitätsphaen erstrecken sich meist über die frühen Morgen- und Abendstunden. Während dieser Zeit gehen Graubrusthäher auch auf Nahrungssuche. Mit seinem kräftigen Schnabel kann der Graubrusthäher mühelos hartschalige Nüsse, Eicheln und andere Waldfrüchte öffnen und fressen. Graubrusthäher leben außerhalb der Paarungszeit paarweise, in kleinen Familiengruppen oder in kleinen Nichtbrütergemeinschaften. Einzelgängerisch sieht man die Tiere eher selten umherstreifen. Sie sind ausgesprochen soziale Vögel. Während der Paarungszeit legen sie jedoch ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag und dulden keine Artgenossen in ihrem Brutrevier. Interessanterweise ist dieses Verhalten aber nicht in allen Verbreitungsgebieten der Fall, denn in den westlichen Regionen brüten Graubrusthäher auch in kleinen Kolonien von bis zu 20 Vögeln oder zum Teil in Familiengruppen, die aus einem Pärchen und dem Nachwuchs aus dem Vorjahr bestehen. Letztere fungieren als Bruthelfer. Das Revier wird durch lautstarkes Geschrei und wenn es sein muss auch mit Schnabelhieben und den Klauen verteidigt. Dies gilt sowohl gegenüber Artgenossen als auch Fleischfressern. Die Brutreviere weisen je nach Qualität eine Größe von etwa 10 oder mehr Hektar auf.

Unterarten

Verbreitung

Graubrusthäher sind im Südwesten der USA und im nördlichen Mexiko weit verbreitet. In den USA werden insbesondere die US-Bundesstaaten Arizona, New Mexiko und Texas besiedelt. Aride und halbaride Lebensräume wie lichte Trockenwälder, deren Ränder, Busch- und Baumsavannen und die Randbereiche von Wüsten werden bevorzugt besiedelt. Graubrusthäher sind sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgslagen anzutreffen. In allen Regionen gelten die Vögel als sesshaft. Es kann allenfalls zu nahrungsbedingten Teilwanderungen kommen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Graubrusthäher gehören insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes) und andere räuberisch lebende Vögel (Aves). Zu den bekanntesten Räubern gehören zweifelsohne Virginia-Uhus (Bubo virginianus), Kolkraben (Corvus corax), Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), Wanderfalken (Falco peregrinus), Habichte (Accipiter gentilis), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) und Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii). Zahlreiche räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) haben es auf die Gelege der Graubrusthäher abgesehen. Hier sind Apache-Fuchshörnchen (Sciurus apache), Nordamerikanische Katzenfrette (Bassariscus astutus), Weißrüssel-Nasenbären (Nasua narica) und Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor) zu nennen. Graubrusthäher sind keine wehrlosen Vögel. Sie gehen vor allem gegenüber Greifvögeln ausgesprochen aggressiv vor und geben ihr Gelege oder ihr Leben nicht wehrlos preis. Nicht selten greifen sie einen Fleischfresser auch in einer Gruppe an.

Ernährung

Graubrusthäher gehören zu den opportunistischen Allesfressern. Sie ernähren sich von Insekten (Insecta) und kleinen Gliederfüßern (Arthropoda) wie Heuschrecken (Orthoptera) und Schmetterlinge (Lepidoptera), von keinen Wirbeltieren (Vertebrata) wie Amphibien (Amphibia), kleinen Mäusen (Mus) und kleinen Reptilien (Reptilia). Auch Insektenlarven und Raupen sowie die Eier anderer Vögel (Aves) und Reptilien werden keineswegs verschmäht. Darüber hinaus werden je nach Jahreszeit auch fettreiche Sämereien, Früchte und Beeren sowie allerlei Waldfrüchte wie beispielsweise Eicheln, Nüsse, Bucheckern und ähnliches gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich am Boden, eher selten auch im Geäst von Bäumen und Sträuchern. Auf pflanzlicher Nahrung greifen Graubrusthäher vor allem im Winter zurück. Graubrusthäher sind nur wenig scheu und nehmen auch Nahrung vom Menschen bereitwillig an. Für Zeiten mangelnder Nahrung legen Graubrusthäher an versteckten Plätzen Nahrungsdepots an. Mit dem kräftigen Schnabel stöbern sie am Boden gewissenhaft im Laub und drehen auch Blätter und andere Dinge um. Auch die Füße werden durchaus häufig zum Scharren eingesetzt. Auf Nahrungssuche geht es meist in kleinen Trupps, eher selten sind Graubrusthäher auch einzelgängerisch zu beobachten.

Fortpflanzung

Graubrusthäher erreichen die Geschlechtsreife im Alter von rund einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet von März bis in den Mai hinein. Pro Saison kommt es dabei nur zu einem Gelege. Das Brutverhalten ist bei den Graubrusthähern nicht einheitlich. In den östlichen Regionen ziehen die Graubrusthäher paarweise in ein Brutrevier zurück und meiden den Kontakt zu Artgenossen. In den westlichen Verbreitungsgebieten brüten die Vögel in kleineren Kolonien oder in Familiengruppen, in denen Bruthelfer bei der Aufzucht des Nachwuchses helfen. Innerhalb einer Art ist ein so unterschiedliches Verhalten selten zu beobachten. Es kann bislang nicht erklärt werden. Die Balz ist durch den Gesang der Männchen geprägt. Auch ein Tanz wird in unmittelbarer Nähe zu einer potentiellen Partnerin vollführt. Im Vorfeld einer Paarbildung fängt ein Männchen bereits mit dem Bau eines Nestes an. Dieses soll einem Weibchen imponieren. Die Balz endet in der eigentlichen Kopulation, die sich nur über wenige Sekunden erstreckt (maximal 5 Sekunden). In der Folgezeit wird der Nestbau vollendet, sollte das Nest noch nicht vorher schon fertig sein. Die Nester der Vögel entstehen in der Regel in niedrigen Bäumen oder in Büschen. Die napfartigen Nester entstehen in Astgabeln und werden von beiden Geschlechter aus Ästchen, kleinen Wurzeln, Gräser und anderen Pflanzenteilen erreichet. Das Nestinnere wird mit weichen Pflanzenteilen und Tierhaaren ausgepolstert.

Die Eiablage beginnt für gewöhnlich im späten April und kann sich bis in den Mai erstrecken. Ein Gelege besteht aus ein bis sechs grünliche bis blaugrüne Eier mit bräunlichen Sprenkeln, wobei ein durchschnittliches Gelege aus vier bis fünf Eiern besteht. Das Wärmen der Eier beginnt meist mit dem dritten oder vierten Ei. Es brütet ausschließlich das Weibchen. Die Inkubation erstreckt sich über 17 bis 18 Tage. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen oder eventuellen Bruthelfern mit Nahrung versorgt. Der Schlupf der Küken erfolgt innerhalb eines Tages. Die Jungen weisen meist die gleiche Größe auf. Nur bei größeren Gelegen kann es zu einer unterschiedlichen Größe der Nestlinge kommen. Das Schlupfgewicht liegt bei durchschnittlich sechs Gramm. Sie sind beim Schlupf zudem nackt und blind. Die Nestlingszeit erstreckt sich über 25 bis 28 Tage. Nach vier Wochen weisen die Jungvögel bereits ein stattliches Gewicht von rund 100 Gramm auf. Gefüttert wird der Nachwuchs von allen Mitgliedern einer Gruppe, auch den eventuell vorhandenen Bruthelfern. Verfüttert werden in der ersten Zeit hauptsächlich Insekten und Larven, später auch Waldfrüchte wie Eicheln und ähnliches. Während des ersten Lebensjahres ist die Sterblichkeit sehr hoch. Haben die Jungvögel diese kritische Zeit überstanden, so können sie ein Alter von mehr als 10 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Graubrusthäher spielen in ihrem Ökosystem eine durchaus wichtige Rolle. Sie gelten vor allem als exzellente Samenverbreiter von Eicheln und andere Laubbäume. Für schlechte Zeiten legen Graubrusthäher Nahrungsvorräte in Form von Sämereien an. Nicht alle dieser Depots werden wiedergefunden oder vollständig verzehrt. Restliche Sämereien dienen dabei dem Pflanzenwuchs oder anderen Tieren als Nahrung. Auf der anderen Seite fressen sie in großem Umfang Schadinsekten und kleinere Wirbeltiere. Sie erhalten so das ökologische Gleichgewicht zwischen den einzelnen Arten. Der Graubrusthäher gilt noch nicht als gefährdete Art. Dementsprechend wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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