Grizzlybär

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Grizzlybär

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Großbären (Ursidae)
Gattung: Ursus
Art: Braunbär (Ursus arctos)
Unterart: Grizzlybär
Wissenschaftlicher Name
Ursus arctos horribilis
Ord, 1815

Der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) ist eine Unterart des Braunbären (Ursus arctos) und zählt innerhalb der Familie der Großbären (Ursidae) zur Gattung Ursus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Grizzlybären erreichen, je nach Verbreitungsgebiet, eine Körperlänge von bis zu 280 cm, eine Schulterhöhe von bis zu 150 cm, eine Schwanzlänge von gut 10 cm sowie ein Gewicht von 460 bis 780 Kg (Novak, 1999). Männchen werden zum Teil deutlich größer als Weibchen. Auch die Fellfärbung unterscheidet sich stark. Je nach Vorkommen ist das Fell graubraun, gelbbraun oder dunkelbraun. Nahrungsangebot, Klima und Lebensraum spielen bei der Fellfärbung eine entscheidende Rolle. Der Körper ist robust und stämmig gebaut. Die Beine sind ausgesprochen lang und kräftig. Die Füße enden in fünf Zehen, die mit massiven Krallen versehen sind. Die Krallen können nicht eingezogen werden. Der rundliche Kopf ist massig und sitzt auf einem mächtigen Nacken.

Grizzlybären verfügen über sehr feine Sinne. Vor allem der Geruchssinn ist sehr weit entwickelt. Über mehrere Kilometer können sie ihre Nahrung wittern. Auch das Sehvermögen und das Gehör sind außerordentlich gut entwickelt. Die Tiere leben, abgesehen vom Weibchen mit ihren Jungen, als Einzelgänger in ihren zum Teil riesigen Territorien. Ihre Reviere können bis zu 1.000 qkm groß sein. In den kalten Wintermonaten halten Grizzlybären eine Winterruhe. Für diese Ruhephase fressen sie sich im Sommer und Herbst eine dicke Speckschicht an. In vielen Verbreitungsgebieten sind Grizzlybären vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben. Die größten Populationen gibt es heute nur noch im Nordwesten der USA und im Westen Kanadas.

Verbreitung

Die heutigen Hauptverbreitungsgebiete erstrecken sich über den Nordwesten der USA und dem Westen Kanadas, insbesondere in Britisch-Kolumbien. Vor mehrenen hunderttausend Jahren gelangten die ersten Bären über die Beringstraße in den Norden Amerikas. Dort breiteten sie sich schnell und weitflächig aus. Kleinere Populationen findet man heute noch im Nordwesten Mexikos sowie im Südwesten der USA. Einige wenige gesicherte Rückzugspunkte stellen heute die großen Nationalparks wie der Yellowstone-Nationalpark und der Glacier-Nationalpark dar.

Nahrung

Grizzlybären sind Allesfresser. Sie fressen neben Beeren, Pflanzen und deren Wurzeln auch Fleisch und Fisch. Insekten und deren Maden sowie Vögel und deren Brut stehen ebenfalls auf ihrem Speiseplan. Auch Aas verschmähen sie nicht. An der Küste fressen sie während der Lachswanderungen überwiegend Fisch. Von den Lachsen fressen sie meist nur die sehr fetthaltige Haut, die Flosse und den Rogen. Ein Grizzlybär benötigt zwischen 15 und 20 Kg am Tag.

Fortpflanzung

Grizzlybären erreichen die Geschlechtsreife mit rund vier Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Sommermonate. Das befruchtete Ei fängt allerdings nicht sofort an zu wachsen, sondern erst mit Beginn des Winters. Nach einer Tragezeit von zwei Monaten bringt das Weibchen während der Winterruhe zwischen zwei und vier Jungtiere zur Welt. Die kleinen Bären haben ein Geburtsgewicht von 300 bis 400 Gramm sowie eine Länge von 30 cm. Sie sind anfangs noch nackt und blind. Das Weibchen wärmt die Jungen zwischen Bauch und Arme. Im Alter von etwa 30 Tagen öffnen die Jungbären ihre Augen. Aufgrund der fettreichen Milch wachsen die Tiere sehr schnell heran. Mit Verlassen der Höhle im Frühjahr sind die Jungtiere vollständig entwickelt und können der Mutter folgen. Sie werden insgesamt für vier Monate gesäugt, bleiben aber noch zwei bis drei Jahre bei der Mutter, die ihnen alles Wissenswerte beibringt. Das Muttertier verteidigt ihre Sprößlinge energisch - auch gegenüber männlichen Artgenossen. Grizzlybären erreichen in Freiheit ein Alter von etwa 30 Jahren.

Ökologie

Biozönose mit Schwarzbären

Der Grizzlybär und der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus) teilen sich die Verbreitungsgebiete, sind oft aber in verschiedenen Biotopen (Grizzly oftmals eher offene Landschaft, Schwarzbär Wald) anzutreffen. Wesentlich häufiger, als früher noch vermutet, überschneiden sich jedoch die Habitate der beiden Arten. In der Regel gehen sich die Bären dann, vor allem durch zeitlich unterschiedliches Auftreten, aus dem Weg. Kommt es jedoch, beispielsweise aufgrund von plötzlichen Umweltveränderungen und damit verbundenem anderem Nahrungsangebot in bestimmten Gebieten, zu einer Begegnung, kann es passieren, dass ein Grizzlybär einen Schwarzbären tötet und frisst. Bereits vier mal wurde ein solches Verhalten im Yellowstone-Nationalpark und den umgebenden Wäldern beobachtet. Der Grund für dieses Verhalten kann auch sein, dass Schwarzbären, die sich bei einem Zusammentreffen der beiden Arten oft versuchen auf Bäumen zu retten, in weite Ebenen ohne Baumbestand wagen, dort sind sie den größeren Grizzlys ausgeliefert.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Bären (Ursidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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