Grauhörnchen

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Grauhörnchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Gattung: Eichhörnchen (Sciurus)
Art: Grauhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Sciurus carolinensis
Gmelin, 1788

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Eichhörnchen (Sciurus). Im Englischen wird das Grauhörnchen eastern gray squirrel oder grey squirrel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Grauhörnchen erreicht eine Körperlänge von 30 bis 35 cm, eine Schwanzlänge von gut 25 cm und ein Gewicht von 400 bis 700 g. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf, weder in der Größe noch in der Fellfärbung. Das kurze aber dichte Fell ist überwiegend grau bis graubraun gefärbt. Im Kopfbereich weist die Färbung mehr Braunanteile auf. Ventral ist das Fell hellgrau bis weißlich gefärbt. Dies gilt auch für den Bereich der Kehle. Die Ohren können eine Länge von 30 mm erreichen und sind deutlich gerundet. Das kräftige Gebiss zählt 22 Zähne. Die Schneidezähne wachsen aufgrund der starken Abnutzung ein Leben lang.

Lebensweise

Grauhörnchen sind überwiegend tagaktiv. Während der Mittagszeit legen sie allerdings eine Pause ein, da sie zu große Hitze nicht vertragen. Die Nacht verbringen sie in ihren Nestern, gut versteckt in Baumhöhlen. Übergangsnester entstehen aber auch in Astgabeln aus Blättern und Zweigen. Den Winter verbringen sie allerdings in festen Behausungen (Baumhöhlen). Grauhörnchen leben einzelgängerisch und sind ausgesprochen territorial. Die Größe ihres Reviers hängt stark vom Nahrungsangebot ab.

Unterarten

  • Sciurus carolinensis carolinensis
  • Sciurus carolinensis extimus
  • Sciurus carolinensis fuliginosus
  • Sciurus carolinensis hypophaeus
  • Sciurus carolinensis pennsylvanicus

Verbreitung

Grauhörnchen
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Grauhörnchen

Das Grauhörnchen ist insbesondere im östlichen und zentralen Teil der USA und Kanada verbreitet. In den USA hauptsächlich westlich des Mississippi. Die Tiere leben meist in Laub- oder Mischwäldern. Dabei sind sie durchaus auch in menschlichen Siedlungen, insbesondere in Parks und größeren Gärten, anzutreffen. Offene Bereiche werden strikt gemieden. Das Grauhörnchen hält sich fast ausschließlich in den Bäumen auf. Den Boden betritt es meist nur um einen Baum zu wechseln.

Prädatoren

Grauhörnchen haben eine weite Palette an Fressfeinden. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen unter anderem der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Rotluchs (Lynx rufus), der Grauwolf (Canis lupus), verschiedene marderartige Tiere sowie Greifvögel und größere Eulen. Grauhörnchen sind wachsame Tiere, die permanent auf der Hut sind. Aber vor allem viele Jungtiere fallen durch Unachtsamkeit Raubtieren zum Opfer. Bei Gefahr warnen sich Grauhörnchen gegenseitig mit Lauten und verstecken sich in ihren Behausungen. In den Bäumen sind sie aufgrund ihrer hohen Beweglichkeit vor den meisten Fressfeinden in Sicherheit.

Ernährung

Grauhörnchen
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Grauhörnchen

Als Allesfresser finden Grauhörnchen ihre Nahrung hauptsächlich in den Wipfeln der Bäume. Neben Nüssen, Eicheln, Knospen, jungen Trieben, Baumsamen und Beeren fressen sie aber auch Insekten wie Käfer und Motten sowie Kleinsäuger, Frösche, Vogeleier und die Brut von Vögeln. Die Früchte der Zürgelbäume (Celtis), Weißdorn (Crataegus) und Rosskastanien (Aesculus) werden besonders gerne gefressen. Im Herbst suchen Grauhörnchen gelegentlich am Boden auch nach Pilzen. Auch vor Aas machen sie nicht halt. Auf Nahrungssuche gehen sie in der Regel in den frühen Morgen- und Abendstunden. Im Sommer meiden sie grundsätzlich die heiße Mittagszeit. In Zeiten von Nahrungsüberschuss legen Grauhörnchen in Erdlöchern und Baumhöhlen einen Wintervorrat an Nahrung an. Mit Hilfe ihres guten Geruchssinnes und eines hervorragenden Gedächtnisses finden sie ihre Vorratslager fast immer wieder. Ein Grauhörnchen benötigt pro Tag, je nach Alter und Geschlecht, zwischen 50 und 70 g an Nahrung. Ihre Schneidezähne werden an harter Nahrung wie Nüsse ständig abgewetzt und wachsen ein Leben lang. Innerhalb der ökologischen Entwicklung des Waldes spielen sie eine große Rolle, da sie durch Fallenlassen der Früchte zur natürlichen Aufforstung beitragen.

Fortpflanzung

Das Grauhörnchen erreicht die Geschlechtsreife mit rund acht bis zwölf Monaten. Jedoch tritt bei den Männchen nur die soziale Geschlechtsreife in Kraft. Das heißt, aufgrund von Rivalenkämpfen können Männchen meist erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres das erste Mal ein Weibchen begatten. Vorher sind sie älteren Männchen körperlich unterlegen. Die Paarungszeit beginnt meist im Januar, gelegentlich auch schon im Dezember. In nördlichen Verbreitungsgebieten beginnt die Paarungszeit aufgrund längerer Winter entsprechend später.
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Grauhörnchen
Während der Paarungszeit kommt es zu einem oder zwei Würfen. Grauhörnchen leben polygam. Ein Männchen begattet in der Regel mehrere Weibchen. Umgekehrt verfährt das Weibchen ähnlich. Das Männchen hat nach der Begattung seine Aufgabe erfüllt. Die Aufzucht des Nachwuchses wird allein vom Weibchen übernommen. Hat sich ein Männchen bei den Rivalenkämpfen durchgesetzt, so erfolgt die Kopulation, die nur wenige Sekunden bis hin zu einer halben Minute dauert.

Nach einer Tragezeit von 42 bis 45 Tagen bringt das Weibchen in ihrem Nest zwischen drei und fünf Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, blind und taub. Sie wiegen rund 15 g. Bereits nach einer bis zwei Wochen ist ihnen ein Fell gewachsen. Kurze Zeit später öffnen sich auch die Ohren und die Augen. Die Entwöhnung beginnt meist mit dem 40. Lebenstag. Im Alter von gut drei Monaten lösen sich die Jungtiere von der Mutter. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei zehn bis zwölf Jahren. Jedoch fallen ein Großteil der Jungtiere im ersten Lebensjahr Fressfeinden zum Opfer. In Gefangenschaft kann ein Grauhörnchen durchaus ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört das Grauhörnchen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Das Grauhörnchen ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt das Grauhörnchen selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird das Grauhörnchen als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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